Prozess in Frankfurt

Mit 75 Kilometern pro Stunde auf Polizisten zugerast

Von Deniz Avan
04.12.2020
, 06:08
Er soll absichtlich in ein Polizeiauto gekracht sein: Das Frankfurter Landgericht verhandelt gegen einen mutmaßlichen Dealer. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord vor.

Weil er auf einen Polizisten zugerast sein soll, muss sich ein mutmaßlicher Drogendealer seit Donnerstag vor dem Landgericht Frankfurt verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 45 Jahre alten Mann versuchten Mord vor. Der Anklage zufolge wollte er am Abend des 23. Juli 2019 mit dem Auto entkommen, nachdem die Polizei ihn und zwei weitere Männer bei einer Übergabe von mehr als 20 Kilogramm Haschisch gestellt hatte und festnehmen wollte.

Die Beamten waren bereits einige Zeit vorher auf die Männer aufmerksam geworden. Weil sie die Kommunikation der mutmaßlichen Dealer überwachten und auf diesem Weg von der geplanten Übergabe Ende Juli erfuhren, beschatteten sie die Männer. Diese trafen sich am Abend nahe dem S-Bahnhof Wiesbaden Ost. Zwei Kuriere aus Spanien reisten demnach mit einem Lkw an, um dem Fünfundvierzigjährigen 20,5 Kilogramm Haschisch zu übergeben. Diese befanden sich in einer Tasche, in einer anderen knapp 30.000 Euro Bargeld, eingepackt in Alufolie.

Kaum war die Übergabe geschehen, griff die Polizei ein. Die Beamten hatten die Straße an beiden Enden mit ihren Fahrzeugen blockiert, ein Beamter war zu diesem Zeitpunkt bereits ausgestiegen und richtete seine Waffe in Richtung der Männer.

Durch einen Sprung zur Seite gerettet

Als der im Auto sitzende Angeklagte dies sah, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, drehte er um, drückte aufs Gas und fuhr auf das Polizeiauto am anderen Ende der Straße zu. Doch auch dort war ein Polizist bereits ausgestiegen und stand am Auto – nur durch einen Sprung zur Seite konnte sich er sich in Sicherheit bringen. Das Auto des Angeklagten krachte mit 75 Kilometern pro Stunde in das Polizeiauto.

Vor Gericht sagte der Mann am Donnerstag, er habe den Polizisten nicht wahrgenommen. Es sei für ihn das erste Mal gewesen, dass er bei einem Drogengeschäft aktiv mitgemacht habe. Als er die Polizisten gesehen habe, habe er angefangen zu zittern und nur noch reagiert. Es sei niemals seine Absicht gewesen, jemanden zu töten.

Auch die mutmaßlichen Kuriere aus Spanien sind vor dem Landgericht mitangeklagt. Außerdem ein vierter Mann, der zusammen mit den drei anderen an einem anderen Verkauf beteiligt gewesen sein soll, dabei geht es um 28 Kilogramm Haschisch. Dieses soll der Hauptangeklagte von dem vierten Mann auf einer Autobahnraststätte in Bruchsal entgegengenommen und noch am selben Tag verkauft haben. Auch diese Drogen sollen von den spanischen Kurieren stammen. Der Prozess wird fortgesetzt.

Quelle: F.A.Z.
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