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So fühlt es sich an, ein Organ zu entnehmen

Von Marie Lisa Kehler
21.08.2018
, 11:25
Organtransplantation: Wo Trauer und Hoffnung aufeinander treffen.
Andreas Schnitzbauer entnimmt hirntoten Patienten Organe, um andere Leben zu retten. Dafür braucht er einen kühlen Kopf. Doch an einen Moment gewöhnt er sich nie.
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Wie oft hat er das Geräusch verflucht. Piep. Konzentration, bitte. Piep. Ruhe! Piep. Er musste erst lernen, den regelmäßigen Ton des EKG-Geräts während einer Operation auszublenden. Heute beruhigt er ihn. Denn solange es piept, schlägt das Herz. Und solange das Herz schlägt, lebt der Patient. „Das ist der Ton im OP, den man braucht. Wenn das Geräusch fehlt, dann ist etwas schiefgelaufen“, sagt Andreas Schnitzbauer. Denn Stille bedeutet Tod. Und Schnitzbauer mag keine Stille. Weil er Arzt geworden ist, um Leben zu retten, nicht, um tatenlos danebenzustehen, wenn das Herz eines Patienten aufhört zu schlagen.

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Andreas Schnitzbauer ist einer von 43 Ärzten in Hessen, die als Entnahmechirurg qualifiziert sind und für die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) arbeiten. Wenn er gerufen wird, bedeutet dies, dass ein Mensch für hirntot erklärt wurde. Wird bei einem Patienten der irreversible Hirnfunktionsausfall festgestellt, also der Ausfall der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms, kommt er überhaupt erst für eine Organspende in Frage.

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Autorenporträt / Kehler, Marie-Lisa
Marie Lisa Kehler
Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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