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Maximilian Schell

Der suchende Rebell

Von Eva-Maria Magel
 - 18:58
Eines Oscars würdig: Maximilian Schell als Hans Rolfe im Film „Judgement at Nuremberg“. zur Bildergalerie

Erst ist sie ungehalten, aber dann. Setzt Maximilian Schell sich an einen der zwei Flügel, die im Wohnzimmer der Diva stehen. Spielt etwas an, Romantik, es klingt sehr gut. „Sie spielen Klavier?“, fragt die knurrige Marlene Dietrich erstaunt. Aber ja doch, er gab sogar Konzerte. Fußball spielte er auch. Zeichnen und lithographieren konnte er schon als Kind mit einer stupenden Fertigkeit. Als Kunstsammler hatte Schell (1930 bis 2014) Rang, sogar eine Ausstellung der Bauhaus-Künstler Josef und Anni Albers hat er 1989 kuratiert und den Katalog verfasst.

Das Geld für die Kunst hat er mit Drehs in Hollywood verdient. Das klappte bestens, da ihm schon sein zweiter Hollywoodfilm, „Judgement at Nuremberg“ von 1961, den Oscar als bester Hauptdarsteller eingetragen hat. 1986 war dann „Marlene“ als bester Dokumentarfilm für den Oscar nominiert. Eine Meisterleistung, denn die Dietrich, die sich urplötzlich Aufnahmen von sich selbst verbeten hatte, kommt darin nur in Filmausschnitten vor – und als Stimme.

Zu hören ist das jetzt im Deutschen Filminstitut und Filmmuseum (DFF), ein Loop von 14 Minuten, in einem eigenen weißen Raum, der die schwierigen Bedingungen dokumentiert, unter denen Maximilian Schell, einst auch Filmkollege der Dietrich, im Herbst 1982 den Dokumentarfilm „Marlene“ drehte. Das DFF besitzt sämtliche Tondokumente der Gespräche, die Schell auf Musikkassetten vom 28. September bis 5. Oktober 1982 in Dietrichs Pariser Wohnung mit ihr festgehalten hat. Ein film- und zeitgeschichtlicher Schatz, in den jetzt erstmals Einblick genommen werden kann. Das Erbe Maximilian Schells dürfte auch so weiterleben, wie es seine Witwe Iva Schell nun anlässlich der Eröffnung erhoffte.

Beschaffung des Nachlass war ein „kleines Abenteuer“

Eine Etage Sonderausstellung hat das Haus dem Multitalent Maximilian Schell freigeräumt, dessen filmkünstlerischer Nachlass mit Unterstützung der Hessischen Kulturstiftung seit 2015 an das DFF gelangt ist. Ein kleines Abenteuer, wie Chefkurator Hans-Peter Reichmann, dem das Haus noch mehr solche Coups verdankt, erläutert: Als Schell starb, waren sich die Frankfurter, die auch den Nachlass seiner Schwester Maria Schell besitzen und ausgestellt haben, mit ihm zwar einig – aber das Testament lag nicht unterzeichnet neben seinem Sterbebett.

Dass Reichmann und seine Ko-Kuratorin Isabelle Bastian sowie der Archivar Bernd Eichhorn, der schon Stanley Kubricks Nachlass akribisch aufbereitet hat, Sorgfalt und Zugewandtheit zum Erbe Schells auszeichnet, ist der Ausstellung zu seinem Leben und Schaffen deutlich anzusehen. Beginnend mit der Oscar-Verleihung 1961, schlägt die Ausstellung acht schön, aber nicht übervoll inszenierte Kapitel auf.

Schon im Foyer bringen Ausschnitte aus Film- und Fernsehrollen einen Mann näher, der vielen einst als König der Schauspieler galt und den heute ein jüngeres Publikum kaum mehr kennt. Eine Filmreihe im Kino des DFF ermöglicht es, die filmischen Lücken zu schließen. Doch auch diejenigen, die Schell und den „Schell-Clan“ aus Kunst und Klatschblättern kennen, lernen zahlreiche Facetten des international tätigen Künstlers kennen, der als Regisseur auch Operetten inszenierte, der „Hamlet“ neu und umstritten übersetzte, inszenierte und spielte. Und für viele seiner Projekte auch unter hohem finanziellen Risiko kämpfte.

Nur wenige erläuternde Texte

Nicht nur seine Neigung zur bildenden Kunst, die mit Schriftverkehr und dank etlicher Leihgaben auch durch einen Picasso mit Widmung dokumentiert wird, auch die Sammelleidenschaft Schells und sein Lebensmittelpunkt, die Kärntner Alm, auf der er wie seine Schwester Maria lebte, sind in Bildräumen inszeniert, die Dokumente, Bewegtbild, Töne, Rauminstallation verbinden. Die Andeutungen sind oft subtil wie der schwarze Rahmen um den Bildschirm, auf dem Schells Dokumentarfilm „Meine Schwester Maria“ (2001/02) läuft. Er hat genau die Größe jenes heißgeliebten Gemäldes von Mark Rothko, das Schell hergeben musste, weil die demente Schwester so hoch verschuldet war, dass beinahe die Alm hätte versteigert werden sollen.

Etliche der Anspielungen dürften nur in Führungen zu verstehen sein, es wird wenig mit erläuternden Texten gearbeitet. Umso glänzender wirken die Gegenstände und Papiere aus dem Nachlass, die Zeitgeschichte erschließen und auch auf Schells Charakter, seine Durchsetzungsfähigkeit und seine künstlerischen Höhenflüge schließen lassen. Dass er sich in Talkshow-Auszügen bisweilen selbst widerspricht, passt dazu. Als „Rebell“ hat er sich oft bezeichnet, immer weiter Pläne gemacht. Ergänzt wird die Schau durch eine aufwendig gestaltete Monographie, zweieinhalb Kilo schwer. Nicht zu viel für ein derart an Bildung und Kunst reiches Leben, in dem alles mit allem zusammenhing. Auch das Klavier mit der Diva.

„Maximilian Schell“-Ausstellung in Frankfurt

Die Ausstellung ist bis 19. April 2020 im DFF zu sehen, die begleitende Filmreihe beginnt am 13. Dezember um 18 Uhr mit „Ein Mädchen aus Flandern“. Die Monographie „Maximilian Schell“, Edition des DFF, kostet 39 Euro.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Magel, Eva-Maria
Eva-Maria Magel
Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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