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Sanierung von Hochschulen

Noch nicht wasserdicht

EIN KOMMENTAR Von Sascha Zoske
 - 12:15

Ist der Hörsaal halb voll oder halb leer? Je nach Stimmungslage wird der Professor die Frage so oder so beantworten. Ebenfalls von der persönlichen Perspektive hängt es ab, ob man die hessischen Hochschulen für gut oder schlecht ausgestattet hält. Ein angehender Ökonom, der im schicken House of Finance der Uni Frankfurt Seminare besucht, wird eine andere Sicht auf die Dinge haben als ein Darmstädter Architekturstudent, dem gerade Regenwasser von der undichten Institutsdecke auf sein Modell getropft ist.

Für Pessimisten wie für Optimisten liefert die Antwort von Boris Rhein auf eine SPD-Anfrage im Landtag Argumentationshilfen. Dass in den Universitäten, Fach- und Kunsthochschulen des Landes baulich noch manches im Argen liegt, gibt der Wissenschaftsminister selbst zu. Nicht nur an der TU Darmstadt, deren Studenten besonders lautstark protestieren, sind die Folgen jahrzehntelanger Vernachlässigung immer noch zu besichtigen. Vor allem an den Universitäten ist zudem die Betreuungsrelation beklagenswert schlecht: Der Zuwachs an Lehrpersonal hat mit dem steilen Anstieg der Studentenzahlen nicht Schritt gehalten.

Den Weg weiterverfolgen

Andererseits sollten auch Schwarzseher zugeben, dass sich vieles zum Besseren gewendet hat. Der neue Frankfurter Uni-Campus im Westend ist nur der augenfälligste Beweis für die Wertschätzung, die das Land seinen akademischen Bildungsstätten seit der Jahrtausendwende entgegenbringt. Auch andernorts wurde viel investiert, und die beiden Kunsthochschulen dürfen sich sogar auf Komplett-Neubauten freuen.

Diesen Weg muss die künftige Landesregierung weitergehen, und der Koalitionsvertrag zwischen CDU und Grünen legt nahe, dass die beiden Parteien das begriffen haben. Allerdings darf man gespannt sein, wie sich die bekundete Wertschätzung für Bildung und Forschung materialisiert, wenn die Konjunktur abflaut und die Steuereinnahmen nicht mehr so kräftig sprudeln – mit voller Kasse ist leicht bauen. Gerade in schlechteren Zeiten braucht es einen starken Wissenschaftsminister, der seinem Ressort Respekt und Geld verschafft.

Hoffentlich wächst Angela Dorn von den Grünen als Nachfolgerin von Boris Rhein rasch in diese Rolle hinein. Gerade linke Parteien haben es bejubelt, dass immer mehr Schüler das Abitur erwerben und studieren. Deshalb sind Politiker dieser Richtung auch besonders in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass die Hörsäle groß genug sind und es nicht durch die Decke tropft.

Quelle: F.A.Z.
Sascha Zoske
Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.
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