Kommentar

Desaster für den RMV

EIN KOMMENTAR Von Hans Riebsamen
07.11.2016
, 12:45
Das geplante neue Tarifsystem des RMV ist tot. Denn ohne Frankfurts Zustimmung geht nichts. Jetzt gilt es zu retten, was zu retten ist.

Der Kunde zahlt nur die Strecke, die er gefahren ist. Dieses Versprechen des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) klingt verlockend. Einlösen sollte es der neue Smart-Tarif, der zurzeit von Testkunden in einem Pilotprojekt mit Smartphone-Tickets erprobt wird.

Nun stellt sich heraus, dass das Versprechen von mehr Gerechtigkeit bei den Fahrpreisen für manche eine veritable Preiserhöhung nach sich zieht. RMV-Geschäftsführer Knut Ringat hat zwar immer hervorgehoben, dass das geplante neue Tarifsystem das Fahren mit Bussen und Bahnen nicht generell verbilligen wird. Es würden zwar die exorbitanten Tarifsprünge an manchen Stadtgrenzen, zum Beispiel zwischen Offenbach und Frankfurt, wegfallen, doch es könne auch an der einen oder anderen Stelle teurer werden.

Tatsächlich würde es nicht nur, aber auch in Frankfurt für viele nicht nur ein wenig, sondern entschieden teurer. Die Zahlen, die der Frankfurter Verkehrsdezernent jetzt vorgelegt hat, nämlich Preiserhöhungen auf wichtigen U- und S-Bahn-Strecken von 20, 50, ja sogar 100 Prozent, dürften viele Fahrgäste schockieren. Kommunalpolitiker, die einem solchen Tarifsystem zustimmen würden, begingen politischen Selbstmord. Die Ablehnung des neuen Systems bedeutet, dass das sich in Erprobung befindliche neue Tarifsystem tot ist. Ohne Frankfurt geht im RMV nichts.

Ein paar Fragen bleiben offen: So hat der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der Vorsitzender des RMV-Aufsichtsrats ist, dem Smart-Pilotprojekt zugestimmt. Wusste er nicht, was er tat? Hat er sich nicht genügend informiert über den neuen Tarif? Oder wurde er nicht genügend informiert? Vor allem aber: Hätte er nicht mit einer stillen Intervention dafür sorgen können, dass der Pilotversuch nachgebessert wird?

Jetzt gilt es zu retten, was zu retten ist. Der RMV muss das geplante neue Tarifsystem so ändern, dass es nur wenige geringe Preissteigerungen gibt. Nur so kann der Verbund zu einem gerechten Entfernungstarif kommen, bei dem der Kunde nur zahlt, was er gefahren ist. Ob es dazu kommt, steht nach dem harten Vorgehen Frankfurts in den Sternen.

Quelle: F.A.Z.
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