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Standortinitiative

Für Inder ist Frankfurt die beste Adresse

Von Daniel Schleidt, Pune
 - 15:38

Ashok Bildikar kennt Frankfurt. „Sehr gut sogar.“ Als er das sagt, steht der Geschäftsführer des Software-Unternehmens Neeyamo in einem Konferenzraum seines Unternehmens in einem großen IT-Park im Westen der indischen Großstadt Pune und schaut in überraschte Gesichter von 15 Besuchern aus der Rhein-Main-Region. Nicht viele der rund 1,3 Milliarden Einwohner des Subkontinents können schließlich von sich behaupten, die gegenüber indischen Megacitys überschaubare Stadt am Main gut zu kennen. Nun muss aber auch der Manager einschränken: Auf den vielen Reisen, die Bildikar in den vergangenen Jahren unternommen hat, um sein 2009 gegründetes Unternehmen bekannter zu machen, habe er viele Stunden am Frankfurter Flughafen verbracht. Doch das soll sich ändern. Noch in diesem Jahr eröffnet Neeyamo in oder bei Frankfurt seine Deutschland-Vertretung und will dort in den kommenden Jahren zwischen 25 und 100 Mitarbeiter beschäftigen, wie der Geschäftsführer sagt.

Es ist der zweite Tag der Delegationsreise der Frankfurt/Rhein-Main GmbH durch die beiden indischen Metropolen Pune und Mumbai, die heute zu Ende geht. Für die Standortmarketingagentur gehört Indien zu den sieben Ländern, in denen sie besonders intensiv um Unternehmen wirbt. Schon heute ist in der Region rund um Frankfurt mit 8000 Indern die bundesweit größte Community des Landes zu Hause, und dabei soll es nicht bleiben. Während der Reise werben die Unternehmer, Politiker und die Vizepräsidenten zweier Universitäten für den Investitionsstandort Frankfurt.

IT-Lösungen für Personalabteilungen

Der Fall Neeyamo zeigt, wie die Arbeit der regionalen Standortagentur in Indien funktioniert. Vor etwa einem halben Jahr zeigte das Unternehmen, das zu den am schnellsten wachsenden Software-Entwicklern Indiens gehört, Interesse an einem Büro in Deutschland und ging auf die Deutsch-Indische Handelskammer zu. Über das Netzwerk des vor fünf Jahren in Pune eröffneten Indien-Büros der Frankfurt/Rhein-Main GmbH entwickelten sich erste Gespräche. „Dieses Netzwerk haben wir in den vergangenen Jahren aufgebaut“, sagt Disha Shah. Die gebürtige Inderin lebte bis zu ihrem Engagement beim regionalen Standortmarketing einige Jahre lang in Frankfurt, nun ist sie für die Vermittlung indischer Betriebe an den Main verantwortlich. „Die Ansiedlung von Neeyamo zeigt, wie wichtig es ist, mit eigenen Leuten vor Ort vertreten zu sein“, sagt Frankfurt/Rhein-Main-Geschäftsführer Eric Menges. Er und Bildikar unterzeichnen am Dienstag eine Absichtserklärung, wonach das Neeyamo-Büro im Laufe des Jahres eröffnen soll.

Das Unternehmen bietet IT-Lösungen für Personalabteilungen an, mit Hilfe derer international aufgestellte Unternehmen zum Beispiel die Lohn- und Gehaltsabrechnungen erstellen lassen können. Zuletzt wurde der Industriekonzern Siemens als Kunde gewonnen, berichtet Bildikar. Neeyamo befindet sich künftig in guter Gesellschaft. Von den rund 260 indischen Unternehmen, die derzeit in Deutschland eigene Niederlassungen betreiben, sind Zahlen der regionalen Standortagentur zufolge 140 in Frankfurt und Umland angesiedelt – darunter die Icici-Bank (Eschborn) und die State Bank of India, Pharma-Betriebe wie Bilcare und Evolvus (alle Frankfurt) sowie neun der 20 größten IT-Konzerne des Landes.

