Frankfurter Geschäftsleben

Für Feinschmecker, Ferrari-Fans und Frankfurt-Touristen

Von Petra Kirchhoff
Aktualisiert am 28.07.2018
 - 16:58
Mehr Platz für Ferraris: Das Autohaus Ulrich hat angebaut.zur Bildergalerie
Die Edeka-Premium-Marke Scheck-in hat zwei neue Märkte eröffnet. Das Autohaus Ulrich hat angebaut, und Besucher aus Korea können jetzt auch in Sachsenhausen Töpfe und Pfannen kaufen. Zudem bekommt Hollister in My Zeil Gesellschaft.

Abercrombie & Fitch in My Zeil

Die kalifornische Modemarke Abercrombie & Fitch wird im November eine 700 Quadratmeter große Filiale im Einkaufszentrum My Zeil in der Frankfurter Innenstadt eröffnen. Das bestätigt Center-Manager Marcus Schwartz, der zurzeit alle Hände voll damit zu tun hat, den kompletten Umbau des Einkaufszentrums zu managen. Abercrombie übernimmt die Fläche von Comma und Promod und wird mit zwei Etagen Ankermieter in My Zeil.

Lange Zeit war es still um die Marke, die zunächst einen regelrechten Hype gefeiert hatte. Wie bei Hollister – der etwas preiswerteren Tochtermarke, die von Anfang an ein Geschäft in My Zeil hat – war der Ansturm auf die Geschäfte so groß, dass Kunden Schlange stehen mussten, während vor der Ladentür junge Männer mit nacktem Oberkörper und Flipflops den Türsteher mimten. Irgendwann legte sich jedoch der Hype. Nun stehen die Zeichen wieder auf Wachstum. Wie die „Textilwirtschaft“ berichtet, sind Umsatz und Gewinn nach einer Neupositionierung und Bereinigung des Filialnetzes zuletzt wieder gewachsen. Wer weiß, ob die jungen Kunden im November nicht doch wieder Schlange stehen.

Alles auf Rot bei Ulrich

Fans der Luxussportwagen-Marke Ferrari bekommen an der Schmidtstraße seit kurzem glänzende Augen. Das hier ansässige Autohaus Ulrich hat Ende Juni seinen neuen Ferrari-Schauraum eröffnet und zählt jetzt mit einer Fläche von 3300 Quadratmetern nach eigenen Angaben zu den größten und modernsten Ferrari-Repräsentanzen in Europa. In einem eigens errichteten Neubau zeigt das 1959 gegründete Familienunternehmen auf zwei Etagen die komplette Palette der aktuellen Ferrari-Modelle.

Geschäftsführer Frank Ulrich verspricht Besuchern ein „emotionales und qualitativ hochwertiges Erlebnis“. Als offizieller Ferrari-Partner bietet das Autohaus auch die Wartung aller aktuellen Modelle an ebenso den Service rund um Gebrauchtwagen. An fünf neuen Werkstattplätzen arbeiten die Mechaniker fortan hinter verglasten Türen.

Scheck-in hoch drei

Seit 2008 begeistert das Scheck-in-Center an der Ferdinand-Happ-Straße im Frankfurter Osten auf 5500 Quadratmetern alle, die Wert auf Auswahl und Frische bei Lebensmitteln legen. Scheck-in-Center, eine Marke aus dem Hause Edeka, sind Supermärkte auf Feinkost-Niveau mit einer Auswahl an 55 000 Artikeln, wie es heißt. Normalerweise böten Supermärkte zwischen 9000 und 14.000 Artikeln.

Seit diesem Frühjahr gibt es auch ein Scheck-in-Center im Henninger Turm (2200 Quadratmeter) und seit kurzem eines am Hainer Weg im Stadtteil Niederrad (1500 Quadratmeter), der sich immer stärker vom Büro- zum Wohnquartier entwickelt. Damit ist Edeka mit seiner Premium-Marke so stark vertreten wie in keiner anderen Stadt in Deutschland. Alles in allem gehören bundesweit 15 Märkte zur Scheck-in-Gruppe, unter diesen auch ein 6000 Quadratmeter großes Feinkost-Flaggschiff in Mainz. Inhaber und Betreiber ist ein badisches Familienunternehmen, das Mitglied der Edeka-Gruppe ist.

Dribdebach: Kaufhaus für Koreaner

Nun hat es der erste Laden über den Main geschafft, der sich mit einem speziellen Marken-Angebot an Touristen aus Asien richtet, in diesem Fall an Besucher aus Südkorea. In einem hässlichen Bürohaus im Brückenviertel, an der Walter-Kolb-Straße, ist das „MJ Shopping-Center“ eingezogen. Früher war hier ein Matratzen-Geschäft. Betreiber ist die Offenbacher Im- und Export-Firma Westland, die nahezu dreißig Jahre ein Geschäft an der Kaiserstraße in Frankfurt hatte und das neue Kaufhaus nur ein paar Stunden am Tag speziell für Reisegruppen öffnet, die hier gezielt mit dem Reisebus vorfahren und ein Angebot der üblichen Marken (Montblanc, Zwilling, Fissler) vorfinden.

