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DJ Oliver Hafenbauer

Das richtige Disco-Feng-Shui

Von Markus Wölfelschneider
Aktualisiert am 20.02.2020
 - 18:18
Der Frankfurter DJ Oliver Hafenbauer vor seiner Plattensammlung
Oliver Hafenbauer ist DJ und Labelbetreiber. Viele Jahre lang war er für das Programm im Offenbacher Club Robert Johnson zuständig. Nun widmet er sich neuen Projekten.

Ein Wohnzimmer im zweiten Stock eines Altbauhauses mit Blick auf eine kleine Ecke des Frankfurter Zoos. „Man sieht von hier oben zwar keine Tiere, aber bei geöffnetem Fenster kann ich früh morgens die Gibbons singen hören. Das klingt wirklich schön“, sagt Oliver Hafenbauer. Für den Zoo besitzt er eine Jahreskarte – auch seinem vierjährigen Sohn zuliebe. Die singenden Affen sind aber keineswegs das musikalische Highlight seiner Wohnung. Eher schon die Regale mit den rund 9000 Schallplatten zwei Räume weiter.

Hafenbauer, schwarzer Pulli, Dreitagebart, Hufeisen-Tattoo auf der linken Daumenwurzel, ist DJ und Labelbetreiber. Seinen langjährigen Job als Booker im Offenbacher Club Robert Johnson hat er im vergangenen Dezember aufgegeben, um mehr Zeit für eigene Projekte zu haben. Als Resident DJ bleibt er dem Club aber weiterhin eng verbunden.

Von zu Hause aus betreibt er seit 2014 sein Label „Die Orakel“. Dort veröffentlicht Hafenbauer experimentelle elektronische Musik, die zwar stets auf den Dancefloor schielt, aber nicht unbedingt immer auf den großen kommerziellen Erfolg. Die Auflagen liegen zwischen 300 und 1000 Exemplaren. „Manche der Platten sind eher etwas für Spezialisten“, sagt er. Bei gleich drei seiner neuesten Veröffentlichungen handelt es sich um Hommagen an ein Genre namens „Bleep Techno“, das in den Neunzigern in der britischen Stadt Sheffield aufkam.

Sein Stil: elektronische Musik von Ambient bis Techno

Hafenbauer gehört zu den Frankfurter DJs, die auch international gefragt sind. Oft ist er in Asien oder Südamerika unterwegs. Sein Stil: elektronische Musik von Ambient bis Techno. Besonders spannend findet er Städte mit einer lebendigen Underground-Szene – Sao Paolo, Tiflis oder Moskau zum Beispiel. „Dort gibt es Warehouse-Partys, die zwar nicht wirklich illegal sind, sich aber ein bisschen so anfühlen. Ich mag die Aufbruchstimmung, die man dort spürt. Und den Geist des Do-it-Yourself.“

An seine allererste Begegnung mit Techno kann er sich noch gut erinnern: „Das war Anfang der Neunziger in einem Winterurlaub mit meinen Eltern. Im Hotel schenkte mir ein älterer Junge eine Musikkassette, die mich total geflasht hat. Da waren viele Tracks drauf, die zur Ursuppe des deutschen Techno gehörten – zum Beispiel ,Das Boot‘ von U96, und zwar lange bevor der Stück ein Charterfolg wurde.“

Schon früh entdeckte Hafenbauer die Frankfurter Szene für sich und ging auf Partys in Clubs wie Omen, XS oder Dorian Gray. Da war er gerade mal 14 oder 15 Jahre alt. „Das war möglich, weil an der Tür noch nicht so streng kontrolliert wurde.“ Um das Jahr 2000 herum begann er damit, selbst aufzulegen. Im Off-Space Lola Montez, wo damals die Kunstszene wilde Partys feiert, werden Leute aus dem Umfeld des Robert Johnson auf ihn aufmerksam, wo er schon bald als DJ beginnt. 2009 bekommt er dort eine Stelle als Booker angeboten. „Das kam für mich zum richtigen Zeitpunkt“, erinnert er sich. „Ich hatte gerade mein Architekturstudium mit guten Noten abgeschlossen und mich überall beworben. Trotzdem fand ich keinen Job. Die Büros stellten damals einfach kaum jemanden ein.“

Club Robert Johnson: Kein Ort der Industrie

Eine ganze Dekade prägte Hafenbauer die musikalische Ausrichtung des Clubs am Offenbacher Mainufer, der von Fachmagazinen immer mal wieder unter die weltweit besten Adressen für elektronische Musik gewählt wird. „Der Ort hat einfach das richtige Disco-Feng-Shui“, erklärt Hafenbauer das Erfolgsgeheimnis des Clubs. „Der Raum ist nicht allzu groß, es gibt eine gute Anlage, ein wirklich nettes Publikum – und nicht zuletzt: Es ist kein Ort der Industrie. Hier gibt es keine gebrandeten Marlboro-Aschenbecher oder Bacardi-Banner an der Bar. Der Raum ist absolut frei von Sponsoren. Gute Künstler spielen hier oft auch für kleinere Gagen und sorgen so dafür, dass der Club überlebt.“

Freiräume für Künstler zu erhalten, das ist ein wichtiges Anliegen Hafenbauers. „Es gibt so viel kreatives Potential in der Stadt, aber immer weniger Orte, wo es sich entfalten kann. Die Kulturförderung hat hier Nachholbedarf“, sagt er. Er plant gerade eine Musikkonferenz, die im kommenden September im Rahmen des Riviera Festivals für Pop- und Clubkultur am Offenbacher Mainufer stattfinden soll. Das Verhältnis der Stadt zu ihren Kreativen wird dort ein Thema sein.

Wer Hafenbauer schon deutlich früher erleben will, sollte am 22. Februar gegen Mitternacht ins Robert Johnson kommen. Neben den DJs Roman Flügel und Mor Elian legt er dort auf.

Quelle: F.A.Z.
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