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Entsetzen und Enttäuschung

Von Ewald Hetrodt, Wiesbaden
22.06.2022
, 17:45
Erst zugehängt, dann abgebaut: Das Banner des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi mit antisemitischen Darstellungen.
Muss die Leitung der Documenta angesichts des antisemitischen Skandals gehen? Die kontroverse Debatte der hessischen Politiker hat gerade erst angefangen.
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Die hessische Kunstministerin Angela Dorn (Die Grünen) hat am Mittwoch „keine abschließende Erklärung“ zu der Frage abgegeben, ob die Leitung der Documenta angesichts des antisemitischen Skandals zurücktreten müsse. Dass die Antwort ausdrücklich nur vorläufig sein soll, zeigt, wie sehr sich die Ministerin über die Dynamik der Debatte im Klaren ist. „Wir müssen aufarbeiten, wie es bei der Documenta geschehen konnte, dass eine solche Bildsprache öffentlich gezeigt wurde“, meint Dorn.

Darin ist sie sich mit Andreas Hofmeister, dem kulturpolitischen Sprecher der CDU-Fraktion, einig. Aber darüber hinaus geht die Ministerin gleichsam prophylaktisch zur Vorneverteidigung über: „Mir wurde auf mehrfache Nachfragen bei der documenta gGmbH immer versichert, es gebe keine Hinweise auf antisemitische Bildsprache auf der Ausstellung.“

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„Eine freie Welt muss das ertragen“

Der Vorsitzende des documenta-Forums, Jörg Sperling, hat die Entfernung des als antisemitisch kritisierten Kunstwerks auf der Kasseler Kunstausstellung kritisiert. „Eine freie Welt muss das ertragen“, sagte er. Der Antisemitismus-Vorwurf begleite die documenta fifteen seit Anfang des Jahres. Durch das großformatige Werk „People's Justice“ des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi sei das Thema nun „eskaliert“.

Das Werk sei am Dienstag „auf politischen Druck hin“ abgehängt worden. Es gehe in dieser Debatte um Politik, nicht um Kunst. Das Bild sei eine Karikatur und seiner Meinung nach von der Kunstfreiheit gedeckt. „Die Kunst hat ein Thema aufgebracht, das außerhalb der Kunst liegt: das Verhältnis von Palästinensern und Israelis. Dieses Problem kann die Kunst nicht lösen, das kann auch die documenta nicht lösen.“

Forderungen, die ausgestellten Kunstwerke hätten vorab überprüft werden müssen, lehnt Sperling kategorisch ab. „Das wäre Zensur.“ Angesichts der Menge der ausgestellten Objekte an mehr als 30 Standorten sei das zum einen nicht leistbar. Zum anderen widerspreche es der Idee der documenta.

Mit dem indonesischen Kollektiv Ruangrupa habe man sich in diesem Jahr bewusst dafür entschieden, eine andere Sicht auf Kunst und Kultur einzuladen: kollektiv, aus dem globalen Süden, abseits des Kunstmarkts. „Nun muss man auch aushalten, dass diese Menschen einen anderen Blick auf die Welt haben.“

Das Werk von Taring Padi zeigte unter anderem einen Soldaten mit Schweinsgesicht. Er trägt ein Halstuch mit einem Davidstern und einen Helm mit der Aufschrift „Mossad“ - die Bezeichnung des israelischen Auslandsgeheimdienstes. Das löste heftige Kritik aus. (dpa)

Quelle: F.A.Z.
Ewald Hetrodt - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Ewald Hetrodt
Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.
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