Architektur nach Bienefeld

Nicht gießen, bauen

Von Rainer Schulze
27.06.2021
, 14:33
Schöner wohnen: Haus Heinz-Manke in Köln-Rodenkirchen
Heinz Bienefeld hat ausschließlich mit Ziegeln aus rheinischen Ringöfen gebaut. Das Deutsche Architekturmuseum erinnert an den stillen Baukünstler.
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Für den einen ist es der Beton, für den anderen der Backstein. Viele Architekten haben ihr Lieblingsmaterial, aber wenige sind so festgelegt auf einen Baustoff, wie Heinz Bienefeld es war. Der detailversessene, stille und zurückhaltende, aber bei der Ausführung seiner Entwürfe kompromisslose Architekt soll der Meinung gewesen sein, dass man Gebäude nicht gießen darf, sondern aufbauen muss. Für ihn musste es der Ziegel sein, der in rheinischen Ringöfen gebrannt und mit breiten Fugen so verbaut wurde, dass die raue Innenseite außen lag, denn sie gab dem Gebäude noch mehr Kontur und alterte besonders schön.

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Bienefeld, der von 1926 bis 1995 lebte, ist vor allem in seiner rheinischen Heimat bekannt, in der er etliche Kirchen und Privathäuser gebaut hat, die sich vor allem in den ersten Jahren stark an Formen der römischen Antike orientierten. Das Deutsche Architekturmuseum hat 1999 schon einmal eine große Retrospektive seines Werks gezeigt und 2016 den üppigen Nachlass des Architekten geerbt. Mit den 15.000 Zeichnungen, 52 Modellen und 25 Metern Akten hätten die Kuratoren Philipp Sturm und Katleen Nagel das ganze Museum füllen können, aber ihnen stand nur das erste Obergeschoss zur Verfügung.

Zu manchen Projekten gibt es 1000 Skizzen

Im Vordergrund der Ausstellung stehen zwanzig Modelle, die aus Plastilin und Wachs geformt wurden und den Entwurfsprozess deutlich machen. Auf den gerahmten Zeichnungen und Plänen an den Wänden ist zudem zu erkennen, wie akribisch Bienefeld und seine Mitarbeiter zu Werke gingen. Zu manchen Projekten gibt es 1000 Blätter, Skizzen und Zeichnungen, aus denen eine Auswahl getroffen werden musste. Mitunter hat Bienefeld die Fassade so minutiös gezeichnet, dass jeder Ziegelstein zu erkennen ist. Die Steine liegen versetzt und in Verbänden und Mustern, die dem Auge Halt geben.

Die Konzentration auf ein Material und archaische, romanische Formen geben seinen Bauwerken eine schlichte Würde. Der Architekturkritiker Wolfgang Pehnt hat einmal gesagt, dass Bienefeld sein Material „franziskanisch arm wählte, aber benediktinisch reich einsetzte“. Der rötliche Baustoff passt auch in seine rheinische Heimat. Erst in den Achtzigerjahren begann Bienefeld, der sich nie zur Postmoderne zählte, sich zu öffnen und arbeitete auch großflächig mit Glas, Stahl und Holz. Stets verwendete er aber auch diese Baustoffe äußerst detailliert: Seine Gebäude sind detailverliebte Gesamtkunstwerke, vom Grundriss bis zur Türklinke.

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Nichts wurde dem Zufall überlassen

Bekannt sind vor allem seine Kirchen, die aus einfachen Grundformen bestehen. Bienefeld studierte Sakral- und Profanbau an der Kölner Werkschule unter Dominikus Böhm, wurde dessen Assistent und Mitarbeiter des berühmten und kürzlich verstorbenen Kirchenbauers Gottfried Böhm, der seine Modelle ebenfalls in Plastilin anfertigte. Bei der Erweiterung der Pfarrkirche St. Andreas in Wesseling orientierte sich Bienefeld an der Curia Iulia in Rom. Die Südfassade mit ihren Rundbögen und dem Dreiecksgiebel zitiert das antike Vorbild deutlich. Großformatige Fotos von Constantin Meyer zeigen zudem, welche Qualität die fünf Privathäuser haben, die in der Ausstellung zu sehen sind. Auch hier wurde nichts dem Zufall überlassen, wie pedantische Zeichnungen des Fliesenspiegels im Haus Nagel zeigen. Besonders das Haus Heinz-Manke beeindruckt mit seinen schlichten und durchdachten Formen und Proportionen.

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Antike Radikal – Häuser und Kirchen von Heinz Bienefeld, bis zum 26. September im Architekturmuseum, Schaumainkai 43.

Quelle: F.A.Z.
Rainer Schulze - Portraitaufnahme für das Blaue Buch
Rainer Schulze
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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