Frankfurter Flughafen

„Südumfliegung“ sorgt für Ärger

Von Helmut Schwan
20.09.2012
, 19:11
Am Himmel über Rheinhessen und Mainz könnte es lauter werden. Künftig starten wohl mehr Jets vom Frankfurter Flughafen aus über die Südschleife. Aus Rheinland-Pfalz kommt Protest.

Die Diskussion um Fluglärm in der Region ist abermals angeschwollen. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) leitet künftig auch drei- und vierstrahlige Maschinen der Kategorien Heavy und Super, etwa die Boeing 747 oder den Airbus A380, auf die sogenannte Südumfliegung. Aus Sicht der DFS ist die Schleife, die über Rheinhessen führt, unabdingbar, um Kollisionen für den Fall zu vermeiden, dass Flugzeuge auf der neuen Landebahn durchstarten müssen. In der dritten Stufe, voraussichtlich von 2016 an, sollen alle Maschinen, die Richtung Westen und Norden starten, die Südumfliegung nutzen. Dann könnten bis zu 50.000 Flugzeuge im Jahr diese Gebiete überqueren.

Im Nachbarland Rheinland-Pfalz hält sich bis in Regierungskreise hartnäckig die Überzeugung, diese Routen seien politisch motiviert und bei der Ausbauplanung des Frankfurter Flughafens vor allem gewählt worden, um Anwohner im hessischen Taunus zu entlasten. Laut einem Gutachten, das die Landesregierung in Mainz in Auftrag gegeben hat, gibt es durchaus Varianten, die genauso sicher sind und die im Wesentlichen die alte Routenführung über den Taunus beibehalten könnten.

Klagen gegen die Abflugstrecken

Der rheinland-pfälzische Infrastrukturminister Roger Lewentz (SPD) sagte gestern, es sei nicht nachvollziehbar, wieso die schweren Flugzeuge schon jetzt den Umweg auf der Südumfliegung nutzen sollen, obwohl dies auch mit Blick auf die Kapazitätsauslastung in Frankfurt gar nicht notwendig sei. Einige süd- und rheinhessische Kommunen klagen gegen die Abflugstrecken über ihr Gebiet. In Mainz mehrten sich in den vergangenen Wochen Beschwerden darüber, dass entgegen der eingezeichneten Linien auf den Plänen der Stadtteil Laubenheim oft überflogen werde. Die „Initiative gegen Fluglärm“ befürchtet, die Belastung werde noch stärker als berechnet ausfallen, weil die schweren Flugzeuge nur allmählich steigen könnten.

Unterdessen hat die hessische Landesregierung, wie im Frühjahr in der „Allianz für Lärmschutz“ angekündigt, eine neue, stärker an Schallemissionen orientierte Entgeltordnung für Starts und Landungen am Frankfurter Flughafen gebilligt; sie gilt von Januar 2013 an. Krach dürfe sich nicht lohnen, Lärmminderung an der Quelle sei die wirksamste Möglichkeit, den Fluglärm zu drosseln, sagte Wirtschafts- und Verkehrsminister Florian Rentsch (FDP).

Einsatz leiserer Maschinen

Der „Lärmanteil“ der Tarife, die der Flughafenbetreiber von den Fluglinien fordert, bringt künftig statt 45 rund 100 Millionen Euro ein. Der Einsatz leiserer Maschinen soll sich zusätzlich lohnen, indem die Entgelte noch stärker nach Schallwerten gespreizt wurden. Das Verkehrsministerium weist darauf hin, dass von 2009 bis 2011 diese Lärmentgelte schon um insgesamt 70 Prozent angehoben worden seien. Rentsch äußerte, er wolle weiterhin für Anreize sorgen, leisere Maschinen einzusetzen.

Ausbaugegner werden am Dienstag ihre Kampagne fortsetzen, die angeblich Verantwortlichen für Fluglärm im privaten Umfeld damit zu konfrontieren. Das Gießener Ordnungsamt teilte gestern mit, eine „Demonstration“ vor dem Haus des Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) könne unter Auflagen stattfinden. Die Organisatoren wollen, wie bei ähnlichen Aktionen vor den Häusern des früheren Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) und des Fraport-Chefs Stefan Schulte, mit ihrer „Lärmwehr“ die Geräuschkulisse etwa aus Offenbach oder Flörsheim für eine halbe Stunde „im Original“ übertragen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schwan, Helmut (hs.)
Helmut Schwan
Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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