Internetknoten in Frankfurt

Datenflut verlangt nach neuen Rechnern

Von Thorsten Winter, Frankfurt
18.02.2016
, 17:05
Zuwachs: Das britische Unternehmen Zenium ist einer der neuen Spieler auf dem weiter florierenden Frankfurter Markt für Rechenzentren.
Seit Jahren schon boomt die Rechenzentrums-Branche in Frankfurt. Ein Ende der Nachfrage nach Flächen für Hochleistungsrechner ist nicht in Sicht - zumal nun Mittelständler die Cloud entdecken.
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Da stehen sie gemütlich beisammen, die Herren Konkurrenten, und plaudern angeregt miteinander. Wer nicht redet, gönnt sich ein Häppchen oder nippt am Espresso. Nicht selten wird gelacht am diesem Nachmittag in der „Networking-Pause“ im Konferenzraum des Internetknotenbetreibers De-Cix im Frankfurter Ostend. Sonderlich angespannt scheint das Konkurrenzverhältnis in Deutschlands Internethauptstadt unter den Anbietern von Flächen für Hochleistungsrechner wohl nicht zu sein? Béla Waldhauser schüttelt den Kopf. Er führt die Geschäfte von Telehouse an der Kleyerstraße im Gallus, einem aus der Riege der großen Rechenzentrums-Betreiber.

An diesem Tag trift er zum Beispiel auf Donald Badoux vom Branchenriesen Equinix, beide sitzen auf dem Podium einträchtig nebeneinander. Auch Frank Zachmann von Interxion ist da, jenem Unternehmen, das an der Hanauer Landstraße eine namhafte Zahl der De-Cix-Rechner beherbergt. Ihnen allen ist eines gemeinsam, was andere Manager gerne von sich behaupten würden: Sie können sich vor Aufträgen und Nachfrage kaum retten. Interxion baut seinen Campus im Ostend Schritt für Schritt aus, Equinix investiert in seine Rechenzentren in Griesheim und Bergen-Enkheim, Tausende Quadratmeter für Rechner kommen jeweils hinzu. Waldhauser steht Gewehr bei Fuß. Das ist auch kein Wunder.

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Das Kartellamt mischt sich ein

„Das Rechenzentrumsgeschäft wächst schon seit zwei Jahrzehnten mit einem zweistelligen Plus“, stellt Gerd Simon fest und fragt: „Welche Industrie kann das von sich behaupten?“ Simon berät Firmen aus dieser Boom-Branche. Das bedingt einen guten Überblick. So sagt Simon: Ein Viertel der bundesweit 1,9 Millionen Quadratmeter Rechenzentrumsflächen befindet sich in Hessen - und die große Mehrzahl davon in Frankfurt, wo es 35 Anbieter gibt. Die Hälfte der großen Rechenzentren in Deutschland steht am Main. Nachzulesen ist dies in einer Studie des Borderstep-Instituts aus Berlin.

Derzeit wandelt sich die Branche. So hat sich im vergangenen Jahr das junge britische Unternehmen Zenium in Frankfurt-Sossenheim angesiedelt. Umgekehrt geht der britische Konzern Telecity nach seiner Übernahme durch Equinix in dem amerikanischen Unternehmen auf. In der Folge bieten sich auch Chancen für andere Anbieter, denn Equinix muss sich von einem Rechenzentrum in Frankfurt trennen. So will es das Kartellamt, wie es heißt. Nun kommt dasjenige von Telecity in Niederrad auf den Markt. Wer es übernehmen wird, muss sich weisen.

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Neue Gerüchte um ein Rechenzentrum

Dessen ungeachtet sieht Simon ebenso wie Telehouse-Chef Waldhauser die Riege der Anbieter tendenziell kleiner werden. Konsolidierung heißt das im Wirtschaftsjargon. Der Berater verweist zur Begründung auf Holland. Dort sitzt in Gestalt des Internetknotens Amsix in Amsterdam nicht nur der wichtigste Konkurrent des De-Cix, sondern auch so manches „Mega-Rechenzentrum“. Der deutsche Markt sei dagegen kleinteilig, sagt Simon. Nach dieser Sicht der Dinge bieten sich weitere Übernahmen an.

So stellt sich unter anderem Simon die Frage, was aus Interxion werde - schließlich wollte dieses Unternehmen sich Telecity einverleiben, bevor Equinix die Telecity-Aktionäre mit einem höheren Angebot auf seine Seite zog. Bei Interxion ist derweil zu hören, man sei auch allein stark genug und wachse weiter. Derweil ranken sich um ein Rechenzentrum im Gewerbegebiet am Martinszehnten neue Gerüchte. Laut Simon mutmaßen Analysten in London, die 2008 von der Großbank Citigroup als „grünes“ Rechenzentrum in Betrieb genommene Immobilie könnte bald auf den Markt kommen. Dieses Rechenzentrum liege „im Dornröschenschlaf“ und biete viele frei Flächen, allerdings auch die Bank als Ankermieter. Als gutes Signal wertet der Berater die Nachricht aus dem Hause des Telekommunikationsanbieters Versatel, mehrere Millionen Euro in den Ausbau der Glasfaser-Infrastruktur in Gewerbegebieten zu investieren. Der Ausbau soll einen Datenfluss von 100 Gigabit je Sekunde ermöglichen - also schnelles Internet.

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Chinesen drängen auf den Markt

Der Ausbau der Glasfaser-Infrastruktur erscheint auch dringend geboten. Denn wie verschiedene Vertreter der Rechenzentrums-Branche sagen, hält der Zuzug nach Frankfurt unvermindert an. Zwar lasten die Stromkosten, die hierzulande doppelt so hoch sind wie etwa in Holland und Frankreich, auf dem Geschäft. Andererseits punktet Frankfurt mit der sicheren Stromversorgung, der Rechtssicherheit und dem Datenschutz. Zu den Treibern des Geschäft gehören, wie etwa Simon und Badoux sagen, Anbieter von Cloud Computing, die über das Internet Rechnerkapazitäten und Software anbieten. Die meiste Nachfrage komme weiter von amerikanischen Firmen, doch drängten auch Chinesen und andere Asiaten auf den Markt. „Da passiert sehr viel“, sagt Andreas Weiß vom Verein Eurocloud Deutschland. Das Internet der Dinge, in dem Geräte mit Geräten kommunizieren, sorgt laut Badoux ebenso für weiteren Datenverkehr wie so mancher Online-Bezahldienst.

Und nun entdeckt auch der Mittelstand die Cloud, wie der Equinix-Chef sagt, und lagert Daten aus. Und zwar auch, weil es auf die Dauer schlicht zu teuer wird, das eigene Rechenzentrum auf dem neuesten Stand zu halten. Daraus folgen weitere gute Aussichten für die Rechenzentren, gilt der Mittelstand doch als Rückgrat der Wirtschaft.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Winter, Thorsten (thwi)
Thorsten Winter
Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.
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