Karies bei Kleinkindern

Armes Kind, schlechte Zähne

Von Sarah Kempf, Frankfurt
08.08.2014
, 08:52
Früh übt sich: Auch die Zahnpflege der Milchzähne sei wichtig, selbst wenn diese später ausfallen.
Hessische Kinder unter drei Jahren haben schlechte Zähne. Allerdings sei Karies „kein medizinisches, sondern ein soziales Problem“ - dagegen sollen nun verpflichtende Zahnarzttermine helfen.
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Die Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege in Hessen fordert einen verpflichtenden Zahnarztbesuch für Kleinkinder. Zwar seien Kinderärzte angehalten, die Zähne ihrer Patienten zu überprüfen, sagte Andrea Thumeyer, die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft. „Aber angesichts der vielen Fälle von frühkindlicher Karies muss man sich fragen, wo die Kinderärzte hingeschaut haben“, sagte sie. Der Zahnarzt-Besuch solle in die Liste der gesetzlich vorgeschriebenen Arzt-Termine („U-Untersuchungen“) aufgenommen werden. Frühe Zahnpflege und -untersuchung seien entscheidend. „Wer gute Milchzähne hat, der hat mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit lebenslang gute Zähne.“ Viele Eltern glaubten aber, Milchzähne seien unwichtig, weil sie früh ausfielen.

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Karies ist laut Thumeyer eine der häufigsten Krankheiten bei Klein- und Vorschulkindern, vor allem, wenn sie aus ärmeren Familien stammen. Zwar trete Zahnfäule in Deutschland insgesamt immer seltener auf. Eine Querschnittsuntersuchung hessischer Kindergartenkinder habe jedoch ergeben, dass nur zwei Drittel der Fünfjährigen gesunde Milchzähne hätten, 25 Prozent seien „Kariesrisikokinder“. „Natürlich wollen alle Eltern das Beste für ihr Kind, auch jene mit geringem Einkommen oder Migrationshintergrund.“ In diesen Familien fehle aber oft das Wissen darüber, wie wichtig frühe Zahnpflege und Zahnarztbesuche seien.

Auch Hebammen sensibilisieren

Laut der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen besuchen zu wenige Kinder vor ihrem dritten Geburtstag einen Zahnarzt. Bei den gesetzlich versicherten Kindern seien es nur acht, bei privat versicherten Kindern 30 Prozent. „Karies ist kein medizinisches, sondern ein soziales Problem“, sagte Thumeyer. Viele Kinder hätten ihre erste Zahnuntersuchung erst beim Schulzahnarzt.

Außer dem verpflichtenden Zahnarzt-Termin will die Arbeitsgemeinschaft die Sensibilisierung etwa von Erziehern, Hebammen und Schwangerschaftskursleitern erreichen. Sie könnten Eltern dazu bringen, besser auf die Zahngesundheit ihrer Kinder zu achten. „Idealerweise beginnt die Vorsorge für das Kind bereits in der Schwangerschaft.“

Quelle: F.A.Z.
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