<iframe title="GTM" src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Kandidat der CDU in Mainz

Lichtgestalt oder Schaumschläger?

EIN KOMMENTAR Von Peter Eisenhuth
 - 19:18
Hoffnungsträger: Nino Haase soll für die CDU das Mainzer Rathaus erobern.

An Selbstbewusstsein mangelt es Nino Haase nicht. Das war der erste Eindruck, den der jetzt auch offiziell gekürte Oberbürgermeisterkandidat der Mainzer CDU während der Mitgliederversammlung erweckte. Der Grat hin zur Arroganz freilich, auf dem er wandelt, wenn er der Partei quasi zu seiner Nominierung gratuliert, ist schmal – was allerdings unter den Anwesenden kaum jemanden zu stören schien.

Zu groß ist die Sehnsucht der seit vielen Jahren in die Opposition gedrängten Partei nach einer Lichtgestalt, mit der sich womöglich gar erstmals das Amt des Oberbürgermeisters erobern lassen könnte. Zur Erinnerung: 2012 hatte es der CDU-Bewerber nicht einmal in die Stichwahl geschafft.

Nicht viel zu bieten

Dass es sich 2019 bei dem eigenen Kandidaten nicht um einen der Ihren handelt – geschenkt. So ist die vorherrschende Stimmung in der CDU. Die Schnittmengen zwischen Haase und Christdemokraten scheinen groß genug, um intern das „unabhängig“ in Klammern zu setzen. Von etwaigen Dissonanzen jedenfalls war während der Krönungsmesse nichts zu spüren. Der Auftritt des 35 Jahre alten Chemikers war rhetorisch gelungen, was im Kontrast zu Parteichefin Sabine Flegel und der Bundestagsabgeordneten Ursula Groden-Kranich umso mehr auffiel. Mit seiner Kritik an der Stadtpolitik, das heißt an der Ampelkoalition, sprach Haase der Versammlung ohnehin aus dem Herzen.

Darüber hinaus jedoch hatte Haase nicht viel zu bieten. Von Visionen zu reden und ein paar Stichworte wie Digitalisierung oder Wirtschaftsansiedlung zu nennen, ist das eine. Diese Hülsen auch mit Inhalten zu füllen, das andere. Dass er dies kann, diesen Beweis ist der Kandidat fürs Erste schuldig geblieben. Solange er nicht konkreter wird, muss er mit dem Verdacht leben, dass sich sein Programm auch als Schaumschlägerei erweisen könnte.

Ob der Montagabend für die CDU tatsächlich der erhoffte Neuanfang war, lässt sich noch nicht sagen. Sicher: 93 Prozent für Nino Haase stellen etwas dar. Allerdings waren von rund 1250 stimmberechtigten Parteimitgliedern nur 180 an diesem Abend erschienen. Eine vergleichbare Beteiligung bei einer Oberbürgermeister-Stichwahl würde Haase als Ausdruck von Politikverdrossenheit betrachten.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenCDUMainzStichwahl