Starkregen

Immer den Himmel im Blick

Von Katharina Iskandar, Frankfurt
16.06.2016
, 08:48
Seenplatte: Am Südbahnhof waren die Spuren des Starkregens auch gestern noch sichtbar.
In Sachsenhausen kommen die Aufräumarbeiten schnell voran. Die Anwohner wappnen sich schon für die nächste Regenflut.
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Als der Regen wieder einsetzt, steht Ismail Uslu in seiner Textilreinigung am Ziegelhüttenplatz. „O nein“, sagt er. „Nicht schon wieder.“ Die Tropfen fallen am diesem frühen Mittwochnachmittag sacht und leise. Kein Vergleich zu dem, was Uslu am Tag zuvor erlebt hat. Sturzbachartig war das Wasser an seinem Geschäft vorbeigelaufen und hatte sich im Eingang gesammelt, weil der Abfluss irgendwann zugesetzt war mit Schutt und Schlamm. Uslu musste die Abdeckung lösen und die nasse Erde nach und nach herausschaufeln, während das Wasser schon fast ins Innere seines Ladens drang. Aber Uslu war schneller. Gerade noch rechtzeitig floss das Wasser am späten Abend ab. „Ich hoffe, der Regen kommt nicht wieder“, sagt der Geschäftsmann. Den ganzen Tag über behält er den Himmel im Blick.

Uslu ist nicht der einzige Frankfurter, der gestern noch mit den Folgen des Starkregens vom Vortag zu kämpfen hatte und sich schon für die nächste Regenflut wappnet. Ein paar Meter weiter sind Sandsäcke vor einem Sanitätshaus gestapelt. „Nur für den Fall“, sagt ein Mitarbeiter. Die Säcke habe die Hausgesellschaft vor Jahren angeschafft, als schon einmal der Keller vollgelaufen war. Das Geschäft liegt am Hang. „Wir leben sozusagen mit der Gefahr“, sagt der Mitarbeiter. Deshalb lagere er die Artikel vorsichtshalber auf Paletten. „Selbst wenn dann Wasser eindringt, haben wir unten immer genug Luft. Wenn wir die nicht hätten, könnten wir im Keller längst Fische züchten.“

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Süd- und Lokalbahnhof überschwemmt

Die Feuerwehr verfolgte unterdessen auch gestern im Stundentakt die Warnungen des Deutschen Wetterdienstes. Noch am Nachmittag war unklar, ob das angekündigte Gewitter samt Starkregen nun kommt oder nicht. Rund 400 Mal waren die Einsatzkräfte zwischen Dienstagabend und Mittwochmorgen ausgerückt. Meistens wurden sie zu Privathäusern gerufen, weil dort Wasser eingedrungen war. Glücklicherweise seien das in der Regel kleinere Einsätze gewesen, sagt ein Sprecher. „Wenn wir kamen, war das Wasser oft schon wieder abgeflossen, oder die Bewohner konnten es selbst beseitigen.“

Länger beschäftigt waren die Einsatzkräfte hingegen am Südbahnhof und am Lokalbahnhof sowie in mehreren Unterführungen in Sachsenhausen, in denen sich das Wasser bis zu einem halben Meter hoch gesammelt hatte. Am Südbahnhof waren die Spuren gestern noch zu sehen. „Unser Lager ist komplett vollgelaufen“, berichtet die Mitarbeiterin eines Zeitschriftenladens. Das Depot liegt am Ausgang zur Mörfelder Landstraße. Ein junger Mann schiebt unermüdlich das Wasser heraus, das fast den gesamten Boden bedeckt. Er hat sich Plastiktüten über seine Schuhe gezogen und sie provisorisch mit Gummibändern fixiert. Bis auf die Regale hat er alles rausgeräumt. Holzpaletten, Feuerlöscher, einen Ventilator.

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„Wir sind mit den Nerven völlig am Ende.“

Auch in der Bahnhofshalle steht das Wasser an einigen Stellen noch Zentimeter hoch. Passanten waten auf Zehenspitzen hindurch. Solche Stellen gibt es in ganz Sachsenhausen. An der Mörfelder Landstraße hat sich eine riesige Pfütze gesammelt. Daneben steht ein gelbes Warnschild: „Caution! Wet floor“

„Das, was hier runterging, war doch noch gar nichts“, sagt eine Frau. „Ich komme aus Bergen-Enkheim. Da sind manche Keller vom Wochenende heute noch nass.“ Sie selbst lässt seit Tagen mehrere Trockenmaschinen laufen, um die Feuchtigkeit aus dem Boden zu holen. Ihre Nachbarn hat es noch schlimmer erwischt. Dort stand das Wasser bis zu einem Meter hoch. Der Schaden geht vermutlich in die Tausende. Jemand von der Versicherung will heute noch kommen. Die Frankfurterin klingt müde, als sie sagt: „Wir sind mit den Nerven völlig am Ende.“

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Iskandar, Katharina
Katharina Iskandar
Verantwortliche Redakteurin für das Ressort „Rhein-Main“ der Sonntagszeitung.
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