Ukrainische Flüchtlinge

Berufsberatung mit Dolmetscher

Von Marie Lisa Kehler
13.06.2022
, 05:48
Den ukrainischen Flüchtlingen steht der deutsche Arbeitsmarkt offen. (Symbolbild)
Flüchtlingen aus der Ukraine steht der deutsche Arbeitsmarkt offen. Weil die Anerkennung der Zeugnisse nicht immer einfach ist und individuelle Unterstützung gefragt ist, haben die Jobcenter die Betreuung übernommen.
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Menschen aus der Ukraine, die seit dem Ausbruch des Krieges in ihrer Heimat nach Frankfurt geflohen sind, werden seit dem 1. Juni durch das Jobcenter betreut. Statt wie bisher Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz zu erhalten, können sie Grundsicherung be­antragen. Dafür müssen allerdings einige Voraussetzungen, etwa die zweifelsfreie Klärung der Identität, erfüllt werden. Außer etwa 80 Euro mehr, die den Flüchtlingen durch den Wechsel zur Verfügung stehen, werden sie außerdem in die gesetzliche Krankenkasse aufgenommen. Den eigentlichen Vorteil aber sieht Claudia Czernohorsky-Grüneberg, Ge­schäftsführerin des Jobcenters Frankfurt, in einem anderen Punkt: Den Menschen aus der Ukraine wird nun eine möglichst individuelle Unterstützung bei dem Eintritt in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt angeboten.

So soll beispielsweise in einem Erstgespräch geklärt werden, welche Qualifikation die Ukrainerinnen und Ukrainer mit­bringen und welche Unterstützung sie benötigen, um schnellstmöglich auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen zu können. Einmal gehe es darum, bei der Anerkennung von Schul- und Berufsabschlüssen zu un­terstützen, ein anderes Mal seien Weiterbildungsangebote gefragt. „Das Aufnahmeprofiling ist wichtig, damit wir gut be­raten können“, sagt Czernohorsky-Grüneberg.

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Während der Antrag auf Grund­sicherung online gestellt werden kann, findet die Beratung im persönlichen Ge­spräch statt. Dafür seien schon vor Wo­chen erste Einladungen an jene Menschen verschickt worden, die formal alle Voraussetzungen für den Wechsel in die Grundsicherung erfüllen, berichtet Czernohorsky-Grüneberg. Darüber hinaus wur­den für die Onlineanträge zweisprachige Arbeitsunterlagen erstellt. Zudem wurde die Homepage komplett überar­beitet und um einen „Ukraine-Bereich“ ergänzt. Etwa 20 Dolmetscher unterstützen die Mitarbeiter bei ihrer Arbeit und während der Beratungssituationen.

Supervisionsangebote für Mitarbeiter des Jobcenters

Die Frankfurter Jobcenter haben in den vergangenen Wochen schon mehr als 4500 Bedarfsgemeinschaften identifiziert, die die Voraussetzungen erfüllen, die Leistungen zu beziehen. „Wir haben frühzeitig Vorkehrungen getroffen, um einen reibungslosen Übergang der ukrainischen Geflüchteten ins SGB II zu ge­stalten und arbeiten eng mit den Ausländerbehörden, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und dem Jugend- und Sozialamt zusammen“, sagt die Ge­schäftsführerin. Dass die Mitarbeiter des Jobcenters in Frankfurt extreme Belastungsspitzen stemmen können, haben sie nach Aussage von Czernohorsky-Grüneberg schon in der Corona-Krise bewiesen.

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Denn in den vergangenen zwei Jahren, als viele Branchen ihre Mitarbeiter entlassen mussten, seien Tausende neue Be­darfsgemeinschaften in das System auf­genommen worden. Einen Unterschied zur Corona-Krise gibt es dennoch: Diesmal erhalten die Mitarbeiter der Jobcenter Supervisionsangebote. Denn die Geschichten und Schicksale, mit denen sie gleich hundertfach in den persönlichen Beratungsgesprächen konfrontiert werden, wir­ken nach.

Gesetzliche Voraussetzung für den Be­zug von SGB II sind die zweifelsfreie Klärung der Identität und der damit ver­bundenen Speicherung der Daten im Aus­länderzentralregister sowie eine so­ge­nannte Fiktionsbescheinigung. Mithilfe dieses of­­fiziellen Dokuments können Ausländer in Deutschland ein vorhandenes vorläufiges Aufenthaltsrechts nachweisen. Viele An­träge zur Ausstellung der Fiktions­bescheinigung seien zwar schon gestellt und bearbeitet worden, nicht alle aber wurden schon ausgestellt.

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Das habe teilweise ganz banale Gründe. So habe es be­sonders in der Anfangszeit deutschlandweit nicht genügend Vor­drucke für die Fiktionsbescheinigungen gegeben, sagt Czernohorsky-Grüneberg. Weil aber oh­ne das offizielle Dokument der komplette Prozess ins Stocken ge­rät und eine schnelle Integration in den Ar­beitsmark womöglich verhindert wird, können die Mitarbeiter der Jobcenter seit Juni auf das Ausländerzentralregister zuzugreifen, um den Be­arbeitungsstatus zu kon­trollieren.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Kehler, Marie-Lisa
Marie Lisa Kehler
Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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