Führungswechsel in Frankfurt

Der neue Aufräumtrupp der Awo

Von Theresa Weiß
Aktualisiert am 03.08.2020
 - 17:05
Petra Rossbrey, die Vorsitzende des Präsidiums der Frankfurter Awo, zwischen Axel Dornis (links) und Steffen Krollmann, den beiden neuen Vorständen der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt
Die Suche hat etwas länger dauert als gedacht: Nach fünf Monaten Interimsführung hat die Arbeiterwohlfahrt in Frankfurt zwei neue Vorstände. Sie sollen den gebeutelten Verband in die Zukunft führen.

Ein bekanntes und ein neues Gesicht sind am Montagmittag im Hauptquartier der Arbeiterwohlfahrt (Awo) im Ostend zu sehen gewesen: Steffen Krollmann, Banker und schon seit März Interimsvorstand, und Axel Dornis, der lange in der Finanzbranche arbeitete und zuletzt beim Internationalen Bund als Geschäftsführer tätig war. Krollmann wird der Vorstandsvorsitzende der Awo, Dornis wird als Finanzvorstand den unternehmerischen Teil des Verbands führen. Gerd Romen, der gemeinsam mit Krollmann den Interimsvorstand geführt hatte, gehört dem Gremium nicht weiter an, das nun für fünf Jahre vom Präsidium gewählt wurde.

Petra Rossbrey, Vorsitzende des Präsidiums, präsentierte die beiden Vorstandsmitglieder als „bestmögliche Wahl“, die den Verband in die Zukunft führen, Vertrauen der Mitarbeiter und der Stadt wiederaufbauen und den Awo-Skandal aufarbeiten würden. Auf der Pressekonferenz geht es damit auch gleich los: Fragen zu Zübeyde Feldmann und dem Ehepaar Jürgen und Hannelore Richter, das bis zum Bekanntwerden des Skandals in Frankfurt und Wiesbaden in der Führung der Awo war, prasseln auf den neuen Vorstand ein. „Ich wusste, worauf ich mich einlasse“, sagt Dornis nach der Konferenz. Er sei jedoch überzeugt, dass die Awo auf einem guten Weg sei.

Rossbrey, die selbst erst seit Februar Vorsitzende des Präsidiums ist, sagt: „Wir standen vor einem Scherbenhaufen, mit einer Führung, die sich samt und sonders davon gemacht hat und einem faktisch nicht handlungsfähigen Verband.“ Auch darum soll Dornis als Finanzexperte und Partner auf Augenhöhe mit Krollmann gemeinsam die Geschicke der Awo leiten.

„Wir sind uns einig, wo es hingehen soll“

Die Suche nach dem Vorstand hatte etwas länger gedauert, als zunächst gedacht. Eine Findungskommission des Präsidiums sichtete 150 Bewerbungen, mit etwa 25 Bewerbern sprach man persönlich. Krollmann, der schon in seiner Interimszeit Vertrauen aufgebaut habe und die Arbeit fortführen wollte, überzeugte mit seinem Plan für die Zukunft der Awo, „wir sind uns einig, wo es hingehen soll“, sagt Rossbrey. Transparenz, Sicherheit und Klarheit, das stünde bei all dem immer im Mittelpunkt. So auch bei der Aufarbeitung des Skandals rund um die zu hohen Gehälter und Sonderzahlungen an eine kleine Gruppe um den ehemaligen Awo-Vorstand. Rossbrey fasst den Stand so zusammen: „Der Schaden, den die Richters angerichtet haben, den haben wir beziffert, falsche Entscheidungen haben wir zurückgedreht.“

Der Schaden belaufe sich auf etwa 4,5 Millionen Euro. Zu den Entscheidungen gehöre etwa die falsche Eingruppierung von Mitarbeitern wie Zübeyde Feldmann, aber auch als Spenden deklarierte Zahlungen „in großem Umfang“ an den Kreisverband Wiesbaden. Krollmann sagt: „Der Fall Feldmann ist ein Paradebeispiel dafür, wie das System Richter funktioniert hat.“ Es habe einen normalen Arbeitsvertrag gegeben, der dann handschriftlich von Hannelore Richter, die auch „Sonderbeauftragte“ für den Kreisverband Frankfurt gewesen war, geändert worden sei.

Da es keine Kontrollmechanismen gegeben habe, sei das durchgegangen. Warum die Frau den Oberbürgermeisters höher eingestuft wurde, kann Krollmann nicht sagen. „Teile und herrsche, so wirkt das auf mich.“ Es sei ein System, in dem Sympathien erkauft wurden oder Schweigen. Warum die ehemalige Kindergartenleiterin etwa auch in ihrer Elternzeit den Dienstwagen habe behalten können, warum sie in Wiesbaden für den Aufbau einer Kita bezahlt worden sei – zu all dem kommentieren Rossbrey und Krollmann: „Fragen Sie die Richters.“

Gerd Romen, der nun nicht mehr zum Vorstand gehört, hob hervor, dass die Awo inzwischen auf einem ganz anderen Weg sei: So hätten etwa zehn Mitarbeiter, die aufgrund ihrer Eingruppierung zu viel Gehalt bekamen, freiwillig ihre Arbeitsverträge anpassen lassen. Es gehe um insgesamt 100.000 Euro für die Awo, die so eingespart würden; die Mitarbeiter verzichteten auf 5000 bis 20.000 Euro im Jahr. „Das ist eine große Geste“, sagt der ehemalige IT-Experte. Denn die Zahlungen seien in den Verträgen festgehalten gewesen. Dass die Mitarbeiter durch die zu hohen Gehälter von den Richters überzeugt werden sollten, ihre Augen vor Schiebereien oder illegalen Geschäften zu verschließen, möchte er als Vorwurf nicht gelten lassen. Die Mitarbeiter machten einen guten Job und zeigten sich einsichtig. Gegen sie werde auch nicht ermittelt.

Zu hohe Gehälter und Dienstwagen, undurchsichtige Geldschiebereien – all das soll nun mit dem neuen Vorstand nicht mehr möglich sein, sagt Rossbrey. Auch die Unstimmigkeiten mit der Stadt würden derzeit geklärt. Die Stadt fordert von der Awo knapp 600.000 Euro zurück, da sie nicht überzeugt ist, dass dafür Leistungen erbracht wurden. „Bei den Kitas sind wir mit der Prüfung durch“, sagt Krollmann, da sei „nichts zu erwarten“. Beim Thema Flüchtlingsmanagement würden noch Verhandlungen geführt.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Weiß, Theresa
Theresa Weiß
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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