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Angeklagter im Fall Irina A.

„Ich habe mit ihrer Ermordung nichts zu tun“

Von Anna-Sophia Lang
 - 11:57
Akten des Prozesses: Vieles ist weiterhin unklar. (Archivbild)

Am letzten Prozesstag in diesem Jahr hat sich der wegen Mordes angeklagte Frankfurter Gastronom Jan M. nochmals zu den Vorwürfen gegen ihn eingelassen. Er bekräftigte dabei, was er schon am ersten Prozesstag im August gesagt hatte. Den Tathergang, wie er in der Anklageschrift dargestellt wird, nannte er eine Unterstellung, die „ein Produkt der Phantasie der Staatsanwaltschaft“ sei. „Ich hatte keine Schulden bei Irina. Es gab keine Verabredungen mit ihr am Abend des 8. Mai 2018, weder am noch im Niddapark oder sonst irgendwo, weder alleine noch mit einem Dritten.“

Die Staatsanwaltschaft ist der Überzeugung, dass M. sich für 21.15 Uhr mit seiner Geschäftspartnerin in dem Park verabredet hatte. Grund für das Treffen sollen Schulden gewesen sein, die er bei ihr hatte, aber nicht zurückzahlen konnte, wenngleich sie dies immer drängender gefordert habe. Er habe ihr vorgespiegelt, sie müssten sich an diesem ungewöhnlichen Ort treffen, weil dort jemand Drittes hinzukommen werde. Diese Person werde als Geldgeber fungieren. M.s Absicht sei aber nie gewesen, Irina A. Geld zu geben – stattdessen habe er sich ihrer entledigen wollen. Mit mindestens 21 kräftigen Messerstichen in Brust, Kopf und Nacken soll er das dann auch getan haben.

M. sagte nun abermals aus, dass lediglich am Abend vor dem Tattag ein Treffen mit einer dritten Person am Niddapark gescheitert sei, das A. jedoch selbst initiiert habe und zu dem er mitgekommen sei. Nachdem die dritte Person nicht aufgetaucht sei, seien sie unverrichteter Dinge weggefahren. M. äußerte zudem, er habe gewusst, dass Irina am 8. Mai abends noch einmal am Niddapark verabredet gewesen sei. Wegen anderweitiger Verpflichtungen sei er jedoch nicht mitgekommen. Er habe Irina aber gebeten, sich nach dem Treffen bei ihm zu melden. Dies tat sie nicht: Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die 29 Jahre alte Frau zwischen 21.39 Uhr und 23 Uhr starb.

In den Augen des Angeklagten eine Lügnerin

Am ersten Prozesstag hatte M. gesagt, er sei spät in der Nacht wach geworden und habe sich gewundert, dass er nichts von ihr gehört habe. Spontan will er sich entschlossen haben, mit dem Motorrad nach ihr zu suchen. Dabei sei er schließlich zum Niddapark gefahren und habe die tote Irina entdeckt. Er habe an ihrem Fuß gerüttelt und ihren Puls gefühlt. Vor Schock habe er sich auf eine Bank am Weg gesetzt. DNA-Spuren dort und am Fuß der Toten erklärt er sich mit einer Handverletzung, die wieder aufgebrochen sein könnte.

Zum wiederholten Mal thematisierten M. und seine Verteidiger gestern eine Freundin von Irina, auf deren Aussage die Annahme zurückgeht, dass M. und A. am Tatabend im Niddapark verabredet gewesen seien. In den Augen des Angeklagten ist sie eine Lügnerin, die die Ermittlungen auf ihn lenken wollte. Doch auch von Irina nimmt M. laut seiner neuen Einlassung an, dass sie oft die Unwahrheit über ihn erzählt habe. So etwa das, was mehrere Zeugen in dem Prozess berichtet haben: dass er die gemeinsame Bar „First In“ an der Freßgass’ ohne ihr Wissen verkauft habe und ihren Anteil daran nie ausgezahlt habe. Beides sei nicht der Fall gewesen. Irina habe alles über den Verkauf gewusst und ihren Anteil in Raten erhalten.

Die Situation „nervlich kaum ausgehalten“

Außerdem antwortete M. auf die Aussagen mehrerer Zeugen, denen zufolge er in den Tagen nach dem Tod der Frau seinem Schock und seiner Trauer Ausdruck verlieh, ohne zu sagen, dass er ihre Leiche entdeckt hatte. Einige Zeugen erfuhren das erst in der Gerichtsverhandlung und waren einigermaßen entsetzt. M. sagte dazu, diese Situation habe er „nervlich kaum ausgehalten“. Es sei ihm ausgesprochen schlecht gegangen. „Daran bin ich aber selber schuld.“ Dennoch sei daraus nicht zu schließen, dass er Irina A. umgebracht habe. „Ich habe mit ihrer Ermordung weder direkt noch indirekt etwas zu tun.“

Vor M.s Einlassung war gestern ein weiterer Zeuge gehört worden, in dem die Verteidigung einen potentiellen Tatverdächtigen sah. Seine Frau und er waren nach eigener Auskunft gut mit A. befreundet. Er ist der Cousin eines Mannes, mit dem A. über längere Zeit eine On-off-Beziehung hatte. Zwischen dem Zeugen und der jungen Frau kam es zu einem Konflikt, als sie mit dessen Frau zur Polizei ging, weil er sie angeblich schlug. Das Jugendamt nahm ihm die Kinder in der Folge zwischenzeitlich weg.

Verdächtig schien, dass der Zeuge am Morgen nach A.s Tod um 6 Uhr in den Zug Richtung Frankreich stieg. Doch er sagt, er habe sich auf dem Weg zu seinen Eltern gemacht, wo er zuvor schon gewesen sei und sein Auto aus der Werkstatt habe holen wollen. Seit etwa eineinhalb Jahren lebt er auch mit seinen Kindern nahe seiner Familie in Frankreich. Der Prozess wird am 13. Januar fortgesetzt.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Lang, Anna-Sophia
Anna-Sophia Lang
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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