U-Bahnlinie 5 in Frankfurt

Eine der tiefsten Baustellen

Von Mechthild Harting
02.07.2022
, 18:27
Angekommen: Die Tunnelröhre der neuen U5 endet unter dem Platz der Republik vor einer Stahlbetonwand, hinter der bisher die alte U5 fährt.
Bis Ende 2025 soll die Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 ins Frankfurter Europaviertel fertig sein. Das schwierigste Stück, die 850 Meter langen Tunnelröhren vom Platz der Republik bis zur Europa-Allee, sind jetzt im Rohbau fertig.
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Die Verlängerung der U 5 ins Eu­ropaviertel ist einen entscheidenden Schritt weiter: Die technisch anspruchsvollen Arbeiten zur Herstellung der beiden jeweils 850 Meter langen Tunnelröhren, die in den vergangenen drei Jahren in einer Tiefe von 14 bis 25 Metern vom Platz der Republik bis zur Europa-Allee durch den Untergrund gefräst wurden, sind abgeschlossen. Die Röhren enden nun unmittelbar an der Stahlbetonwand, die seinerzeit beim Bau der U5 unter dem Platz der Republik eingezogen wurde und das damalige Ende des Tunnels signalisierte.

Die Baustelle an der Europa-Allee: Es bleibt noch viel zu tun.
Die Baustelle an der Europa-Allee: Es bleibt noch viel zu tun. Bild: Frank Rumpenhorst

Die Hauptarbeit dafür hatte bis vor einem Jahr eine eigens für die U-Bahn-Baustelle im Europaviertel entwickelte Tunnelvortriebsmaschine übernommen. In den vergangenen zwölf Monaten mussten jedoch 28 Tunnelbauer händisch mit Hilfe von Stemm- und Baggerarbeiten die letzten Meter bis zu der entscheidenden Stahlbetonwand herstellen. Dabei haben sie unter Druckluft, damit das Grundwasser nicht eindringt, im sogenannten bergmännischen Vortrieb mit Spritzbeton die Wände befestigt und anschließend eine Betoninnenschale errichtet. Auf diese Wiese mussten in der Südröhre elf Meter und in der Nordröhre drei Meter Tunnel hergestellt werden. Jetzt, mit dem Erreichen der Stahlbetonwand, en­den die Tunnelbauarbeiten. Doch in der Tiefe wird weitergebaut.

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Fertigstellung Ende 2025

Als Nächstes entsteht die einzige un­terirdische Station dieser neuen Stadtbahnstrecke ins Europaviertel: Die Station „Güterplatz“, die genau zwischen dem Einkaufszentrum Skyline Plaza und den im Bau be­findlichen Wohngebäuden liegen wird. Da sie in rund 25 Metern Tie­fe entsteht, ist sie nach Angaben der Fachleute von Porr, dem beauftragten Tunnelbauunternehmen, eine der tiefsten Baugruben Frankfurts.

Nach Fertigstellung der Station „Güterplatz“ geht es für die Stadtbahn auf den verbleibenden knapp zwei Kilometern nur noch oberirdisch weiter. Fast jedenfalls. Allein im Europatunnel verschwindet die Bahn noch einmal unter der Erde. Die Arbeiten dort sind jedoch längst abgeschlossen. Die Trasse ist vor Jahren zusammen mit der Tunnelstrecke für den Autoverkehr entstanden, in offener Bauweise. Der später entstandene, aber immer noch nicht für die Öffentlichkeit zugängliche Europagarten, bildet das Dach. Ende 2025 soll die U5-Verlängerung fertig sein.

Das Ende der Tunnelbauarbeiten ist An­lass für Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) und die von der Stadt und der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) für diese U-Bahn-Stecken-Verlängerung ge­gründete Stadtbahn Europaviertel Projektbaugesellschaft (SBEV) gewesen, das Tunnelbauvorhaben als Rohbau zu präsentieren. Schließlich handele es sich um den zentralen Teil eines der größten Infrastrukturprojekte der Stadt Frankfurt.

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Knackpunkt Grundwasser

Mit dem Abschluss der Tunnelarbeiten endet auch das Engagement von Tunnel­patin Franziska Reichenbacher. Die „Lottofee“ hatte sich 2019 bereit erklärt, das herausfordernde Projekt zu begleiten. Sie zeigte sich jetzt erleichtert, dass es zwar kleinere Unfälle gegeben habe, jedoch keine schweren. In den drei Jahren habe sie die Arbeiten intensiv begleitet und dabei viel gelernt, sagte sie. Auch warum es so lange dauert, ein solches Vorhaben umzusetzen. Am Freitag zeigte sie sich bewegt, als sie mit den Händen an der Wand vor der entscheidenden Stahlbetonwand unter dem Platz der Republik stand, wissend, dass über ihr der Verkehr der viel befahrenen Kreuzung rauscht. Stadtrat Majer erinnerte an die Anfänge des Vorhabens, als die Stadt noch davon träumte, die gesamte Strecke als unterir­dische U-Bahn zu bauen. Doch unter den da­maligen Förderbedingungen hätte dies das Aus für das Gesamtprojekt bedeutet. Um den neuen Stadtteil mit einem attrak­tiven Nahverkehrsangebot zu versorgen, habe man schnell entschieden, den Tunnel auf das Notwendige zu reduzieren und „so schnell wie möglich an die Oberfläche“ zu kommen. Offen ist, ob heute noch immer die gleiche Entscheidung getroffen würde.

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Für Majer stellt sich die Frage nicht. Er verwies darauf, dass die Grundwasser­thematik Knackpunkt des Tunnelbauvorhabens gewesen sei. Die Frage der Grundwasserströme habe zum Glück schnell mit dem zuständigen Regierungspräsidium Darm­stadt geklärt werden können. Denn der in den vergangenen Jahren erfolgte Tunnelbau sei schließlich „unter der bebauten Stadt“ erfolgt. Majer ist überzeugt, dass die Verlängerung der U5 insgesamt kein „Nice to have“, also nicht überflüssig, sondern notwendige Daseinsvorsorge ist.

Für VGF-Geschäftsführer Michael Rüffer ist das erfolgreiche Tunnelbauvorhaben eine „Blaupause für andere Projekte“. Er sprach es nicht aus, aber dürfte dabei an den Lückenschluss der U4 gedacht haben, dessen Führung noch nicht festgelegt ist, aber als Tunnel unter dem Grüneburgpark entlangführen könnte.

Quelle: F.A.Z.
Mechthild Harting - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Mechthild Harting
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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