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Foto: Francois Klein

Stadt der Türme

Von JAN KLAUTH
Foto: Francois Klein

29.06.2020 · Nicht nur den Banken hat Frankfurt seine in Deutschland einzigartige Skyline zu verdanken. Auch Gewerkschaften und Seifenfabrikanten bauten schon Hochhäuser. Einen Rekord kann aber auch der höchste Wolkenkratzer nicht brechen.

S ie ist eines der Wahrzeichen und das Aushängeschild der hessischen Finanzmetropole – die Frankfurter Skyline. Mehr als hundert Gebäude in der Stadt überragen eine Höhe von 22 Meter und dürfen sich damit offiziell als Hochhaus bezeichnen. Wirklich prägend für die Silhouette sind aber vor allem die 32 Bauten, die höher als 100 Meter sind. Knapp die Hälfte davon sind mit mindestens 150 Metern gar richtige Wolkenkratzer. Solche Bauten stehen hierzulande allerdings auch in Städten wie München, Berlin oder Essen. Und selbst wenn Kosenamen wie „Mainhattan“ übertrieben sein mögen: Die Frankfurter Skyline ist die einzig zusammenhängende in ganz Deutschland und eine der markantesten in Europa.

Klinkerturm der Seifenfabrik J.G.Mouson Foto: picture alliance

Dass das Banken-und Finanzwesen einen erheblichen Anteil zur markanten Silhouette beigetragen hat, ist richtig. Stilprägend sind heutzutage vor allem der Commerzbank-Tower, der Westend Tower oder die Doppeltürme der Deutschen Bank. Als der Hochhausbau noch in den Kinderschuhen steckte, sah das ganz anders aus. Als erstes Frankfurter Hochhaus gilt der Mousonturm, einziges Überbleibsel einer bis 1926 errichteten Parfüm-und Seifenfabrik im Stadtteil Ostend. Der Turm mit einer Höhe von 33 Metern steht unter Denkmalschutz und beherbergt seit Jahren ein bekanntes Künstlerhaus. Wenig später, Anfang der dreißiger Jahre, folgten das Gewerkschaftshaus mit 31 Metern und das 35 Meter hohe I.G.-Farbenhaus, das nach dem Zweiten Weltkrieg von den Amerikanern, und heute von der Goethe-Universität genutzt wird. Auch wenn diese drei Gebäude im Gesamtbild der Skyline heute keine Rolle mehr spielen, waren sie über Jahre, Kirchtürme ausgenommen, die höchsten der Stadt.

Frankfurter Wolkenkratzer ab 150 Meter

  • Commerzbank, Höhe: 259 m, Eröffnung: 1997, Architekt: Foster & Partner
  • Messeturm, Höhe: 256,50 m, Eröffnung: 1990, Architekt: R. Murphy, H. Jahn
  • Four, Höhe: 228 m, im Bau, Architekt: UN Studio, HPP Architekten
  • Westend-Tower, Höhe: 208 m, Eröffnung: 1993, Architekt: Kohn, Pedersen + Fox, NHT
  • Main Tower, Höhe: 200 m, Eröffnung: 1999, Architekt: Schweger + Partner
  • Tower 185, Höhe: 200 m, Eröffnung: 2011, Architekt: Christoph Mäckler
  • One, Höhe: 190 m, im Bau, Architekt: Meurer Generalplaner GmbH
  • Trianon, Höhe: 186 m, Eröffnung: 1993, Architekt: Novotny Mähner Assoziierte,<br> HPP, AS+P Albert Speer + Partner
  • Omniturm, Höhe: 185 m, Eröffnung: 2019, Architekt: Bjarke Ingels Group (BIG)
  • Europäische Zentralbank, Höhe: 185 m, Eröffnung: 2014, Architekt: Coop Himmelb(l)au
  • Grand Tower, Höhe: 172 m, Eröffnung: 2019, Architekt: Magnus Kaminiarz & Cie. Architektur
  • Opernturm, Höhe: 170 m, Eröffnung: 2009, Architekt: Christoph Mäckler Architekten
  • Taunus Turm, Höhe: 170 m, Eröffnung: 2013, Architekt: Gruber+Kleine-Kraneburg Architekten
  • Silver-Tower, Höhe: 167 m, Eröffnung: 1978, Architekt: Beckert, Becker+Partner Scheid
  • Westend Gate, Höhe: 160 m, Eröffnung: 1976, Architekt: Richard Heil
  • Deutsche Bank-Türme, Höhe: 158 m, Eröffnung: 1984, Architekt: ABB Architekten, Hanig, Scheid, Schmidt
  • Marienturm, Höhe: 155 m, Eröffnung: 2019, Architekt: Thomas Müller Ivan Reimann, Gesellschaft von Architekten mbH
  • Skyper, Höhe: 154 m, Eröffnung: 2004, Architekt: JSK Architekten

