Senckenberg-Institut

Akelei und Lavastein

Von Mechthild Harting
14.11.2020
, 16:30
Bunte Mischung: Vor dem Senckenberg-Institut blüht es herbstlich zwischen Gräsern und Gehölzen.
Das Senckenberg-Institut hat seine Außenanlagen von einem Landschaftsarchitekten gestalten lassen. Sie zeigen die Artenvielfalt, mit der sich auch die Forscher befassen.
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Dass es nicht mit ein bisschen Rasen oder einem traditionellen Vorgarten getan ist, wenn das Senckenberg-Institut die historischen Universitätsgebäude in Bockenheim bezieht, das war allen Verantwortlichen von vornherein klar. „Wir wussten, wir wollen den Freiflächen einen besonderen Stellenwert geben“, sagt Gerd Mangel, Projektleiter für den Umbau des Instituts. Schließlich sei neben der Evolution die Biodiversität das zweite große Forschungsgebiet von Senckenberg. Für Mangel war klar, dass in den Beeten Artenvielfalt sichtbar sein muss. Zumal eine gute Pflanzung nicht nur für botanische Diversität steht, sondern auch die unterschiedlichsten Insekten und Vögel anzieht.

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Um diesen Ansprüchen zu genügen, hat Mangel erwirkt, dass nicht die für den Umbau verantwortlichen Architekten auch noch die Planung des Grüns mit übernommen haben, wie es so häufig der Fall ist. Stattdessen wurde die Frankfurter Planungsgesellschaft Natur & Umwelt und mit ihr der Landschaftsarchitekt Klaus Eicke beauftragt. Die Entscheidung liegt rund zehn Jahre zurück. Jetzt endlich wächst, gedeiht und blüht es an der Senckenberganlage und der Robert-Mayer-Straße. Die Bäume wurden 2018 gepflanzt – „man fängt immer mit der Großstruktur an“, sagt Eicke –, und in diesem Mai folgten Stauden und Gräser. Seitdem werden nicht nur die lebensgroßen Dinosaurier vor den Türen des Naturkundemuseums von den Besuchern fotografiert, sondern auch die neuen Beete.

Noch stehen violett blühende Astern dicht an dicht, in einem anderen Pulk sind leuchtend gelbe „schwarzäugige“ Rudbeckien versammelt, dazwischen finden sich verschiedenste Ziergräser wie etwa das Lampenputzergras. Darüber erheben sich Sträucher und Bäume. Insgesamt 30 Bäume von mehr als 20 verschiedenen Arten – zum Beispiel Zürgelbaum, Kiefer und Zeder – sind rund um das alte Physikgebäude und das Jügelhaus gepflanzt worden. Hinzu kommen gut 100 Sträucher wie Schneeball, Flieder, Felsenbirne und der noch seltene Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch.

Ans städtische Klima angepasst

Ein Blickfang sind die 8000 Stauden: Anemone, Eisenhut, Akelei, Akanthus und Bergenie. Rund 125 verschiedene Arten sind nach einem Farbkonzept gepflanzt worden. Alles mit dem Ziel, den Besuchern, darunter vielen Schülern, ein „abwechslungsreiches, strukturiertes Vegetationsbild zu bieten“, sagt Eicke, „einfach eine schöne Mischpflanzung, nichts Statisches“. Mangel ergänzt: „Die Bepflanzung soll das ganze Jahr etwas zeigen.“ Das wird sie tun: Gräser und Stauden können auch im Winter, bedeckt mit Rauhreif, schön anzuschauen sein. Und damit es nach dem Winter wieder kräftig blüht, haben Eicke und sein Team erst kürzlich 3500 Zwiebeln gesteckt, darunter Wildtulpen und Narzissen. Mangel freut sich schon darauf, wie es im Frühjahr aussehen wird. „Das Besondere ist: All diese Pflanzen wachsen hier einfach zusammen, so wie in der Natur.“

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Ein Abbild der Wildnis sind die Beete aber nicht. Da es keine Beregnungsanlage geben sollte, ist darauf geachtet worden, dass die Pflanzen das trockene Innenstadtklima vertragen. Damit der Boden die Feuchtigkeit lange hält, schützt ihn eine Schicht aus kleinen Lavasteinen. „Das ist kein Schotter“, hebt Eicke hervor. Angenehmer Nebeneffekt ist, dass so auch Unkraut wie Löwenzahn oder Disteln ferngehalten werden.

Begeistert ist Projektleiter Mangel, dass die Landschaftsarchitekten ein weiteres Anliegen des Naturkundemuseums in den Außenanlagen aufgegriffen haben: das Prinzip der Sammlung. 22 Millionen Objekte sind während des Umbaus in andere Räume, Vitrinen und Schubladen umgezogen. Analog zu dieser Ordnung haben die Planer rote Mainsandsteine in unterschiedlicher Größe und Höhe im Freiland angeordnet und damit den Beeten eine Struktur gegeben. Die Sandsteinelemente stammen alle aus den früheren Uni-Gebäuden. An manchen Stellen sind diese gut sichtbar, an anderen werden sie zumindest derzeit von der Vegetation verdeckt. Mit fortschreitendem Winter wird auch dort der Bewuchs lichter.

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Ohnehin sind noch nicht alle Außenflächen des Senckenberg-Komplexes gestaltet. An der Nordseite des Jügelhauses hat Eicke diesen Sommer nur eine Wildwiesenmischung ausgesät. Dort wird in den nächsten Jahren mit dem Abriss des Juridicums auch die Tiefgarage unter dem alten Uni-Campus beseitigt. Bis dahin lohnt es sich nicht, mit der Außenanlage zu beginnen. Deren Bepflanzung folgt – dann mit ganzer Pracht – in einigen Jahren.

Quelle: F.A.Z.
Mechthild Harting - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Mechthild Harting
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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