Land schreibt Senioren an

Hessen vorn bei Corona-Impfungen pro Kopf

Von Thorsten Winter
05.01.2021
, 17:56
Abermals stehen für Hessen nur dreistellige neue Corona-Fälle zu Buche. Das RKI verweist aber auf Meldeverzug und weniger Tests. Die Gruppe der über 80 Jahre alten Hessen bekommt Post. Tausende Freiwillige wollen Impfhelfer werden.

In Hessen gehen die Corona-Impfungen stoßweise voran. Bis Dienstagmorgen haben 37.795 Menschen die erste Dosis erhalten, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet. Diese Zahlen gelten für die Tage seit Beginn der Impfkampagne. Zum Dienstag kamen demnach 4390 Geimpfte hinzu. Die Daten könnten allerdings auch Nachmeldungen enthalten und spiegelten nicht die Menge der an einem Tag tatsächlich Geimpften wider, erläuterte das RKI. Gleichwohl haben bisher nur in Bayern und Nordrhein-Westfalen mehr Menschen eine Spritze gegen Corona erhalten als in Hessen. Bayern kommt bisher auf 77.876, Nordrhein-Westfalen auf fast 62.700. Für Rheinland-Pfalz stehen insgesamt knapp 9900 Impfungen zu Buche.

Auf die jeweilige Bevölkerungsstärke umgerechnet, liegt Hessen unter den westlichen Flächenländern knapp vorn. Bisher sind 0,6 Prozent der Hessinnen und Hessen geimpft, Bayern kommt auf eine minimal geringere Quote, Nordrhein-Westfalen auf 0,3, ebenso Baden-Württemberg. Gut 0,2 Prozent der Rheinland-Pfälzer haben eine Spritze bekommen. Im Osten der Republik liegt die Quote in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern dagegen leicht über der hessischen.

Neue Fälle unter Vorbehalt

Derweil gilt: Corona-Zahlen ändern sich auf vergleichsweise niedrigem Niveau von Tag zu Tag. Eines aber ist seit mehreren Tagen unverändert: Wer die Internetseite des Robert-Koch-Instituts aufruft, um etwa nach den Covid-19-Daten für Hessen suchen, stößt zunächst auf ein Pop-up. Darin erläutert das für die Seuchenbekämpfung federführende Bundesinstitut, bei der Interpretation der Fallzahlen sei zu beachten, dass zwischen den Jahren meist weniger Personen einen Arzt aufsuchten. In der Folge würden weniger Proben genommen als vor Weihnachten und weniger im Labor ausgewertet. So gingen den jeweils zuständigen Gesundheitsämter weniger Erregernachweise zu. „Zum anderen kann es sein, dass nicht alle Gesundheitsämter und zuständigen Landesbehörden an allen Tagen an das RKI übermitteln.“

Mit anderen Worten: Die Zahlen der verzeichneten neuen positiven Corona-Tests steht nach wie vor unter Vorbehalt. Das RKI hat über Nacht 641 zusätzliche Corona-Fälle registriert. Vor einer Woche waren es 400 gewesen, aber da galten auch schon der eingangs erwähnten Einschränkungen. Davon naturgemäß nicht betroffen sind die Daten zu den Todesfällen in Verbindung mit der Pandemie: Sie hängen nicht an den Tests um die Feiertage und zwischen den Jahren. 104 weitere Menschen, die an oder mit Covid-19 verstorben sind, haben die hessischen Behörden seit Montag gemeldet, 33 mehr als vor Wochenfrist.

Gut 120.000 Fälle seit Anfang Oktober

Das ist der dritthöchste Wert bisher. Der Tageshöchststand beträgt 134 und war an Silvester berichtet worden. Auch bei der Bewertung dieser Zahl gilt natürlich ein gewisser Vorbehalt wegen möglichen Meldeverzugs.

Dagegen liegen die neuen Fälle weit unter dem höchsten Tageswert von 3224. Alles in allem haben die hessischen Gesundheitsämter dem RKI seit Beginn der Pandemie im März 141.012 positive Tests gemeldet und 3095 Covid-Tote. Bis 1. Oktober waren nur gut 19.000 Fälle und 551 Todesfälle bekannt gewesen. Dies zeigt die Dynamik des Infektionsgeschehens und der damit verbundenen tragischen Verläufe seit Herbst.

Gleichwohl haben mehrere Landkreise die nächtlichen Ausgangssperren wieder aufgehoben. Dies geschah trotz des Vorbehalts wegen Meldeverzugs und weniger Tests im Lichte der gesunkenen Inzidenz, das sind die binnen Wochenfrist gemeldeten neuen Fälle unter 100.000 Einwohnern, wie es jeweils hieß. Für Hessen steht eine Inzidenz von gut 133 zu Buche. Auf der schwarzen Stufe, die unter gewissen Bedingungen die Ausgangssperren und ganztägige nächtliche Alkoholverbote bedingt, liegen nur noch die mittelhessischen Landkreise Gießen und Limburg-Weilburg mit einem Kennwert von jeweils rund 260.