Lange brauchte es jedoch nicht, bis die Banken Gefallen an jener Bauweise nahmen. 1954 folgte das immerhin 43 Meter hohe Bienenkorbhaus an der Konstablerwache, in das die Sparkasse zog. Frankfurt war damit allerdings ein Spätzünder: Die bis heute berühmteste Skyline der Welt in New York City nahm bereits um 1890 Formen an. Schon damals wurde eine dreistellige Meteranzahl erreicht. Im vom Krieg schwer beschädigten Frankfurt waren Baulücken nicht gerade Mangelware. Der Hochbau hatte Konjunktur. Einige charismatische Bauten, wie das Rundschau-Haus oder das Fernmeldehaus nahe der Hauptwache, die in den Nachkriegsjahren gebaut wurden, sind schon wieder aus dem Stadtbild verschwunden.

Frankfurter Messeturm, 12. Juli 1990 Foto: Lutz Kleinhans

Richtige Wolkenkratzer, also Gebäude ab einer Höhe von 150 Metern, kamen allerdings erst ab den siebziger Jahren hinzu, etwa das Westend Gate, heute vor allem bekannt durch seinen Hauptmieter, die Hotelgruppe Marriot. Nach seiner Eröffnung war es für kurze Zeit das höchste Hochhaus Deutschlands. Und schon bald sollte ein Rekord den nächsten ablösen. 1990 folgte mit den Messeturm ein weiteres Wahrzeichen der Stadt, auch das Bauwerk von Star-Architekt Helmut Jahn war mit 256 Metern für einige Jahre der höchste Turm des Landes. Diesen Titel gab der „Bleistift“ jedoch 1997 an den Commerzbank Tower ab, der sich mit 259 Metern als höchstes Gebäude Europas bezeichnen durfte. Was die Höhe angeht, sind die Frankfurter Hochhäuser seit mehreren Jahren von Pendants aus London und vor allem Moskau abgelöst worden. Und dass neue Wolkenkratzer bei Weitem nicht nur auf Gegenliebe stoßen, zeigte sich bei Bürgerprotesten in den siebziger Jahren genauso wie im Zuge der Krawallen bei der Eröffnung der neuen EZB im Stadtteil Ostend 2015. Der Goldgräberstimmung von Bauherren und Investoren tut das aber keinen Abbruch. Frankfurt bleibt auch in den nächsten Jahren eine Dauerbaustelle für Hochhäuser.

Was passiert momentan? Welche Türme kommen bald dazu?

W er heute auf einem der Frankfurter Hochhäuser steht, sieht sie in allen Himmelsrichtungen: Baukräne, die neue Gebäude in die Höhe wachsen lassen. Annähernd 30 weitere Hochhäuser sind in und um Frankfurt derzeit im Bau, beziehungsweise in Planung. Nicht alle davon werden ein Teil der Skyline, sicherlich aber die acht, die eine Höhe von 100 Metern überschreiten. Dabei beschränken sich Bauherren schon lange nicht mehr nur auf die Kernstadt. Auch am Flughafen, in Eschborn oder in Offenbach sind neue Hochhäuser geplant. Kurz vor der Fertigstellung steht zum Beispiel der 172 Meter hohe Grand Tower an der Mainzer Landstraße – ein Luxuswohnturm, in dem Apartments bis zu zwei Millionen Euro kosten werden. Er dürfte damit nicht nur das höchste, sondern auch teuerste Wohngebäude Deutschlands werden.

