FAZ plus ArtikelJoschka Fischer wird 70

Vom Weltverbesserer zum Weltpolitiker

Von Ralf Euler
11.04.2018
, 20:35
Aufsässig: der Jungrevolutionär 1968 an der Goethe-Universität bei einer Demonstration gegen die Notstandsgesetze
Straßenkämpfer, Außenminister und Namensgeber einer Urschlange: Joschka Fischer wird 70 Jahre alt.

Manche schaffen es vom Tellerwäscher zum Millionär, er hat es vom Taxifahrer zum Bundesaußenminister gebracht: Die Karriere von Joseph Martin Fischer, besser bekannt als Joschka Fischer, nahm ihren Anfang in Frankfurt, wohin es den im baden-württembergischen Gerabronn Geborenen 1968 verschlug. Hier wollte der knapp Zwanzigjährige das Leben studieren, von hier aus strebte er die Weltrevolution an. Fischer engagierte sich in der Studentenbewegung und in der Außerparlamentarischen Opposition, jobbte im Verlag „Neue Kritik“ des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) und in der Buchhandlung „Libresso“ am Opernplatz und besuchte als Gasthörer Vorlesungen von Theodor W. Adorno, Jürgen Habermas und Oskar Negt.

1970 war der Sohn eines nach dem Krieg nach Deutschland übergesiedelten ungarndeutschen Metzgers einer der Mitbegründer der Karl-Marx-Buchhandlung an der Jordanstraße in Bockenheim. Ein Jahr später arbeitete er bei Opel in Rüsselsheim, um die Arbeiter für die „Revolution“ zu gewinnen, weshalb er bereits nach sechs Monaten wieder entlassen wurde. Die nächsten zehn Jahre hielt sich der Möchtegern-Weltverbesserer im Wesentlichen als Taxifahrer finanziell über Wasser. Fischer war in der Nach-Achtundsechziger-Bewegung in Frankfurt weder führender Kopf noch bloßer Mitläufer. Er sei wohl für beide Rollen zu intelligent gewesen, sagen damalige Mitstreiter über ihn.

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Quelle: F.A.Z.
Ralf Euler - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Ralf Euler
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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