Veranstalter in der Krise

Alarmstufe rot

EIN KOMMENTAR Von Christian Riethmüller
Aktualisiert am 19.06.2020
 - 17:50
Publikum erwünscht: Die Aktion am Montag wird mit einer Kundgebung vor der Jahrhunderthalle Frankfurt eingeläutet.
Der Begriff „Großveranstaltung“ wird derzeit diskutiert, als vergnügte sich das ganze Land nur auf Volksfesten. Einen ganzen Wirtschaftszweig am ausgestreckten Arm verhungern zu lassen, ist allerdings keine Lösung.

Im Krisenmodus denkt der Mensch nicht zuerst an sein Vergnügen und schon gar nicht an das der anderen. Das sei den Behörden zugestanden, die mit vielerlei Auflagen und nachfolgenden Lockerungen der Corona-Krise zu begegnen versuchen und es dabei zwangsläufig nicht allen recht machen können. Der Unterhaltung einfach abzuschwören und einen ganzen Wirtschaftszweig am ausgestreckten Arm verhungern zu lassen, ist allerdings keine Lösung, doch dürfte dies vielen Entscheidern noch gar nicht bewusst geworden sein.

Dabei geht es nicht um einzelne Spielstätten, sondern um einen Wirtschaftssektor, in dem etwa eine Million Menschen direkt arbeiten und der jedes Jahr in Deutschland viele Milliarden Euro umsetzt. Trotzdem wird der Veranstaltungswirtschaft keine Perspektive aufgezeigt und werden keine Regelungen so fein justiert, dass sie als verlässliche Handreichung taugten.

Stattdessen wird nur der Begriff „Großveranstaltung“ diskutiert, ganz so, als vergnügte sich das ganze Land nur auf Volksfesten, bei Stadionkonzerten und in Fußballarenen. Um auf ihre mittlerweile dramatische Lage mit einem weithin sichtbaren Zeichen hinzuweisen, sollen am Montagabend von 22 Uhr an in mehr als 250 Städten Spielstätten und öffentliche Gebäude mit rotem Licht illuminiert werden, um so anzuzeigen, dass für viele Veranstalter die Alarmstufe rot erreicht ist.

Auch viele Spielstätten in der Rhein-Main-Region beteiligen sich an der Aktion, die ebenfalls am Montag um 11.55 Uhr mit einer Kundgebung vor der Jahrhunderthalle Frankfurt eingeläutet wird. Stellvertretend für die Branche werden Künstler wie Urban Priol oder die Ehrlich Brothers ihre Stimme erheben. Die Teilnahme des Publikums ist ausdrücklich erwünscht. Es sollte ihm ein Vergnügen sein.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Riethmüller Christian
Christian Riethmüller
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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