FAZ plus ArtikelFolgen von Corona

Wenn das Atmen neu gelernt werden muss

Von Marie Lisa Kehler
16.01.2021
, 09:28
Nach einer schweren Corona-Infektion müssen einige Patienten wieder erlernen, was für viele selbstverständlich scheint: Atmen. Das Weaning-Zentrum am Bürgerhospital in Frankfurt ist darauf spezialisiert.

Wann er zuletzt mit Freunden außerhalb des Klinikalltags Zeit verbracht hat, weiß er nicht mehr genau. Lange ist es her. Zu lange. Seit knapp einem Jahr pendelt Henry Schäfer nur noch zwischen seinem Zuhause und der Arbeit. Um sich und andere zu schützen, hat der Chefarzt der Klinik für Pneumologie, Kardiologie und Beatmungsmedizin und seit Januar auch ärztlicher Direktor am Bürgerhospital seine Sozialkontakte auf ein Minimum beschränkt. Ein Großteil seiner Kollegen verfährt ähnlich. Der Zweiundfünfzigjährige leitet auch das Weaning-Zentrum am Bürgerhospital, eine spezialisierte Intensivstation für Patienten mit schweren Lungenerkrankungen. Hier sollen die Menschen wieder das erlernen, was für die allermeisten selbstverständlich scheint: Atmen.

Weil in den vergangenen Wochen große, planbare Herz- und Lungenoperationen verschoben wurden, ist die Station fast ausschließlich mit schwerkranken Coronapatienten belegt. Viele von ihnen lagen über mehrere Wochen im künstlichen Koma. Mit der Unterstützung von Physio- und Atemtherapie erkämpfen sie sich Tag für Tag ein bisschen Selbstständigkeit zurück. „Eine künstliche Beatmung, die mehr als ein, zwei Tage dauert, schwächt schon die Muskulatur“, sagt Schäfer. Und auch beim Schlucken und Sprechen benötigen die Patienten oft Unterstützung. Alles, was zuvor ohne Anstrengung und ohne bewusste Steuerung gelang, muss neu erlernt werden.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Kehler, Marie-Lisa
Marie Lisa Kehler
Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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