Multifunktionshalle Frankfurt

Linke will Akten zu Arena sehen

Von Tobias Rösmann
Aktualisiert am 08.08.2020
 - 19:28
Wird nicht realisiert: der geplante Bau der Multifunktionshalle am Offenbacher Kaiserlei
Das Großprojekt einer Multifunktionshalle am Kaiserlei in Offenbach ist gescheitert. Jetzt soll ein Ausschuss klären, worin die Gründe dafür liegen.

Die Linke im Römer will in einem Akteneinsichtsausschuss klären lassen, ob im Vergabeverfahren zum Bau einer Multifunktionsarena am Kaiserlei „Fehler gemacht wurden, die öffentlich noch nicht bekannt sind“. So steht es in einem neuen Antrag der Fraktion, dem die Stadtverordneten in jedem Fall stattgeben werden: Wer im Römer die Akten zu einem Verwaltungsvorgang einsehen will, bekommt dazu immer die Möglichkeit. Ein Akteneinsichtsausschuss hat allerdings weit geringere Rechte als ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss. Er kann zum Beispiel keine Zeugen laden.

Nach jahrelangem Prozedere waren im Mai die Verhandlungen mit dem favorisierten Bieterkonsortium und der Stadt überraschend gescheitert. Federführend war das Unternehmen Langano, eine hundertprozentige Tochter der Hannover Leasing, zudem beteiligten sich Lagardère Sports Germany sowie das Bauunternehmen BAM Sports. Vor drei Monaten ließ Langano dann einen fest vereinbarten Termin zur Abgabe eines Angebots verstreichen. Daraufhin entschied Sportdezernent Markus Frank (CDU), dem Konsortium den Status als „Preferred Bidder“ zu entziehen und stattdessen mit dem zweiten Anbieter AEG Anschutz über das Projekt zu verhandeln.

„Diese Nachricht hat uns sehr überrascht“

Wenig später stellte sich heraus, dass es offenbar Zwist zwischen den Partnern gegeben hatte. Lagardère-Geschäftsführer Robert Müller von Vultejus teilte damals mit, auch sein Unternehmen sei erst kurz zuvor darüber informiert worden, „dass Langano nicht wie besprochen ein gemeinsam erarbeitetes Angebot am Montag bei der Stadt eingereicht hat“. Und weiter hieß es: „Diese Nachricht hat uns sehr überrascht.“

Dem Ausschuss sind laut Antrag der Linken-Fraktion der komplette Schriftverkehr des Vergabeverfahrens vorzulegen – inklusive E-Mails und Chatprotokollen aus Messenger-Diensten sowie alle Vertragsentwürfe und Vereinbarungen zum Bau einer Multifunktionshalle am Kaiserlei zwischen der Stadt und den beiden Bietergruppen Langano/Lagadère und AEG Anschutz. Zu klären sei, warum das Projekt in der geplanten Form scheiterte.

Am Kaiserlei zwischen Frankfurt und Offenbach sollte auf einer etwa 25.000 Quadratmeter großen Fläche für 120 bis 150 Millionen Euro eine Multifunktionsarena für bis zu 13.000 Zuschauer entstehen. Sie war als neue Heimspielstätte für die Profivereine Skyliners (Basketball) und Löwen (Eishockey) gedacht. Auch Konzerte sollten dort stattfinden.

Ein drittes Konsortium unter Führung des kanadischen Unternehmens Katz Group, das an dem ursprünglichen Bieterverfahren der Stadt nicht teilgenommen hatte, plant derweil parallel eine Multifunktionsarena für bis zu 23.000 Besucher am Frankfurter Flughafen. In das Projekt namens „The Dome“ sollen rund 330 Millionen Euro investiert werden.

Quelle: F.A.Z.
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