Virusausbruch in Altenheim

Im Landkreis Gießen gibt es einen weiteren Ausbruch des Coronavirus in einem Altenheim. Von den 98 infizierten Bewohnern des Pflegeheims seien inzwischen 13 verstorben und sechs stationär aufgenommen worden. Die Stadt Darmstadt sowie Wiesbaden, der Lahn-Dill-Kreis, der Hochtaunus und der Main-Taunus liegen jeweils unter 100; Gleiches gilt für Mainz. Frankfurt kommt auf 116, Offenbach, lange Zeit ein Hotspot, auf 151.

Derweil werden weitere Senioren und Angehörige des Gesundheitssektors in Hessen geimpft. Derzeit sind die Impftrupps in Kliniken und Altenheimen unterwegs. Senioren über 80 Jahre können sich vom dem 12. Januar online sowie per Telefonhotline für einen persönlichen Termin in den Regionalen Impfzentren anmelden. Hessen will diese Senioren aber auch schriftlich über das Anmeldeverfahren für eine Corona-Schutzimpfung informieren. Innenminister Peter Beuth (CDU) und Sozialminister Kai Klose (Die Grünen) kündigten am Dienstag in Wiesbaden an, dass es auch ein Erfassungsverfahren für häusliche Impftermine geben solle.

Tausende freiwillige Impfhelfer

„Es wird aufgrund der geringen Impfmengen noch einige Wochen in Anspruch nehmen, bis Hausbesuche durch mobile Impfteams in Hessen landesweit erfolgen können“, teilten die Minister mit. Die Impfungen werden am 19. Januar an in den sechs Regionalen Impfzentren Kassel, Gießen, Fulda, Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt beginnen.

Tausende Ärzte und andere medizinische Fachkräfte haben sich bislang auf Aufrufe gemeldet, in den hessischen Corona-Impfzentren mit anzupacken. Das Echo sei „überwältigend“, sagte der Präsident der Landesärztekammer Hessen, Edgar Pinkowski, am Dienstag laut Mitteilung. Bis zum 4. Januar hätten sich rund 3000 Ärzte, 600 medizinische Fachangestellte, 190 Studierende und 220 weitere Helfer gemeldet. Nach Prüfung der Angaben etwa zur Qualifikation konnten demnach bisher insgesamt mehr als 1800 Personen an die Impfzentren gemeldet werden.

Wann die schwarze Stufe greift

Die Stufe „Schwarz“ greift grundsätzlich bei einem „diffusen Infektionsgeschehen“, das nicht auf einen überschaubaren und begrenzten Ausbruchsherd beschränkt sei. Und: „Wenn eine Region die Inzidenz von über 200 erreicht und diese drei Tage in Folge weiterbesteht, dann ist zum Beispiel eine nächtliche Ausgangssperre für die Zeit zwischen 21 Uhr und 5 Uhr früh zu verhängen. Das Verlassen der eigenen Wohnung ist während dieser Zeit nur aus gewichtigen Gründen zuzulassen wie beispielsweise berufliche oder medizinische Erfordernisse“, erläuterte Staatssekretärin Anne Janz.

Die Erklärung von Janz zu den neuen Vorgaben findet sich hier. Das hessische Sozialministerium veröffentlicht täglich eine Übersicht der Corona-Entwicklung, aufgeschlüsselt nach Kreisen und kreisfreien Städten. Es bezieht sich dabei auf Zahlen des RKI. In den ersten Wochen der Pandemie berücksichtigte es auch Daten des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts im Gesundheitswesen beim Regierungspräsidium Gießen, dem die Gesundheitsämter die jeweils neuen Fälle melden müssen. Um Einheitlichkeit herzustellen, nimmt das Ministerium nun nur noch die RKI-Angaben.

Aus Frankfurter Sicht ist grundsätzlich wichtig: Die am Flughafen genommenen positiven Tests werden nicht der Stadt zugeordnet. Vielmehr schlagen sie sich nach Angaben des Sozialministeriums in der Statistik des Gesundheitsamts nieder, das etwa für den jeweiligen Reiserückkehrer zuständig ist. Das kann auch das Frankfurter Amt sein oder ein anderes in Hessen, aber eben auch eine Behörde in einem anderen Bundesland.

Das hessische Sozialministerium veröffentlicht täglich eine Übersicht der Corona-Entwicklung, aufgeschlüsselt nach Kreisen und kreisfreien Städten. Es bezieht sich dabei auf Zahlen des RKI. In den ersten Wochen der Pandemie berücksichtigte es auch Daten des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts im Gesundheitswesen beim Regierungspräsidium Gießen, dem die Gesundheitsämter die jeweils neuen Fälle melden müssen. Um Einheitlichkeit herzustellen, nimmt das Ministerium nun nur noch die RKI-Angaben.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Winter, Thorsten (thwi)
Thorsten Winter
Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.
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