Frankfurter Gesundheitsamt

Mehr Sauberkeit in Krankenhäusern gefordert

Von Stefan Toepfer, Frankfurt
21.12.2016
, 14:39
Im Einsatz: Reinigungskräfte sorgen in Kliniken für die so wichtige Sauberkeit.
Das Gesundheitsamt sieht zwar Fortschritte in Kliniken, was die Hygiene angeht. Trotzdem sei dort noch vieles zu verbessern. Genauso wie in Kosmetik- und Nagelstudios.
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Das Gesundheitsamt hat die Kliniken aufgefordert, noch mehr auf Hygiene und Sauberkeit zu achten. Die stellvertretende Amtsleiterin Ursel Heudorf hält es vor allem für nötig, Reinigungskräfte besser zu schulen und ihnen mehr Zeit zu geben, vor allem für das Putzen der Sanitärräume. Außerdem müsse es bessere Absprachen zwischen Pflege- und Reinigungspersonal geben und Regelungen für Wochenenden und Feiertage, sagte Heudorf am Dienstag bei der Vorlage des Berichts „Infektionen, Infektionsprävention und Hygiene 2014/2015“. Sie leitet die Abteilung Infektiologie und Hygiene des Gesundheitsamts.

Die Behörde hatte sich im Jahr 2014 abermals intensiv mit der Flächenreinigung und Desinfektion in allen 17 Frankfurter Kliniken befasst. Bei der Überprüfung kam beispielsweise heraus, dass die von den Krankenhäusern vorgegebene Zeit für die Reinigung von Patientenzimmern meist mit der tatsächlich darauf verwendeten Zeit übereinstimmte – außer in vier Kliniken, wo die Leistung teils deutlich hinter den Vorgaben zurückblieb. Bei den Nasszellen hingegen wurden dem Bericht zufolge „in allen Kliniken die vorgegebenen Reinigungsleistungen deutlich unterschritten“ – mit einer Ausnahme, in der allerdings die vorgegebene Zeit viel kürzer war als in allen anderen Häusern.

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Imageschaden durch Schmutz

Wie Heudorf schilderte, wurden zum Beispiel Waschbecken sofort nach der Desinfektion mit Wasser ausgespült, so dass das Mittel nicht wirken konnte, oder es wurde die vorgegebene Reihenfolge nicht eingehalten und die Toilette deswegen nicht als Letztes gereinigt.

Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) sagte: „Wir haben diese Informationen den Kliniken zur Verfügung gestellt, um Konsequenzen daraus zu ziehen.“ Dies sei nach 2014 auch geschehen. Heudorf zufolge haben 60 Prozent der Krankenhäuser einen Hygiene-Check mit einem fluoreszierenden Mittel eingeführt, den auch das Gesundheitsamt bei seiner Überprüfung angewendet hatte. Andere hätten auf andere Weise die Kontrolle verschärft und Mitarbeiter fortgebildet. Gleichwohl hält Heudorf weitere Verbesserungen für nötig und wirbt für eine „Qualitätsoffensive Reinigung und Flächenaufbereitung“ sowie für die Einführung einer „Fachkraft für Krankenhausreinigung“.

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Die Hygiene in einem Krankenhaus sei „so gut wie das schwächste Glied in der Kette“. So müssten die Reinigungskräfte besser geschult werden und ausreichend Zeit für ihre Arbeit haben. Der Bericht warnt, eine mangelhafte Reinigung könne nicht nur das Risiko für eine Krankenhausinfektion und eine „Kolonisierung mit multiresistenten Erregern“ erhöhen. Eine weitere negative Konsequenz sei beispielsweise ein Imageschaden durch augenscheinlichen Schmutz.

Nicht entsprechend ausgestattet

Der Bericht nennt Untersuchungen, denen zufolge die Belastung mit Keimen und multiresistenten Erregern dank einer besseren Reinigung abnahm. Eine englische Studie in einer Klinik habe gezeigt, dass die Zahl von Infektionen signifikant abgenommen habe, nachdem mehr Reinigungskräfte eingestellt worden seien. Das habe der Klinik trotz höherer Personalausgaben eine Nettoersparnis von geschätzt 30 000 bis 70 000 Pfund eingebracht.

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Doch nicht nur mit der Hygiene in Kliniken und Arztpraxen hat sich das Gesundheitsamt befasst, sondern auch mit jener in Kosmetik- und Nagelstudios. Hier halten Majer und Heudorf Verbesserungen für dringend geboten. Als Beispiel führte Heudorf an, dass im Vergleich von 2014/2015 zu früheren Jahren die Zahl der Studios mit einem Reinigungs- und Desinfektionsplan abgenommen habe. Der Bericht hält außerdem fest, dass mehrere Einrichtungen, die Instrumente sterilisieren müssen, weil sie medizinische Fußpflege oder ein sogenanntes Permament-Make-up anbieten, nicht entsprechend ausgestattet waren. So habe ein Sterilisator gefehlt, Sterilgut sei teils nicht sachgerecht verpackt gewesen, und vorhandene Sterilisatoren seien nicht mikrobiologisch getestet worden.

Mit Blick auf einen häufigen Personalwechsel gerade in Nagelstudios und die Tatsache, dass man für eine Tätigkeit dort keine Ausbildung brauche, forderte Heudorf ein Mindestmaß an verpflichtender Hygiene-Ausbildung.

Infektionskrankheiten, Hygiene, Wasserqualität

Der Bericht für die Jahre 2014 und 2015 fasst auch die Gesundheitsdaten von Flüchtlingen zusammen. Majer erinnerte daran, dass das Gesundheitsamt besonders seit dem Herbst 2015 stark gefordert gewesen sei, weil es Sprechstunden und Impfprogramme organisiert habe und vermehrt Untersuchungen angefallen seien, besonders auf Tuberkulose. Zum Beispiel litt den von 2010 bis 2015 durchgeführten Untersuchungen zufolge fast ein Prozent der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge an Tuberkulose. Mehr als 20 Prozent waren mit den Tuberkulose-Bakterien infiziert, ohne erkrankt zu sein.

Dem Gesundheitsamt liegen auch Daten zur Häufigkeit multiresistenter Erreger bei Flüchtlingen vor. Im Vergleich zur Bevölkerung in Deutschland sind Asylsuchende öfter Träger solcher Erreger. Erhoben wurde dies bei Flüchtlingen, die ins Krankenhaus mussten. Die Erreger wurden in den Kliniken offenbar nicht weiterverbreitet.

Der Bericht widmet sich außerdem meldepflichtigen Infektionskrankheiten und der Hygiene in Pflegeheimen, der Wasserqualität und der Kooperation von Gesundheitsämtern im Rhein-Main-Gebiet zur Bekämpfung multiresistenter Erreger. Zu finden ist er auf der Internetseite www.gesundheitsamt.stadt-frankfurt.de.

Quelle: F.A.Z.
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