FAZ plus ArtikelKatholikin im Interview

„Es darf nicht wieder dieses Vertrösten geben“

Von Tobias Rösmann
27.01.2020
, 12:32
„Brauchen bis 2030 eine Perspektive“: Daniela Marschall-Kehrel will den Pflichtzölibat abgeschafft sehen.
Daniela Marschall-Kehrel hat hohe Erwartungen an den Synodalen Weg: Im Interview formuliert die Laienvertreterin der Frankfurter Katholiken ihre Hoffnung auf konkrete Ergebnisse.
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Am Donnerstag beginnt in Frankfurt der Synodale Weg, der die katholische Kirche reformieren soll. Er ist auf zwei Jahre angelegt. Was muss am Ende stehen, damit Sie sich weiter ehrenamtlich engagieren?

Ich kann besser formulieren, was nicht dabei herauskommen darf. Es darf nicht am Ende der Satz stehen: „Schön, dass wir mal drüber geredet haben“ – und dann passiert nichts. Es darf nicht wieder dieses Vertrösten geben. Es gibt ja jetzt schon Bischöfe, die bei ihren Neujahrsempfängen die Erwartungen bremsen.

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Daniela Marschall-Kehrel

Daniela Marschall-Kehrel steht seit 2016 an der Spitze der Stadtversammlung der Frankfurter Katholiken. Die 58 Jahre alte Ärztin setzt sich für eine umfassende Reform der katholischen Kirche ein, ist aber kein Mitglied des Synodalen Wegs. Marschall-Kehrel, die verheiratet ist und zwei erwachsene Töchter hat, will im März nach vier Jahren ehrenamtlicher Arbeit nicht wieder für das zeitaufwendige und kraftraubende Amt kandidieren. Ob sie darüber hinaus im Bundespräsidium für den Ökumenischen Kirchentag 2021 in Frankfurt bleiben kann, steht noch nicht fest. An den Arbeitsgemeinschaften, die zu dem Thema schon tagen, will sie aber weiterhin teilnehmen.

Der Synodale Weg steht für einen auf zwei Jahre angelegten gemeinsamen Prozess. Die katholische Kirche will sich dabei „auf einen Weg der Umkehr und der Erneuerung“ machen wie es in der Präambel der Satzung steht. Die Satzung haben die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) als organisierte Laienvertreter gemeinsam beschlossen. Beide Seiten sehen laut Präambel die Kirche in einer schweren Krise, die vor allem durch den Missbrauchsskandal verursacht worden ist.

Der Synodale Weg ist eine Art Kunstbegriff ohne kirchenrechtliches Fundament – anders als eine Synode. Das Wort „Synode“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet im Wortsinn „Weggemeinschaft“; innerhalb der katholische Kirche bezeichnet er eine Versammlung von Bischöfen beziehungsweise von Geistlichen und Laien. Geplant sind bis Ende 2021 vier mehrtägige Treffen in Frankfurt. Es gibt vier Foren, die sich mit den vier Themen Macht und Gewaltenteilung, priesterliche Existenz heute, die Rolle der Frau sowie Sexualität und Partnerschaft beschäftigen werden. Ursprünglich sollten die Beratungen im Bartholomäus-Dom stattfinden. Weil der Innenraum jedoch gerade renoviert wird, reicht der Platz für das am Donnerstag beginnende erste Treffen nicht. Die 230 Mitglieder der Synodalversammlung weichen deshalb in das Dominikanerkloster aus. Beim nächsten Treffen im September 2020 steht der Dom dann wieder zur Verfügung. Die Wahl des ursprünglichen Tagungsorts hatte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, im vergangenen September unter anderem damit begründet, dass der Frankfurter Bartholomäus-Dom „im Herzen unseres Landes“ liege. Es müsse klarwerden, „dass die Kirche immer mitten in der Welt eine evangelisierende Kirche ist“.

An der ersten Synodalversammlung, die bis Samstagmittag dauert, nehmen 230 Mitglieder teil. Hinzu kommen der Apostolische Nuntius und 25 Beobachter aus verschiedenen Institutionen und dem benachbarten Ausland. Die Versammlung, die presseöffentlich stattfindet, wird von Marx und dem ZdK-Präsidenten Thomas Sternberg geleitet. Zu den 230 Teilnehmern zählen alle Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz, 69 ZdK-Mitglieder, 27 Vertreter der diözesanen Priesterräte, 15 „junge Menschen“ unter 30 Jahre, zehn Ordensvertreter und einige weitere. Auch innerkirchliche Berufsgruppen wie die Pastoral- und Gemeindereferenten entsenden Delegierte. (trö.)

Quelle: F.A.Z.
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