Wasserstoff als Zugantrieb

Hessen als Vorreiter

EIN KOMMENTAR Von Ralf Euler
29.06.2022
, 17:55
Zukunftsweisend: Wasserstoffstoff m Wiesbadener Hauptbahnhof
Im Taunus soll von Dezember an die größte Wasserstoffzug-Flotte der Welt unterwegs sein. Die 27 Züge sind hoffentlich nur der Anfang. Wasserstoff ist einer der Schlüssel zum Erreichen der langfristigen Klimaziele.
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Das Thema Wasserstoff kommt im Ende 2018 unterzeichneten Koalitionsvertrag von CDU und Grünen in Hessen nur am Rande vor. Hessen werde das nationale Investitionsprogramm für Wasserstoff- und Brennstoffzellenenergie umsetzen „und durch Landesmaßnahmen“ verstärken, heißt es dort alles andere als ambitioniert. Und weiter: Hierzu solle auch eine Anschubförderung für den Netzausbau von Wasserstofftankstellen beitragen.

Überschwang liest sich anders. Dabei müsste Wasserstoff gerade für Union und Grüne einer der wesentlichen Lösungsansätze sein, wenn sie es mit ihren klimapolitischen Zielen ernst meinen. Denn geht es nach den derzeitigen Bündnispartnern in Wiesbaden, soll die Menge der klimaschädlichen Emissionen bis zum Jahr 2025 um 40 Prozent – im Vergleich zum Basisjahr 1990 – verringert werden. Mehr noch: Spätestens 2050 soll Hessen klimaneutral sein. Sprich, es sollen entweder keine Treibhausgase mehr in die Atmosphäre abgegeben oder die Emissionen kompensiert werden, sodass es insgesamt zu keinem Anstieg der Gaskonzentration kommt.

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Vorreiter der Wasserstofftechnologie

Wasserstoff ist einer der Schlüssel zum Erreichen der langfristigen Klimaziele, auch wenn er nur mit hohem Energieaufwand gewonnen werden kann. Kurz- und mittelfristig hat die Technologie allerdings nur eine Chance, wenn der Staat ihr mit substanziellen Summen auf die Sprünge hilft und darüber hinaus einen verlässlichen Rahmen für Versorgung, Verteilung und Anwendung bietet. Deshalb ist es eine ausgesprochen gute Nachricht, dass sich Hessen im regionalen Schienenverkehr zum Vorreiter der Wasserstofftechnologie mausert.

Die voraussichtlich 27 schadstofffreien Regionalzüge, die mit dem Fahrplanwechsel im Dezember im Taunusnetz des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) zum Einsatz kommen, werden zeigen, was machbar ist, und ermöglichen, Erfahrungen im Umgang mit dem neuen Treibstoff zu sammeln. Noch immer verkehren auf einem Drittel aller RMV-Strecken Dieselloks, weil Oberleitungen fehlen oder baulich nicht möglich sind. Die Alternative sind batteriebetriebene Züge auf Strecken, auf denen es nur kurze Oberleitungsunterbrechungen gibt, oder aber Wasserstoffzüge, die mit einer Reichweite von 1000 Kilometern auf längeren Strecken konkurrenzlos sind.

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Die 27 Züge im Taunus sind hoffentlich nur der Anfang. Die derzeit noch größte Wasserstoffzugflotte der Welt könnte das Potential dieser umweltfreundlichen Technologie weit über die Rhein-Main-Region hinaus deutlich machen.

Quelle: F.A.Z.
Ralf Euler - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Ralf Euler
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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