Zentrale Lage und gute Erreichbarkeit

Ashok Bildikar sagt, vor allem die zentrale Lage der Stadt und ihre gute Erreichbarkeit hätten den Ausschlag gegeben, sich nicht in unmittelbarer Nähe zum Großkunden Siemens in München, sondern in Frankfurt niederzulassen. Von dort aus könne man auch schneller zum Kooperationspartner SAP nahe Heidelberg reisen. Die gute Verkehrsanbindung sei in den Bemühungen der Werber für Frankfurt und Rhein-Main grundsätzlich ein zentrales Argument, sagt Büroleiterin Disha Shah. Aber auch die Internationalität Frankfurts und die persönliche Ansprache durch die Mitarbeiter in Indien würden helfen, Betriebe an den Main zu locken. Und nicht zuletzt sorgten die Erfahrungen der dort bereits angesiedelten Unternehmen für einen Magneteffekt. „Standorte, an denen bereits viele indische Firmen sind, haben bei der Neu-Akquise einen Vorteil.“

In den vergangenen fünf Jahren gelang es den zwei Mitarbeitern in dem Büro in Pune, 20 indische Betriebe für Rhein-Main zu gewinnen, berichtet Disha Shah. Ein Beispiel ist der Entwickler von Sicherheitssystemen Godrej and Boyce, der jüngst zusagte, nach Offenbach zu gehen.

Zwar ist man dort zunächst mit einer kleinen Einheiten vertreten. Was sich daraus entwickeln kann, zeigt die Feier anlässlich des fünfjährigen Bestehens der Rhein-Main-Dependance in Pune. Unter den 80 hochrangigen Wirtschaftsvertretern aus Pune und dem 150 Kilometer entfernt gelegenen Mumbai waren unter anderem Führungskräfte der Samvardhana Motherson Group, die als einer der größten Autozulieferer weltweit zum Beispiel Spiegel und Cockpits herstellt und deutschlandweit rund 9000 Mitarbeiter beschäftigt. Den europaweiten Vertrieb sowie Themen wie Marketing, IT, Recht und Finanzen steuert der Konzern von Bruchköbel aus, wo eine dreistellige Zahl von Angestellten für die Inder arbeitet. Der Generika-Hersteller Micro Labs, der 2014 mit einer Person in Frankfurt begann, erwirtschaftet mittlerweile mit 16 Beschäftigten in Deutschland rund 35 Millionen Euro.

Campus des Unternehmens ist gigantisch

In welchen Dimensionen sich manche Konzerne Indiens bewegen, erlebt die Delegation am Nachmittag beim Besuch des IT-Dienstleisters Infosys. 200.000 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen weltweit, davon 200 im Frankfurter Opernturm. In der Region hat das nach Tata Consultancy zweitgrößte IT-Unternehmen Indiens unter anderem die Deutsche Bank, die Commerzbank, Merck und Fresenius als Kunden.

Der Campus des Unternehmens ist gigantisch. Hier arbeiten rund 40.000 Menschen, auf 4000 Quadratmetern gibt es mehrere Fußballfelder und andere Sportanlagen, eine eigene Universität, Gästehäuser und eine Klinik. Seit 1999 ist Infosys bereits in Frankfurt vertreten, berichtet Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Er zeigt sich beeindruckt von der Arbeitsweise auf dem Campus in Pune und pflanzt dort als Gastgeschenk neben einem 2000 Sitzplätze fassenden Amphitheater einen Trompetenbaum.

Dass Feldmann und den übrigen Hessen in Indien viel Wertschätzung entgegengebracht wird, zeigt sich auch im Anschluss an den symbolischen Akt. Den im Programm angekündigten Besuch in der Firmenkantine verlegen die Infosys-Manager kurzerhand in einen Raum auf der Vorstandsetage. Auch bei Neeyamo stößt der Besuch der Frankfurter Delegation auf Interesse. Dort wird die Schiffsglocke in den etwa 200 Arbeitsplätze umfassenden Großraumbüros nur zu besonderen Anlässen geläutet. Am Dienstag greift ein Neeyamo-Manager beherzt zu. Der folgende Applaus für die Delegation sorgt allenthalben für Freude.

Quelle: F.A.Z.
Daniel Schleidt
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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