Senioren als Opfer

Geld und Schmuck im Wert von einer halben Million erbeutet

Von Katharina Iskandar
15.01.2021
, 18:09
Trickdiebe wollten in Frankfurt an das Geld einer älteren Dame gelangen, doch die Tochter des Opfers verhindert die Tat. Am Ende gibt es zwei Verletzte. Nun sucht die Polizei mit Fotos nach den Wiederholungstätern.

Der 16. Dezember 2020 war für die Bewohner des Hauses an der Bornheimer Landwehr ein schlimmer Tag. Die Älteste der Mietergemeinschaft, eine 84 Jahre alte Dame, kehrte gerade vom Einkaufen zurück, als eine unbekannte Frau sie vor der Haustür ansprach und ungefragt nach ihrer Tasche griff. Überrumpelt von dieser Geste, ging die Seniorin ins Haus, in der Hoffnung, die Fremde werde sie schon in Ruhe lassen. Doch die behielt die Tasche in der Hand und folgte ihr die Treppen hoch. Plötzlich erschien ein Mann, „wie aus dem Nichts“, erinnerte sich später das Opfer.

Eine Nachbarin, die die Szene beobachtete, sprach die Eindringlinge an, die jedoch nicht reagierten und stattdessen die Vierundachtzigjährige in die Wohnung drängten. Als kurz darauf die Tochter der Frau zum Haus kam, um nach ihrer Mutter zu sehen, merkte auch sie schnell, dass etwas anders war. Sie kam nicht in die Wohnung hinein. Schließlich bekam sie Angst und drohte mit der Polizei.

Tochter die Treppe hinuntergestoßen

Was danach passierte, spielte sich im Bruchteil einer Sekunde ab. Die Wohnungstür öffnete sich. Der fremde Mann und die Frau stürmten heraus. Sie stießen die Tochter die Treppe hinunter, noch ehe sie überhaupt realisieren konnte, was da geschah.

Die Nachbarin, die zuvor schon skeptisch geworden war, reagierte prompt und nahm die Verfolgung auf. Als sie die Täter einholte, zog der Mann einen etwa 15 Zentimeter langen Schraubenzieher aus seiner Tasche und verletzte die Frau am Bauch. Dann floh das Paar.

Die Frankfurter Polizei hat nun Fotos der mutmaßlichen Täter veröffentlicht. Ein Sprecher sagte, bisher sei es nicht gelungen, die Verdächtigen zu identifizieren. Möglicherweise könnten die Bilder nun dabei helfen.

Eine halbe Million Euro Schaden

Die Tat ist nicht die einzige, die den Verdächtigen zur Last gelegt wird. Schon seit Mai 2017 sind sie aktiv. Inzwischen werden ihnen mehr als 30 Taten zugeschrieben, wie der Sprecher weiter mitteilte. Insgesamt haben sie Bargeld und Schmuck im Gesamtwert von knapp einer halben Millionen Euro erbeutet.

Dabei gingen die Täter arbeitsteilig vor. Die Frau gab sich als Mitarbeiterin einer Institution wie den Johannitern, der Stadtverwaltung, der Altenhilfe oder bestimmten Pflegediensten aus. Auf diese Weise habe sie sich das Vertrauen der Opfer erschlichen. Kurz darauf sei der Mann erschienen, der Nachrichten über „angebliche Beschwerden im Haus“ überbracht hat, wie es bei der Polizei weiter heißt. Mit der Begründung, den Zustand der Wohnung sowie die Zahlungsfähigkeit der Bewohner prüfen zu müssen, seien diese dann gebeten worden, ihre Geldverstecke in der Wohnung zu zeigen. Anschließend wurde das Opfer von der Frau weiter in ein Gespräch verwickelt, während der Mann das Geld und die Wertsachen stahl.

Mehrere Varianten der Tatbegehung

Im Jahr 2020 variierten schließlich die Tathandlungen, wie der Sprecher weiter sagt. Nun sei vorrangig die Frau aufgetreten und habe die Opfer in ihren Wohnungen in das Badezimmer gelotst. Dort lenkte sie diese für einige Minuten ab, während der Mann die Wohnung durchsuchte. Auch in Nürnberg hatte das Paar im Frühjahr vergangenen Jahres mehrere Taten verübt.

Der Mann wird beschrieben als etwa 65 Jahre alt, mit grauen Haaren und einem grauen Bart. Er war mit einem grauen Hut bekleidet. Zudem trug er eine Brille mit goldener Fassung, ein weiß-blau kariertes Hemd, einen blauen Mantel sowie eine graue Hose, graue Schuhe und weiße Handschuhe. Die Frau soll in einem ähnlichen Alter sein, mit grauen, schulterlangen Haaren. Sie war bekleidet mit einer grauen Mütze, einem roten Schal, einem blauen Mantel, dazu trug sie eine schwarze Hose mit schwarzen Stiefeln.

Zeugen, die Hinweise zu den Tätern machen können, werden gebeten, sich unter der Rufnummer 069 / 755-53111 bei der Polizei zu melden. Auch jede andere Dienststelle nimmt Informationen entgegen.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Iskandar, Katharina
Katharina Iskandar
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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