Zirkus Krone

„Die Pferde sind mein Leben“

Von Hans Riebsamen
08.06.2019
, 15:04
Pferdeprinzessin: Jana Lacey-Krone spielt in der Liebesgeschichte „Mandana“ von Zirkus Krone die weibliche Hauptrolle.
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Krone-Direktorin Jana Lacey-Krone dressiert weiße Araber, schwarze Nonius-Hengste und goldfarbene Falben. Von allen Tieren seien Pferde am schwierigsten zu trainieren. Wie es geht, erklärt sie während einer Probe.
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Ihr erster Weg am Morgen führt zu den Pferden. Sind alle auf den Beinen? Fressen sie? Gibt es Anzeichen für eine Krankheit? „Die Tiere sind mein Leben“, sagt Jana Lacey-Krone, seit zwei Jahren Direktorin des Zirkus Krone und als „Pferdeprinzessin“ die weibliche Hauptdarstellerin in der Show „Mandana“. Aus dem Mienenspiel jedes einzelnen Tieres könne sie ablesen, wie es ihm gehe, sagt sie. Jetzt steht die Einundvierzigjährige in der Manege und leitet wie fast jeden Morgen die Pferdeprobe. Gerade aber klingelt ihr Handy. Ein wichtiger Anruf. Als Direktorin muss Jana Lacey dauernd Neigung und Pflicht unter einen Hut bringen. Dieses Mal obsiegt die Pflicht: Die Direktorin unterbricht das Training kurz, um telefonisch eine Anweisung zu geben.

An diesem Morgen übt Lacey-Krone mit ihren zehn schwarzen Nonius-Hengsten aus Ungarn schon die Nummer ein, die sie im Winterprogramm im Krone-Bau in München zeigen wird. Je fünf Tiere laufen in einer Reihe. Auf eine kurze Anweisung von Jana hin dreht sich die eine Gruppe um 180 Grad und läuft nun der anderen Gruppe entgegen. Das zählt mit zu den schwierigsten Pferdetricks, denn das Entgegenlaufen entspricht nicht dem Instinkt von Herden- und Fluchttieren. Ihre Anweisungen gibt die Pferdefrau mit der Stimme und mit der Peitsche, ihrem „verlängerten Arm“, wie sie dieses Werkzeug nennt. Tatsächlich trägt sie in beiden Händen eine Peitsche. Sie dienen natürlich nicht zum Schlagen der Tiere – das würde die Zirkuschefin nie tun – ,sondern zum Dirigieren der Hengste. Warum nur Hengste? Das mache die Haltung der Tiere einfacher, weil es keine Kämpfe um die Stuten gebe, erläutert Lacey-Krone.

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Pferde sind das Markenzeichen des Zirkus Krone. Christel Sembach-Krone, die vor zwei Jahren verstorbene Patronin des Unternehmens, ist eine echte Pferdeflüstererin gewesen. Von ihr, der Adoptiv-Mutter, hat Jana alles über Pferde gelernt. Mit drei Jahren stand sie zum ersten Mal mit einem Pony in der Manege. Mit neun absolvierte sie ihre erste Hohe Schule – auf einem Lipizzaner. Mit zwölf bekam sie den ersten Applaus für eine Freiheitsdressur, wie im Zirkus die Pferdenummern ohne Reiter heißen. Seit ihrem 14. Geburtstag steht sie mehr oder weniger täglich bei den Krone-Vorstellungen in der Manege.

Sensibler Charakter

Krones Pferdehaltung ist aufwendig. Welcher Zirkus kann sich schon an die 40 Tiere leisten? Dazu kommen zwölf Tierpfleger, deren Aufgabe es ist, die schwarzen Nonius, die weißen Araber, die goldfarbenen Falben und die cremefarbenen Cremellos zu füttern, zu pflegen, anzuschirren, ins Zirkuszelt zu bringen – und manchmal auch in der Manege herumzuführen. An diesem Morgen manövriert ein halbes Dutzend Helfer die Nonius-Hengste am Zügel durch eine neue Choreografie. Erst wenn die Pferde vielfach eine solche Figur abgelaufen sind, können sie selbständig ihren Weg finden.

