Rebstockbad im Lockdown

Still ruht nur das Wasser

Von Daniel Meuren und Finn Winkler (Fotos)
Aktualisiert am 13.01.2021
 - 18:23
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Das Rebstockbad ist eine Ikone unter den deutschen Vergnügungsbädern. Im Lockdown plätschert es nun seinem Abriss entgegen. Der technische Betrieb läuft auf vollen Touren weiter – in der Hoffnung auf einen würdigen Abschied. Ein Rundgang.

Die wahrscheinlich aufregendste Maschine des Rebstockbads ist erstaunlich klein. Viktor Eichhorst steht tief in den Katakomben des Vergnügungsbads neben der Wellenmaschine, die im Bad so viel Spaß erzeugen kann. Drei überschaubare Turbinen erzeugen mit Luft Druck, der Wellen in verschiedenen Formen erzeugen kann. „Schmetterlingswellen ziehen von der Mitte nach außen, genauso können wir Wellen aber auch umgekehrt laufen lassen oder ganz einfach gerade“, sagt der 38 Jahre alte Techniker.

Derzeit stehen die Turbinen still. Im Lockdown bleibt das 1982 eröffnete erste Vergnügungsbad dieser Art im Rhein-Main-Gebiet geschlossen. Folglich braucht es auch keine Wellen zur Belustigung. Über die beiden aufregenden Röhrenrutschen fließt derzeit kein Wasser, und für die Saunalandschaft werden momentan keine Pumpen benötigt. Dort wie auch im restlichen Außenbereich sind alle Becken und Whirlpools geleert.

Eichhorst und seine Kollegen sind stattdessen täglich damit beschäftigt, Dutzende Pumpen per Hand ein wenig in Bewegung zu halten, „damit sie nicht fest werden“, wie Eichhorst sagt. Das hätte kostspielige Folgen. Ein wenig Geld wird gespart dank geringeren Energiebedarfs, da das Wasser nicht wohlig warm gehalten werden muss und auch die Luft etwas kühler sein darf. Der Verbrauch an Chemikalien ist in der Badehalle am Rebstockgelände derzeit ebenfalls reduziert.

Das Schwimmbad in Gang halten

Still ruht indes nur das Wasser in den Becken. Der größte Teil des restlichen Betriebs im Bad läuft weiter. Es lärmt in den Katakomben, es rauscht aus den Wasserrücklaufbecken. Würde auch diese Maschinerie stillstehen, wäre der Verfall absehbar. Ventile würden einrosten, Pumpen nicht mehr laufen, in den kilometerlangen Wasserrohren in den Katakomben des Bades würden sich Legionellen schnell vermehren und Infektionsgefahren heraufbeschwören. Eichhorst und mindestens ein Kollege sind jeden Tag damit beschäftigt, das Bad in Gang zu halten, damit es jederzeit für eine Wiedereröffnung bereit ist.

Im Vorbeigehen öffnet er deshalb immer wieder Wasserhähne und lässt sie kurz durchlaufen. „Es wäre viel teurer, alles runterzufahren oder gar die Becken zu leeren, statt den Betrieb aufrechtzuerhalten“, sagt Harald Kümbel, fürs Rebstockbad verantwortlicher Verbundleiter der Bäderbetriebe. Derzeit dürfen immerhin ein paar Kaderathleten trainieren. Und in der Mittagspause nutzen Auszubildende immer mal wieder den Sprungturm für Salti und Köpfer.

Warum das Rebstockbad bald abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden soll, ist beim Rundgang schwer zu verstehen. Eichhorst präsentiert durchgängig intakte Maschinen, er lobt auch die Qualität des in den achtziger Jahren angerührten Betons. „Die Becken sind immer noch äußerst dicht, da sickert kaum was durch“, sagt er. „Das ist in anderen Bädern nicht immer der Fall.“ Allerdings ist das Bad mit seiner großzügigen Zeltdach-Konstruktion alles andere als energieeffizient, was ein Argument gegen eine Grundsanierung ist.

„Das ist einfach ein tolles Schwimmbad“

Eichhorst ist anzumerken, dass ihm das Rebstockbad in mehr als zwei Jahrzehnten seit Beginn seiner Ausbildung als Fachangestellter für Bäderbetriebe im Jahr 1997 ans Herz gewachsen ist. „Das ist einfach ein tolles Schwimmbad, es ist hell, es ist schön, die Frankfurter und viele Menschen aus der Region lieben es“, sagt er. „Aber sie werden auch den Neubau mögen und ich auch.“ Als Techniker ist er sehr gespannt, wie er an der Planung mitwirken kann, die das neue Bad von 2025 an für die folgenden Jahrzehnte zu einer ähnlichen Attraktion machen sollen wie das Rebstockbad in den vergangenen 38 Jahren.

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Aber noch geht es für Eichhorst darum, dem Rebstockbad einen würdigen Abschied zu ermöglichen, selbst wenn die Schwimmbäder noch viele Wochen lang für das Publikum geschlossen bleiben sollten. Noch gibt es keinen verpflichtenden Termin, an dem der Abriss des Bades beginnen muss. Eine Wiedereröffnung im Fall eines noch sehr langen Lockdowns auch später als im April oder gar Mai zumindest für ein paar Wochen des Abschiednehmens sei also wahrscheinlich, sagt auch Boris Zielinski, Geschäftsführer der Bäderbetriebe. „Wir erhalten die Anlage aufrecht und können jederzeit innerhalb von wenigen Tagen in Betrieb gehen und dann wieder den Kinderlärm hier hören.“ Bis dahin dröhnen nur die Maschinen.

Quelle: F.A.Z.
Daniel  Meuren - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Daniel Meuren
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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