  • Commerzbank Tower, der höchste: Seit mehr als 20 Jahren überragt die Zentrale des Geldhauses alle anderen Türme der Stadt. Foto: Helmut Fricke
  • Messeturm, der schönste: Helmut Jahns „Bleistift“ ist ein echtes Frankfurter Wahrzeichen und gilt als einer der gelungensten Hochhäuser. Foto: Michael Braunschädel
  • Four, Zukunftsmusik: Wo bislang noch eine Grube klafft, wird die Skyline bald ihr Gesicht verändern. Foto: Partner/UN Studio
  • Westend-Tower, mit Kranz: Die Streben auf dem Dach erinnern an Frankfurt als Krönungsstadt der Kaiser. Foto: Victor Hedwig
  • Main Tower, Besuchermagnet: Die Aussichtsplattform zieht jährlich tausende Touristen an. Foto: Victor Hedwig
  • Tower 185, mit Rundungen: Statt wie zunächst geplant 185 Metern, knackte das Bauwerk die 200er-Marke. Foto: Wolfgang Eilmes
  • One, der Neue: Hohen Zuwachs bekommt das Europaviertel zwischen Messe und Skyline Plaza. Foto: CA Immo
  • Trianon, kantig: Grundriss und Türme haben die Form von gleichseitigen Dreiecken, auf dem Dach thront eine umgedrehte Pyramide. Foto: DekaBank
  • Omniturm, markant: Der „Hüftschwung“ in der Fassade ist ein echter Blickfang. Foto: Helmut Fricke
  • EZB, der Ausreißer: Im Frankfurter Ostend standen zuvor keine Hochhäuser. Seit 2014 aber eines der nun berühmtesten. Foto: AP
  • Grandtower, luxuriös: Wer hier einziehen möchte, muss liquide sein. Foto: Lucas Bäuml
  • Opernturm, der Weiße: Architekt Christoph Mäckler hat mit mehreren Hochhäusern die Skyline geprägt. Foto: Ricardo Wiesinger
  • Taunus Turm, lange Vorgeschichte: Unter anderem wegen der Immobilienkrise bedurfte es drei Planungsanläufe für dieses Hochhaus. Foto: Fabian Fiechter
  • Silver Tower, Klassiker: Das Bauwerk im Bahnhofsviertel war einer der frühen Wolkenkratzer Frankfurts. Foto: Stefanie Silber
  • Westend Gate, exklusiv: Im Hotel des Turms gastieren schon seit Jahren wichtige Gäste der Stadt. Foto: Helmut Fricke
  • Deutsche Bank Türme, die Zwillinge: Das wohl am meisten fotografierte Motiv der Skyline. Foto: Daniel Vogl
  • Marienturm, ausgezeichnet: Die Architekten wurden bereits mit mehreren Preisen belohnt. Foto: dpa
  • Skyper, Alt und Neu: Zum Gebäudeensemble gehört auch eine denkmalgeschützte Villa aus dem Jahre 1915. Foto: Victor Hedwig

Das Areal, zwischen dem ehemaligen Güterbahnhof und der Messe wird aber noch auf Jahre eine Baustelle bleiben. Denn voraussichtlich 2021 folgen die beiden Büroturme One und The Spin sowie der nächste Luxuswohnturm namens Eden. Wenig entfernt werden auch an der Europa-Allee neue Bauten in die Höhe gezogen. In den kommenden Jahren wird die Straße unter anderem mit dem Porsche Design Tower sowie einem neuen Turm der Deutschen Bahn gesäumt sein. Lediglich einen Steinwurf entfernt baut bis voraussichtlich 2024 die Gustav-Zech-Stiftung ein neues Hochhaus am südlichen Messeeingang. Auf einen Namen des Bauwerks, der, wie bei Pendants in den vergangenen Jahren üblich, meist Anglizismen oder Wortspiele enthält, hat sich die Stiftung bislang nicht festgelegt.