Die Lage sei ideal, da sich schräg gegenüber ein koreanisches Restaurant befinde, sagt Geschäftsführerin Chi-Sook Kim. Dass der Betrieb bereits läuft, ist von außen nicht zu erkennen, da die Schaufenster mit einer Folie zugeklebt sind. Sie brauche die Fenster als Standfläche für Regale, sagt Kim. Daher gebe es kein Tageslicht.

Reformhaus Freya in der Altstadt

In der neuen Frankfurter Altstadt nimmt das Geschäftsleben Fahrt auf. Nach der Boutique für Abendmode, Viviry, haben inzwischen auch die Marke Steiff und die hessische Töpferei Bauer ihre Geschäfte eröffnet. Die Dom Römer GmbH ist nach eigener Auskunft dabei, die letzten Verträge für die 35 Flächen auszuarbeiten. Neu ist, dass die Frankfurter Reformhaus-Kette Freya an der Braubachstraße Mieter wird.

Die Fläche ist mit 60 Quadratmetern eher klein, weshalb man sich auf die beratungsintensiven Produkte konzentrieren werde, sagt Geschäftsführer Roland Fiedler. Milch und Müsli werde es aber ebenso geben – und eine Einrichtung, die Bezug nimmt auf die lange Geschichte des Unternehmens. Ebenfalls an die Braubachstraße zieht das Juwelier-Unternehmen Rentmeister aus Wiesbaden. Damit wird Schmuck das größte Sortiment in der neuen Altstadt. Wie berichtet, werden etwa Juwelier Friedrich und die Boutique Feinform Geschäfte in dem Quartier eröffnen.

Closed folgt auf Vanilla

„Vanilla – der Schuhladen“, das war für viele Frauen eine Anlaufstelle, die bei Schuhen und Taschen auf ausgefallenere Marken stehen und nicht aufs Geld schauen müssen. Nun hat das Geschäft an der Börsenstraße neben Juwelier Rüschenbeck geschlossen. Als Interimsmieter verkauft hier die Modeagentur Zimmermann Schuhe und Lederaccessoires. Die Agentur betreibt zwei weitere Geschäfte in Frankfurt: eines am Liebfrauenberg und den ehemaligen Liebeskind-Laden an der Schillerstraße. Beide Geschäfte haben keinen Namen.

Mit einem bekannten Namen, Closed, geht es gleichwohl im Herbst an der Börsenstraße weiter. Closed ist eine erfolgreiche hochpreisige Hamburger Modemarke, die dafür bekannt ist, Wert auf Nachhaltigkeit und Fairness zu legen. Seit der Gründung des Unternehmens vor 40 Jahren werden die Jeans etwa in Italien genäht. Alles in allem kommen 85 Prozent der Textilien aus europäischer Produktion. Closed hat zwei weitere Markengeschäfte in der Region: eines im Main-Taunus-Zentrum und eine Boutique für Damenmode in Wiesbaden.

Cri-Cri nur noch an der Hauptwache

Gestern war der letzte Tag für das Einrichtungsgeschäft Cri-Cri an der Schneckenhofstraße in Sachsenhausen. Nach fünf Jahren hat Ilse Kofler ihr Hauptgeschäft geschlossen. Fortan wird sich die Einrichtungsspezialistin auf ihre Filiale in der B-Ebene der Hauptwache konzentrieren, die sie vor zwei Jahren als Ableger für Geschenke und Wohnaccessoires eröffnet hatte. Den Schritt begründet Kofler, die seit 45 Jahren in der Branche arbeitet, mit steigenden Mietkosten. Hinzu kommt, dass die Schneckenhofstraße jetzt eine Einbahnstraße ist. Das spüre sie beim Umsatz, sagt Kofler.

Es ist nicht die erste Wende im Leben der umtriebigen Geschäftsfrau. Zunächst als Filialistin mit 26 Geschäften für Porzellan aus Asien gestartet, änderte Ilse Kofler später ihr Konzept auf hochwertige Einrichtung, verkleinerte das Filialnetz und konzentrierte sich auf ein großes Einrichtungshaus am Roßmarkt (1300 Quadratmeter, heute Urban Outfitter) – das sie 2010 schließlich aufgeben musste, weil sie Umbau und Mieterhöhung nicht mittragen wollte. Mit 65 Jahren will Kofler sich aber noch nicht zur Ruhe setzen, sondern an der Hauptwache mit dem hohen Anspruch aus Sachsenhausen weitermachen. „Ich kann doch nicht auf Kreuzfahrt gehen.“

Kein Abflug mehr an Gate 05

Am 11. August ist Schluss. Jan Unnewehr, der 14 Jahre lang neben seinem Job als Manager der Kabine (Purser) in einem Geschäft am Merianplatz Taschen, Koffer, Geschenkartikel und andere Accessoires verkaufte – viele davon mit Bezug zur Fliegerei, daher der Name Gate 05 –, ist sich sicher, dass er am Ende dieses Tages „Rotz und Wasser“ heulen wird. „Das Geschäft war Teil von meinem Leben.“ Den Schritt begründet er damit, dass immer mehr Kunden online einkauften, Artikel jederzeit und sofort verfügbar sein müssten. „Da kann ich als stationärer Händler nicht mithalten.“ Gleichwohl, einen kleinen Teil des Sortiments wird auch Unnewehr, der sich die Geschäftsführung mit einem anderen Flugbegleiter teilte, weiter online anbieten.

Quelle: F.A.Z.
Petra Kirchhoff - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Petra Kirchhoff
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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