Frankfurter Stadtplanung

Dezernent Josef wirbt für Erweiterung im Nordwesten

31.07.2022
, 11:32
Der Blick von Steinbach auf das geplante neue Frankfurter Wohnviertel „Josefstadt“ beidseits der A5.
Die Stadterweiterung im Nordwesten Frankfurts ist weiterhin umstritten. Planungsdezernent Mike Josef (SPD) verteidigt das Vorhaben und erinnert an die Zeit des Neuen Frankfurt vor hundert Jahren.
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­­­­­Die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts gelten als prägende Epoche des Wohnungsbaus. In der Zeit des „Neuen Frankfurts“ entstanden zehntausende von Wohnungen für breite Schichten der Bevölkerung. Daran will die Stadt 100 Jahre später anknüpfen – das Stadtplanungsamt hat eine Veranstaltung im Rahmen des vom Land Hessen initiierten „Großen Frankfurter Bogen Sommers“ am Freitagabend deshalb bewusst unter das Motto „Wohnen in den neuen Zwanzigern?“ gesetzt.

Wenn Planungsdezernent Mike Josef (SPD) in die „alten Zwanziger“ zurückblickt, stellt er Parallelen zu heute fest: „Schon damals ging es um bezahlbaren Wohnraum, um modulares Bauen, um die Gestaltung von Grünflächen“, sagte er. „Und Oberbürgermeister Ludwig Landmann beschwerte sich über die mangelnde Kooperationsbereitschaft der Region.“

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Damit ist Josef mitten in den aktuellen Debatten, die sich um die Stadtentwicklung im Nordwesten drehen. Diese wird von Nachbargemeinden vehement bekämpft, doch Josef plädiert an diesem Abend abermals für die Stadterweiterung: Sie passe zur Strategie des Landes, Neubaugebiete vor allem an den Strecken des öffentlichen Nahverkehrs auszuweisen. Das treffe auch für das Areal zwischen Praunheim und der A 5 zu. Dort werde in einigen Jahren die Regionaltangente West verlaufen, die Haltestelle im Gewerbegebiet Praunheim liege nach den derzeitigen Plänen „mitten auf dem Acker“. Es biete sich geradezu an, die Stadt dort weiterzuentwickeln.

Allerdings seien die Herausforderungen heute größer als vor 100 oder 60 Jahren, sagt Josef und weist darauf hin, dass die Begründung des Bebauungsplans für die in den sechziger Jahren errichtete Nordweststadt gerade einmal eine Seite umfasste. Heute seien selbst für kleinere Bebauungspläne 80 bis 160 Seiten nötig. Deshalb dauere die Planung neuer Wohngebiete wesentlich länger.

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So wird auch am „Stadtteil der Quartiere“ im Nordwesten schon seit mehreren Jahren gearbeitet. Im Herbst sollen die Ergebnisse der laufenden Untersuchungen vorliegen. Dann wird es auch eine Antwort auf die Frage geben, ob auf beiden Seiten der Autobahn gebaut werden soll oder nur im Osten, also auf der Frankfurt zugewandten Seite.

Der im städtebaulichen Wettbewerb ausgewählte Entwurf des Planungsteams Cityförster sieht ohnehin den Großteil der geplanten Wohnungen für 23.000 Menschen im Osten vor. Im Westen sind nur ein kleineres Baugebiet bei Steinbach sowie im großen Umfang Landwirtschafts- und Grünflächen vorgesehen. „Wir wollen die Naturräume stärken“, sagt Tim Kohne von Cityförster. „Unser Entwurf nimmt als Grundlage die Landschaft, die schon da ist.“

Er zeigt erstmals Bilder, wie sich die Planer die Neubaugebiete vorstellen: Vielfältige Bauformen mit viel Grün dazwischen, ein abgestufter Übergang in die freie Landschaft, besondere Nutzungen wie ein landwirtschaftliches Zentrum („Agro-Hub“) mit Hofladen und Tieren. Die Ansichten wirken wie aus dem Bilderbuch. „Sie vermitteln einen nostalgisch-dörflichen Charakter“, meint die Architektin Sabrina Wirtz in der anschließenden Diskussion. Doch Tim Kohne sagt, es sie wichtig, „Bilder zu produzieren, über die man diskutieren kann“. Die Planer versuchten, das zu verbinden, „was die Leute gerne haben“, also städtische und dörfliche Strukturen zu verbinden. Dass so etwas gelingen kann, zeigten gelungene Beispiele, etwas in Rotterdam.

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Ob und in welcher Form die Stadterweiterung realisiert wird, ist noch offen. Josef weist aber schon vorsorglich darauf hin, dass man es nicht allen werde recht machen können. „Die Vorstellung, in der Stadtplanung müssten alle an einem Strang ziehen, ist eine Illusion.“ Am Ende gelte es, die verschiedenen Interessen miteinander abzuwägen.

Quelle: mu.
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