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Klimawandel in Frankfurt

Das Minus wird zur Ausnahme

Von Peter Badenhop und Stefan Walter (Grafik)
Aktualisiert am 21.01.2020
 - 08:03
Seltener Anblick: Ein gefrorenes Blatt auf einem Feldweg in Frankfurt.zur Bildergalerie
Auch in Frankfurt hinterlässt der Klimawandel immer deutlichere Spuren. Die Durchschnittstemperaturen steigen stetig, und die langjährigen Mittelwerte werden inzwischen in fast jedem Monat überschritten.

Strahlender Sonnenschein, ein leicht bewölkter, blauer Himmel und Temperaturen deutlich über dem Gefrierpunkt: Von Winter kann in Frankfurt momentan nicht die Rede sein. Zwar ist es zum Beginn der Woche etwas kühler geworden, Werte von zehn und mehr Grad wie in der ersten Januar-Hälfte sind in den nächsten Tagen nicht zu erwarten. Aber kräftige Minusgrade oder gar Dauerfrost sind ebenfalls nicht in Sicht, und von Eis und Schnee ist weit und breit schon gar nichts zu sehen. Selbst auf dem 881 Meter hohen Großen Feldberg liegt nur eine dünne weiße Schicht, ein bisschen kalter Puderzucker gewissermaßen. Und auch auf der Wasserkuppe in der Rhön, mit 950 Metern immerhin Hessens höchste Erhebung, ist die Schneedecke so mager, dass an vielen Stellen der grün-braune Boden noch zu sehen ist.

Auch sechs Wochen nach seinem meteorologischen Beginn lässt der Winter weiter auf sich warten. Nach den Berechnungen der Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach liegt die Mitteltemperatur nach gut der Hälfte der sogenannten kalten Jahreszeit etwa drei bis dreieinhalb Grad über dem langjährigen Durchschnitt. Verantwortlich dafür ist nicht nur der Dezember, der immerhin auch schon 2,7 Grad zu warm war, sondern vor allem der Januar: Einschließlich Sonntag liegt er bisher mit 4,8 Grad deutlich über dem Normalwert von 0,7 Grad und erinnert so fast schon an den Januar vor zwei Jahren, als am Ende ein Plus von 5,3 Grad zu Buche schlug.

Anstieg seit den Neunzigern

So sehr man das Ausbleiben des Winters bedauern mag – das anhaltend milde und alles andere als winterliche Wetter passt perfekt in das klimatologische Bild der vergangenen Jahre und Jahrzehnte: Auch in Frankfurt wird es immer wärmer, der globale Klimawandel hinterlässt in der Mainmetropole immer tiefere Spuren. Und mit dem seit Anfang der neunziger Jahre deutlich zu erkennenden, allmählichen Temperaturanstieg geht auch eine Veränderung der Jahreszeiten einher: Die Sommer werden immer heißer und trockener und die Winter immer milder und feuchter – nicht in jedem Jahr, denn es liegt im Wesen des Wetters, dass es auch immer wieder Extremwerte und Abweichungen hervorbringt, aber in der Tendenz schon.

Die Grafik zeigt das Ausmaß der Veränderung in optisch ungewöhnlicher, aber sehr anschaulicher Form. Unser Grafiker Stefan Walter hat dafür die Statistik von der Wetterstation am Frankfurter Flughafen ausgewertet. Mit regelmäßigen Aufzeichnungen wurde dort 1936 begonnen, die Reihe umfasst also inzwischen 84 Jahre. Für die Grafik hat Walter nicht die absoluten Werte herangezogen, sondern die monatlichen Mittelwerte, und hat diese ins Verhältnis zu den jeweiligen langjährigen Durchschnittswerten gesetzt, die sich auf die offizielle Referenzperiode von 1961 bis 1990 beziehen. Herausgekommen sind dabei für jeden Monat seit Januar 1936 Abweichungen, die in der Grafik in unterschiedlichen Farben dargestellt sind: Rot erscheinen jene Monate, die 3,1 Grad oder mehr zu warm waren, orange jene, die zwischen 1,6 und 3,0 Grad zu warm waren, gelb die Monate, die zwischen 0,1 und 1,5 Grad höher als der Normalwert lagen. Analog ist die Farbgebung für die Monate, die vergleichsweise zu kühl waren: Hellblau für jene, die bis zu 1,4 Grad zu kühl waren, Mittelblau für die Monate, die zwischen 1,5 und 2,9 Grad zu kalt waren und schließlich Dunkelblau für jene, die 3, 0Grad oder mehr unter dem Mittelwert lagen.

Gut zu erkennen sind zum Beispiel die besonders kalten Wintermonate der Kriegsjahre 1940, 1941 und 1942 und der eisige Winter 1962/63 mit seinen Rekordtemperaturen und einer Kälteperiode, die sich über den Dezember, den Januar und den Februar erstreckte. An solche Zustände ist heute kaum noch zu denken. Der bisher letzte deutlich zu kalte Monat war der Dezember 2010 – und der war es im übrigen auch, der den Frankfurtern den bisher letzten großen Schnee zu Weihnachten bescherte. Ebenso deutlich schlagen sich auf der anderen Seite des Spektrums aber auch die extremen Hitzejahre 2014 und 2018 nieder, in denen fünf beziehungsweise sechs Monate weit über den üblichen Normalwerten lagen.

Insgesamt ergibt sich ein Tableau, das von unten nach oben immer gelber und roter wird und damit die langsame aber stetige Steigerung der Durchschnittstemperaturen sehr gut widerspiegelt. Während in den vierziger und fünfziger Jahren noch die Blautöne dominierten, sind spätestens seit der Jahrtausendwende die gelben, orangenen und roten Monate klar in der Überzahl. Und wie es aussieht, beginnt auch das Jahr 2020 mit einem tiefroten Januar. Er dürfte nicht der letzte sein.

Quelle: F.A.Z.
Peter Badenhop - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Peter Badenhop
Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.
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