FAZ plus ArtikelSchauspieler Koch und Fritsch

Bühnenbrüder im Geiste

Von Eva-Maria Magel und Wonge Bergmann (Fotos)
17.02.2021
, 10:40
Sie ticken ähnlich, sie kennen sich schon ewig, und es gibt Zuschauer, die sie manchmal sogar verwechseln. Jedenfalls, wenn Wolfram Koch spielt und Herbert Fritsch inszeniert. So wie jetzt am Schauspiel Frankfurt, wo die beiden bis Freitag proben.

Hat er wieder „Meerrettich“ gesagt? Nein, hat er nicht. Herbert Fritsch reicht aber die Erinnerung daran, dass Wolfram Koch gestern „Meerrettich“ gesagt hatte. Statt „Metternich“, wie es im Text steht. Mehr Anlass braucht es nicht. Für den Fotografen geben die beiden an einem Regietisch, den Fritsch niemals nutzen würde, das Spiel vom feudalen Großregisseur und dem schlotternden Schauspieler, der seinen Text nicht beherrscht. Hätten die roten Samtsessel im Schauspiel Frankfurt Sicherheitsgurte, man könnte jetzt einen gebrauchen. Oder doch nicht. Lieber mitgerissen werden.

Herbert Fritsch, soeben 70 geworden, und Wolfram Koch, soeben 59 geworden, gehen von null auf hundert in wenigen Sekunden, von schrillen Grimassen über dahingeworfene Anspielungen und ruhige Absprachen, gespielte Drohungen. „Wenn man nicht so viel Text hätte, könnte man so viel Blödsinn machen!“, seufzt Koch. Und verschwindet, um kurze Zeit später im Kostüm aufzutreten. Das Scharmützel im Parkett war ein erstes Warmlaufen, er spielt sich auf Betriebstemperatur. Fritsch eilt auf die Bühne, macht ein paar Gesten, grätscht in Kochs Sätze. Fritsch deutet etwas an, äußert eine Idee, man kann zusehen, wie die Szene wächst, ein Geben und Nehmen, da ticken zwei gut zusammen.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Magel, Eva-Maria
Eva-Maria Magel
Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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