Trockene Sommer

Hitze macht Wert des Wassers klar

Von Jochen Remmert
Aktualisiert am 13.08.2020
 - 08:56
Der Trockenheit fielen im Rumpenheimer Schlosspark in Offenbach 450 Bäume zum Opfer.
Offenbach bereitet sich auf Wasserknappheit vor. Rasenflächen sollen nicht bewässert, Swimmingpools nicht mit Trinkwasser befüllt werden. Sparsamkeit kann für die Verbraucher jedoch ungeahnte Konsequenzen haben.

Noch sind die Stadt Offenbach und der Kreis nicht von akuter Wasserknappheit bedroht, zu spüren sind die Auswirkungen dreier besonders trockener Sommer hintereinander längst. Zu den dramatischsten Folgen gehört das Ende von 450 großen Bäumen im Rumpenheimer Schlosspark, die dem Wassermangel zum Opfer fielen.

Um die Auswirkungen der anhaltenden Trockenheit nicht eskalieren zu lassen, appelliert Bernd Petermann, Geschäftsführer des Zweckverbands Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach, deshalb an die Kunden, ihren Wasserverbrauch auf tatsächlich Notwendiges zu beschränken. Tabu sein sollte derzeit demnach das Bewässern von Rasenflächen, und Swimmingpools mit Trinkwasser zu füllen. Der Zweckverband spürt derzeit deutlich, dass viele Menschen ihre Ferien wegen der Corona-Pandemie daheim verbringen oder verbracht haben, der Verbrauch hat deutlich zugenommen.

Das Gebiet, das der Verband mit sechs Wasserwerken versorgt, reicht von der Stadt Offenbach bis nach Messel im Süden, Mainhausen im Osten und Dreieichenhain im Westen. Alles in allem hängen in Stadt und Kreis Offenbach inzwischen mehr als 350.000 Menschen, was die Wasserversorgung betrifft, vom Zweckverband ab.

Der Wasserpreis kann steigen

Im Durchschnitt liegt der Verbrauch von Trinkwasser je Kopf zwischen 40 und 45 Kubikmeter im Jahr. Um diesen Bedarf zu decken, kann der Zweckverband nicht einfach beliebig viel Wasser aus den mehr als 100 Brunnen entnehmen, in den Wasserwerken sammeln und verteilen. Dazu sind Rechte zur Entnahme von Grundwasser nötig, die das Regierungspräsidium in Darmstadt erteilt. Derzeit verfügt der Verband über solche Wasserrechte im Volumen von knapp 20 Millionen Kubikmeter. Um den aktuellen Verbrauch zu decken, schöpft er diese Rechte derzeit voll aus.

Angesichts der klimatischen Veränderungen und der damit einhergehenden zunehmenden Trockenheit hält es Petermann für unerlässlich, stadt- und landschaftsplanerisch mehr Vorsorge zu betreiben. Derzeit reagiere man nur auf die zunehmende Trockenheit. So müsse man beispielsweise auch in den Städten für ausreichend Grünflächen sorgen, wo Wasser versickern könne. Eine bedenkenlose maximierte Nutzung und Versiegelung von Flächen trage auf lange Sicht zu einer heiklen Versorgungslage bei. Etwa zum Schutz der Bäume vor der Trockenheit und Folgekrankheiten sei es nötig, generell Pufferspeicher in den Boden zu legen, die wertvolles Regenwasser auffangen und langsam an den Untergrund weitergäben.

Wasser sparen ist also wichtig. Wenn es die Verbraucher ganz besonders ernst nehmen, kann das allerdings durchaus für sie ungeahnte Konsequenzen haben: Der Wasserpreis kann steigen. Als Anfang der neunziger Jahre vielerorts neueste Wasserspartechnik installiert wurde, beispielsweise sparsame Spülkästen in Toiletten, habe das einen höheren Wasserpreis nach sich gezogen. Kunden hätten sich darauf beschwert und gefragt, ob das nun der Dank dafür sei, dass man sparsamer mit dem wertvollen Gut umgehe. Der Effekt ist Petermann zufolge dem Umstand geschuldet, dass Wasserversorger Fixkosten von 80 bis 85 Prozent hätten, die man mit dem Wasserpreis der Endverbraucher decken müsse. Trotzdem appelliert Petermann nachdrücklich an die Verbraucher, derzeit genau zu überlegen, wofür und wie viel Wasser sie verbrauchen.

Quelle: F.A.Z.
Jochen Remmert - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Jochen Remmert
Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.
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