Am deutlichsten wandeln wird sich das Bild der Skyline jedoch mit dem Projekt Four – ein niederländischer Investor errichtet mitten im Bankenviertel, also im Herzen der Skyline, ein Ensemble aus vier zusammenhängenden Hochhäusern mit bis zu 228 Metern Höhe. Die Baugrube an der Junghofstraße ist bereits ausgehoben, es dürfte das größte Bauprojekt der Stadt seit dem Commerzbank Tower sein. Ein ähnlich großen Wurf ist auf dem Gelände des Alten Polizeipräsidiums in der Nähe des Hauptbahnhofs zu erwarten. Über Jahre lag das Areal im Dornröschenschlaf, bis es schließlich 2018 für 212 Millionen Euro an einen Düsseldorfer Investor veräußert wurde. Dass die Skyline dort um ein weiteres Hochhaus-Wahrzeichen ergänzt werden wird, gilt nicht zuletzt aufgrund des hohen Kaufpreises als beinahe sicher. Auf die Entwürfe darf man gespannt sein.

M anche Spuren der Vergangenheit würde die Stadt am liebsten loswerden. Kaum noch denkbar sind heutzutage wüste Betonklötze wie das Commerzbank Trading Centre in der Nähe des Hauptbahnhofs. Kein Wunder, dass in Kürze das gesamte Quartier umgestaltet wird und ein neuer Wolkenkratzer auf dem Plan steht: Der 140 Meter hohe Grand Central Tower, den voraussichtlich die Deutsche Bahn beziehen wird. Bereits 2014 gesprengt wurde ein anderer Beton-Riese, der AfE-Turm auf dem Gelände des Campus Bockenheim. Noch heute trauern ehemalige Studenten dem Bauwerk hinterher, andere sind froh, dass die „Bausünde“ aus dem Stadtbild verschwunden ist.

Sprengung des AfE-Turms auf dem Gelände des Campus Bockenheim Video: F.A.Z.

Auch die eher brachiale Architektur des in die Jahre gekommenen Union Investment-Hochhauses in der Nähe des Mainufers versuchen die Planer heute zu kaschieren. Der Star-Architekt Ole Scheeren baut den knapp hundert Meter hohen Turm so um, dass er 2022 durch viel Glas und Grün ein völlig neues Erscheinungsbild haben wird. Doch auch an der Vergangenheit orientieren sich manche Bauherren, wie zum Beispiel beim Neubau des Henninger Turms in Sachsenhausen. Anstelle einer Brauerei sind hier, wie in vielen anderen Türmen, seit 2017 Luxuswohnungen untergebracht. Die kantige Form und das Silo-Dach aber sind in abgeänderter Form erhalten geblieben.

Statt auf grauen Beton im Quaderform, kleine Fenster und Abgeschlossenheit setzen die Architekten heute vor allem auf lichtdurchflutete Gebäude mit großen Scheiben, offen gestalteten Foren und gestalterische Spielereien wie Rundungen oder schräge Winkel. Viel Beachtung fand etwa der kurz vor der Eröffnung stehende Omniturm, der auf halber Höhe eine spiralförmige Achsenverschiebung aufweist. Durch diesen „Hüftschwung“ liegt die größte Verschiebung mehr als fünf Meter zur Grundlinie versetzt. Das Beispiel zeigt: Den Entwürfen der Hochhäuser der Zukunft scheinen kaum Grenzen gesetzt zu sein. Nur einen Rekord konnte bislang keiner der Frankfurter Wolkenkratzer brechen: Das höchste Bauwerk der Stadt ist seit 1979 immer noch der Frankfurter Fernmeldeturm, der zwar nicht als Haus gilt, mit einer Höhe von 337,5 Metern aber ungeschlagen bleibt.

Frankfurter Skyline bei Nacht Foto: Carlos Bafile

Text: Jan Klauth
Multimedia: Carsten Feig

20.11.2019
Quelle: F.A.Z.

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