Nach rassistischem Angriff

Solidarität mit Saleha G.

Von Monika Ganster
28.06.2022
, 20:11
Blick von der Besuchertribüne auf die KAV-Versammlung im Plenarsaal des Römers (Archivbild)
Ein Mann zündet einer jungen Frau im Vorbeigehen die Haare an und schreit: „Raus aus meinem Land!“ Saleha G. berichtet in der Kommunalen Ausländervertretung von diesem Vorfall und seinen Folgen.
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Die Kommunale Ausländervertretung (KAV), so hitzig und zerstritten sie manchmal wirkt, findet bei Themen Geschlossenheit, die alle Delegierten betreffen. Auf der jüngsten Sitzung ließ eine 22 Jahre alte Frau die KAV-Mitglieder verstummen, als sie von einem rassistischen Angriff berichtete, der ihr vor etwa einem Monat in Frankfurt widerfahren ist.

Am 31. Mai stieg Saleha G. in Praunheim an der Stephan-Heise-Straße gegen 14 Uhr aus der U-Bahn, um zwei Kinder von der französischen Schule abzuholen. Auf dem Weg durch die Siedlung Westhausen kam ihr in einer ruhigen Seitenstraße ein Mann entgegen. Als er an ihr vorüberging, bemerkte die junge Frau, dass ihre lange Haare, die über ihre rechte Schulter fielen, Feuer gefangen hatten. Sie schrie auf, schlug panisch die Flammen mit der Hand aus und hörte noch, wie der Mann hinter ihrem Rücken im Weggehen rief: „Raus aus meinem Land!“.

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Fehlendes Mitgefühl anderer hat Spuren hinterlassen

Die Stimme der jungen Frau beginnt zu zittern, als sie sich bei der KAV daran erinnert. „Was sagt er denn da, hab ich gedacht, das ist doch auch mein Land“, beschreibt die gebürtige Frankfurterin ihre ersten Gedanken nach der Tat. Sie kenne keinen Ort, an dem sie sich wohler fühle – oder gefühlt habe, denn seit dem Vorfall ist die Angst ihr Begleiter, wenn ihr jemand allein auf der Straße begegnet. „Dann drehe ich mich immer um und schaue, ob alles in Ordnung ist.“

Saleha G., deren Eltern aus Pakistan stammen, hatte bis zu diesem Angriff keinen Rassismus in Deutschland erlebt. Oder glaubte es zumindest. Seitdem reflektiere sie vieles, was sie in Schule und Beruf zu hören bekommen habe, sagt sie. Auch das fehlende Mitgefühl anderer auf den Vorfall habe Spuren hinterlassen: jener Anwohner und Passanten, die sie nach der Feuerattacke weinend am Straßenrand sitzen sahen und nicht reagierten. „Nur ein neunjähriges Mädchen hat mich zu trösten versucht“, erinnert sie sich. Oder die Reaktion jener Polizisten, die als Erste am Tatort waren und sie in ihrer Wahrnehmung eher barsch und wenig einfühlsam befragten, um sie dann allein stehen zu lassen. Erst am nächsten Tag habe sich eine Kriminalkommissarin gemeldet, die sich seitdem vorbildlich kümmere und ihr therapeutische Hilfe bei der Verarbeitung des Erlebnisses vermittelt habe. Zahlreiche KAV-Delegierte sprechen der jungen Frau daraufhin ihr Mitgefühl und ihre Solidarität aus.

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Zweidrittelmehrheit im Parlament nötig

Der Bundestagsabgeordnete Armand Zorn (SPD), der seit September 2021 den Frankfurter Wahlkreis 182 im Bundestag vertritt, war ein weiterer Gast an diesem Abend. Das drängende Bedürfnis der Delegierten, von ihm aus dem Berliner Dunstkreis mehr über den Stand jener Gesetzesvorhaben zu erfahren, die sie persönlich betreffen, konnte Zorn nur teilweise befriedigen. Die sogenannte doppelte Staatsbürgerschaft sei im Koalitionsvertrag festgeschrieben und könne frühestens 2023 umgesetzt werden, sagte Zorn. Wenig Hoffnung machte er dagegen beim Kommunalen Ausländerwahlrecht. Dazu sei eine Zweidrittelmehrheit im Parlament nötig, die die amtierende Koalition nicht hinter sich vereinen könne. „Die CDU wird uns keine Geschenke machen“, sagte der Parlamentarier.

Am Ende schaffte es sogar noch mal Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), ins Zentrum der Aufmerksamkeit der KAV-Vertreter zu rücken. Mit einem Dringlichkeitsantrag wollte Seyed Shahram Iranbomy die Mehrheit der Delegierten überzeugen, ein teures Abwahlverfahren gegen Feldmann zu verhindern. Die veranschlagten 1,5 Millionen sollten besser in Deutschkurse für Geflüchtete investiert werden, sagte er. Um die Querelen mit dem OB beizulegen, setze Iranbomy auf eine Schlichtungsstelle. Sein Vorstoß, die Idee eiligst auf die Tagesordnung setzen zu lassen, wurde jedoch mehrheitlich bei zahlreichen Enthaltungen abgelehnt.

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Quelle: F.A.Z.
Monika Ganster- Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Monika Ganster
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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