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Jana Lacey-Krone hat in ihrer Karriere bei Zirkus Krone schon manche Exoten in die Manege geführt: Elefanten, Kamele und Zebras. „Aber es gibt keine Tierart, die so schwer zu dressieren ist wie Pferde“, sagt sie. Man brauche unendlich viel Geduld, um diesen Fluchttieren die Angst zu nehmen. Drei Jahre dauere in der Regel die Ausbildung, bis ein Pferd zum ersten Mal überhaupt in die Manege geführt werden könne. Auch in der Pferdedressur arbeitet der Tierlehrer wie bei allen anderen Tier-Disziplinen mit Belohnungen: mit lobenden Worten, einer zärtlichen Berührung oder einem Tätscheln und natürlich mit einem Stück „Zucker“. Allerdings keinem richtigen Zucker, das sei nicht gut für die Gesundheit. Lacey-Krone verteilt als Belohnung immer einen kleinen Vitaminbarren.

Manchmal erteilt die Chefin auch einen Verweis. Vorwurfsvoll ruft sie den Namen eines Hengstes und schüttelt den Kopf. Der schaut sie betreten an und reiht sich danach ordentlich in die Formation ein. Pferde, so sagt sie, seien oft unendlich kompliziert, sensibel, launisch, nervös und misstrauisch. Wie man es von schwierigen Charakteren kennt. Vor allem aber seien sie sehr schreckhaft. Was sie nicht kennten, mache sie scheu: ein neues Bühnenbild, ein andersfarbiger Vorhang, ein Fotograf im Zuschauerraum. Wenn Pferde nach drei Jahren Vorbereitung in die Manege kommen, müssen sie sich zum Beispiel zuerst einmal an Applaus gewöhnen. Die Chefin lässt dafür in den Proben schon mal die ganze Zirkusmannschaft antreten und in die Hände klatschen.

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Nicht jeder Hengst eignet sich

Als kleines Mädchen war Jana pferdeverrückt – und ist es ohne Unterbrechung bis heute geblieben. Die Tiere, so sagt sie, gäben ihr die Kraft und die Stärke, mit dem schwierigen Zirkusgeschäft weiterzumachen. Gäbe es keine Pferde mehr bei Krone, würde sie aufhören. Bei Krone erlaube man sich den Luxus, viel Zeit und Geld in die Pferde zu stecken. Zumindest in München, dem Stammsitz von Krone, beobachtet das Publikum genau, welche neue Nummer Jana Lacey-Krone mit ihren Hengsten eingeübt hat, und beurteilt diese fachmännisch.

Oder besser fachfrauisch: Denn vor allem das weibliche Geschlecht lässt sich erfahrungsgemäß von Hoher Schule und Freiheitsdressuren entzücken, während sich Männer häufiger von der Löwennummer ihres Mannes und Co-Direktors Martin Lacey beeindrucken lassen. Die Krönung jeder Pferdeausbildung im Zirkus ist der Steiger – das Aufrichten eines Pferdes auf den Hinterbeinen. Bei Hengsten stellt dieser Steiger oft eine Macho-Geste dar.

Die Aufgabe der Zirkuschefin und ihres erfahrenen Stallmeisters Hans-Ludwig Suppmeier besteht darin, die Pferde im Kollektiv zu diesem Kunststück zu bewegen, ohne dass sich eines von ihnen bedroht fühlt. Nicht jeder Hengst ist für den Trick geeignet. Es bedarf einer genauen Beobachtung der Tiere und viel Einfühlungsvermögen, um herauszufinden, wer aus der Herde für die Steiger-Nummer in Frage kommt. An diesem Morgen klappt aber alles. Einer nach dem anderen heben die Nonius-Hengste auf ein Peitschenzeichen des Stallmeisters hin ihre Vorderbeine und trippeln auf den Hinterbeinen in Richtung Ausgang. Dort wartet die Chefin auf sie und belohnt ihre Lieblinge mit einem Vitamin-Leckerli und einem langgezogenen „braaav“.

Show „Mandana“

Jana Lacey-Krone ist mit ihren Pferden in der Show „Mandana“ noch bis Dienstag, 11. Juni 2019, bei Zirkus Krone auf dem Festplatz am Ratsweg zu sehen.

Quelle: F.A.Z.
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