FAZ plus ArtikelGewalt am 1. Mai in Frankfurt

Polizei ohne Kompass

EIN KOMMENTAR Von Katharina Iskandar
03.05.2021
, 15:34
Die Bilanz, die die Frankfurter Polizei nun zum 1. Mai vorgelegt hat, kann nur als Versuch der Schadensbegrenzung angesehen werden. Sie muss sich nicht nur fragen, warum sie am Sonntag schwieg.

Es war eine Randale mit Ansage. So kann man das, was Frankfurt am Abend des 1. Mai erleben musste, wohl am ehesten beschreiben. Es war nicht die „Wundertüte“, von der die Polizei vorher noch gesprochen hatte – nach dem Motto, „schauen wir mal, was wir diesmal präsentiert bekommen“. Die Sicherheitsbehörden wussten, wie groß die Sprengkraft ist, wenn ein linkes Bündnis, durchsetzt von extremistischen Akteuren, zu einem „Tag der Wut“ auf die Straße zieht. Gerade deshalb aber hätte man auf die Souveränität der Polizei bei diesem Einsatz gehofft. Spätestens seit Samstag jedoch ist deutlich: Die Frankfurter Polizei hat ihren Kompass verloren.

Einen solch blutigen Schauplatz wie den gegen Ende der Demonstration im Gallus gab es in Frankfurt seit vielen Jahren nicht mehr. Und das lag nicht an der Pyrotechnik, die aus den Reihen der Demonstranten gezündet wurden, wie es das in jedem Fußballstadion gibt. Das Bild wurde geprägt von Hundertschaften, die völlig unkoordiniert agierten. Die die Lage nicht mehr im Griff hatten. Die ihre Überforderung schließlich damit kompensierten, dass sie ihre Schlagstöcke auch ohne Anlass gegen Demonstranten einsetzen, als wären es Spielzeugfiguren, die man einfach niederknüppeln kann.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Iskandar, Katharina
Katharina Iskandar
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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