Staatsweinkellerei in Eltville

Phoenix aus der Asche

EIN KOMMENTAR Von Oliver Bock
15.01.2022
, 12:33
Ehemalige Staatsweingüterkellerei Eltville: neuer Besitzer, neue Pläne.
Sichtbarkeit der Bildbeschreibung wechseln
Endlich ist ein Investor für die Brandruine der Staatsweinkellerei in Eltville gefunden. Nun gilt es, die Erwartungen nicht zu überfrachten und alte Fehler nicht zu wiederholen.
ANZEIGE

Das Leben ist kein Wunschkonzert. Das gilt auch für die Kommunalpolitik. Stadtverordnete neigen bisweilen zu überzogenen Erwartungen an Investoren. Vor allem, wenn es um vermeintliche Filetgrundstücke geht. Die Folge sind Enttäuschung und Stillstand. Der ehemalige Stammsitz der Staatsweingüter ist dafür ein abschreckendes Beispiel, auch wenn er nicht Eltviller Eigentum ist.

Schon vor 15 Jahren ist das Landesweingut in den Neubau am Steinberg umgezogen und hat in Eltville eine verwinkelte Brache hinterlassen. Sechs Jahre dauerte es, bis vom Land für das angeblich so attraktive Grundstück ein Käufer gefunden war, der die überfrachteten Wünsche der Kommune zu erfüllen trachtete. Aber auch nach der ersehnten Transaktion tat sich wenig bis nichts. Der irakische Investor hatte es sich offenbar leichter vorgestellt, im Spannungsfeld zwischen Denkmal- und Brandschutz ein ambitioniertes Projekt zu verwirklichen.

ANZEIGE

Es gibt wieder Hoffnung

Dass die Kreisbauaufsicht jahrelang weitgehend untätig zusah, dass ein Kulturgut unzureichend gegenüber Zerstörungswut und vor nächtlichen „Besuchern“ gesichert wurde, und dass nach der Brandstiftung im Jahr 2015 Regen und Schnee die Bausubstanz ungehindert weiter zerstören konnten, ist ein Skandal. Genau für diesen Fall gibt es rechtliche Instrumente. So wie beim Lorcher Hilchenhaus, für dessen Sicherung der Kreis seinerzeit mit Steuergeld in die Bresche sprang, um ein Zusammenbrechen des Kulturguts nach der Insolvenz des Investors zu verhindern. Vergleichbares blieb in Eltville aus.

Dieses Kapitel ist nun endlich abgeschlossen. Ein neuer Eigentümer hat sich gefunden, der allem Anschein nach mit einer realistischen Einschätzung, mit langjähriger Erfahrung in der Region und mit dem notwendigen langen Atem das Projekt angeht. Ein Hotel, wie es sich die Politik lange gewünscht hatte, ist aber vom Tisch. Es wäre ohnehin der falsche Standort in einer Region, in der Übernachtungsgäste von ihrem Zimmer aus vorzugsweise den Rhein oder die Weinberge sehen wollen und nicht eine Einfallstraße.

Wissen war nie wertvoller

Lesen Sie jetzt F+ 30 Tage kostenlos und erhalten Sie Zugriff auf alle Artikel auf FAZ.NET.

JETZT F+ LESEN

Die Brandruine ist eine Wunde in der Stadtentwicklung, die zu lange offen blieb. Die Stadtverordneten tun gut daran, den neu aufgelegten Planungsprozess unterstützend zu begleiten. Sie können froh sein, dass es für ein weitgehend zerstörtes Kulturdenkmal wieder Hoffnung gibt.

ANZEIGE
Quelle: F.A.Z.
Oliver Bock - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Oliver Bock
Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.
Twitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
ANZEIGE