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Die Elf-Minuten-Lüge

Von Marie Lisa Kehler
16.05.2019
, 09:00
Flirt-Nachrichten im Internet: Es ist nicht mehr zwingend der Mann, der den ersten Schritt machen muss.
Früher war das mit der Liebe einfacher, oder? Eine Psychologin erklärt, warum es Poeten in Zeiten von Flirt-Portalen im Internet schwer haben – und wieso das Alleinsein manchmal auch gesund sein kann.

Drei Klicks, schon landet eine Portion Liebe im Warenkorb. Zumindest suggeriert das die Werbung einer der deutschlandweit größten Online-Dating-Plattformen. Alle elf Minuten verliebt sich dort angeblich ein Single. Das macht etwa 130 Verliebte am Tag, mehr als 47.500 im Jahr. Dumm nur, wenn man zu denen gehört, die in der Zehn-Minuten-Warteschleife festzustecken scheinen. Die Realität kann nämlich kompliziert sein. Das weiß die Frankfurter Psychologin Christine Backhaus. Sie unterhält die Beratungsfirma Psyconomy an zwei Standorten in der Mainmetropole.

An sie und ihre Kolleginnen wenden sich unter anderen Singles, die keine Singles mehr sein wollen und deswegen einen Leidensdruck verspüren. Männer und Frauen, jüngere und ältere. Viele von ihnen stehen fest im Leben, sind erfolgreich im Beruf und trotzdem ratlos, wenn es um die Liebe geht. Weil es mit der erfüllten Partnerschaft einfach nicht so recht funktionieren will. Der Wunsch, begehrt und gebraucht zu werden, lieben zu dürfen und gleichzeitig geliebt zu werden, ist laut Backhaus bei den allermeisten Singles vorhanden, wenn auch unterschiedlich stark ausgeprägt. Bleiben über einen längeren Zeitraum ernsthafte Bemühungen erfolglos, einen Partner kennenzulernen, kann dies das Selbstwertgefühl stark angreifen.

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Autorenporträt / Kehler, Marie-Lisa
Marie Lisa Kehler
Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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