FAZ plus ArtikelLeben im Flughafen Frankfurt

Ohne Perspektive im Tarnmodus

Von Theresa Weiß
25.10.2021
, 15:53
Drei Jahre lang, lebte Daniela am Frankfurter Flughafen aus zwei Koffern (Symbolbild).
Drei Jahre hat Daniela im Frankfurter Flughafen gelebt. Alles, was sie besaß, steckte in zwei Koffern. Dass sie obdachlos war, versuchte sie dabei zu verheimlichen. Eine Geschichte vom Absteigen und Aufstehen.
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Das Bein brennt, aber Daniela schiebt den Schmerz weg. Humpelt ihren gewohnten Weg entlang, zwischen Wartesälen, dem Supermarkt im Untergeschoss und den flimmernden Anzeigetafeln. In wenigen Stunden wird sie halb besinnungslos in einem Krankenhaus liegen, eine Nadel mit Antibiotika im Arm. Doch noch ist sie am Flughafen. Noch ist sie im Tarnmodus.

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Daniela ist eine resolute Frau. Kurzes blondes Haar, kräftig, Anfang 50. Sie heißt nicht wirklich Daniela, denn sie will nicht, dass ihre Kollegen, Nachbarn und Vermieter von ihrer Geschichte erfahren und sie in Zukunft mit anderen Augen sehen. Darum bleibt sie in diesem Text anonym. Daniela war drei Jahre lang obdachlos. Ohne dass das jemand mitbekam. Mit zwei Koffern lebte sie am Frankfurter Flughafen. Dorthin kam sie, weil sie verschwinden wollte. Nicht mehr die Stapel von ungeöffneten Briefen sehen, keine Anrufe vom Finanzamt mehr wegdrücken müssen. Es war ihr alles über den Kopf gewachsen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Weiß, Theresa
Theresa Weiß
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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