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Festival „Love Family Park“

Naturschutz statt Techno

Von Christian Arndt und Christian Riethmüller
Aktualisiert am 21.02.2020
 - 07:06
Runter vom Rasen? In Rüsselsheim regen sich Sorgen um die Mainwiesen, auf denen in den vergangenen zwei Jahren das Festival Love Family Park gefeiert wurde.
Einmal im Jahr findet in Rüsselsheim das Festival „Love Family Park“ in Rüsselsheim statt. Doch um den Standort auf dem Mainvorland ist ein Streit entbrannt.

Am 18. Juli soll zum dritten Mal das Festival „Love Family Park“ auf dem Mainvorland in Rüsselsheim veranstaltet werden. Darauf hoffen 20.000 Techno-Fans, die Stars des Genres wie Sven Väth, Amelie Lens, Boris Brejcha und Nina Kraviz erleben möchten. Ob sich die Fans aber tatsächlich den Beats hingeben können, ist nicht mehr ganz sicher. Denn trotz einer bereits erteilten Genehmigung durch den Magistrat der Stadt steht das Festival nach Angaben der Veranstalter plötzlich auf der Kippe. Grund seien Naturschutz-Bedenken, die nicht nur vom Kreisverband Groß-Gerau des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), sondern auch vom Regierungspräsidium (RP) Darmstadt vorgebracht werden.

Wie die Tageszeitung „Mainspitze“ berichtet, liege ihr ein Schreiben der Leiterin des Dezernats Naturschutz/Genehmigungen beim RP an den Rüsselsheimer Magistrat vor, in dem sie ihr Unverständnis über die erteilte Genehmigung zum Ausdruck bringe. Das RP als Obere Naturschutzbehörde habe geprüft, unter welchen Bedingungen eine Veranstaltung in der engeren Schutzzone I der Hessischen Mainauen erteilt werden könne. Dies sei nur erlaubt, wenn der Charakter des Gebiets nicht verändert und das Landschaftsbild nicht beeinträchtigt würden und die Veranstaltung zudem mit den Schutzzwecken vereinbar sei. Eine Genehmigung vorrangig des öffentlichen Interesses wegen sei aus der Verordnung hingegen nicht zu begründen, meint der RP.

Vorbildliche Organisation

Robin Ebinger von der Mannheimer Eventagentur Cosmopop, die das einst von Fedi Choukair im Jahr 1996 in Hanau ins Leben gerufene Techno-Festival seit 2007 veranstaltet, sieht den diesjährigen Love Family Park, der schon in den vergangenen zwei Jahren auf dem Rüsselsheimer Mainvorland stattfand, in Gefahr, wie er im Gespräch mit dieser Zeitung sagt. Dass das Gelände ausgewiesenes Landschaftsschutzgebiet ist, wisse man, entsprechend strenge Auflagen seien dem Veranstalter auferlegt worden. Diese seien laut einer „Evaluierung“ der Stadt in den vergangene Jahren auch erfüllt worden, inklusive einer professionellen Nachsaat auf den von zwei Dürresommern und dem Hessentag bereits vorgeschädigten Wiesen.

Von allen beteiligten Parteien – vom Stadtmarketing über das Marktwesen bis zu DLRG, Feuerwehr und Polizei – seien dem Festivalveranstalter eine geradezu vorbildliche Organisation und Durchführung attestiert worden, was auch die Grundlage für die Genehmigung des Love Family Parks in diesem Jahr gewesen sei. Sogar die Beschwerden von Anwohnern hätten sich in Grenzen gehalten, so dass Stadt und Veranstalter gemeinsam entschieden, die Beschwerde-Hotline im Folgejahr nur für zwei Tage nach dem Event zu schalten statt eine Woche lang wie zuvor.

Man habe „viele leise Fürsprecher“ im Rüsselsheimer Magistrat, doch gebe es eben auch „laute Bedenkenträger“, sagt Ebinger: „Die Linke hat es losgetreten, Nils Kraft von der SPD hat es dann forciert. Er ist hauptamtliches Mitglied des Magistrats, Baudezernent und steht der unteren Naturschutzbehörde vor.“ Ebenjene Behörde habe das Thema dann beim RP vorgebracht.

Verlegung an einen anderen Standort?

In der Folge sei ein Bodengutachten in Auftrag gegeben, dem Veranstalter aber lange Zeit vorenthalten worden. Aus diesem Gutachten könnte hervorgehen, dass die dauerhaften Auswirkungen des Festivals auf das Gelände minimal seien, oder aber so gravierend, dass gar keine Massenveranstaltungen mit Bühnen, Verkaufsständen oder Autos dort genehmigungsfähig wären, sagt Ebinger, der vermutet, dass einige Magistratsmitglieder den Umweltschutz beim Love Family Park strenger auslegen, als dies beim ebenfalls auf dem Mainvorland gefeierten Hessentag 2017, den „Mainland Games“ oder dem jährlich stattfindenden Oldtimer-Treffen mit bis zu 3000 Autos der Fall war oder noch sei.

Könne der Love Family Park in diesem Sommer nicht wie geplant auf dem Mainvorland stattfinden, wäre es laut Ebinger „blanke Theorie“ und illusorisch, das Festival kurzfristig an einen anderen Standort zu verlegen, wie es der Kreisverband BUND in einer Erklärung vom Dienstag fordert, in der er eine Genehmigung für das Festival mit Hinweis auf das Schreiben des RP als rechtswidrig erachtet. Dem widerspricht die Stadt. Auf Anfrage teilte sie am Mittwoch mit: „Die Stellungnahme des RP ist eine Darstellung der rechtlichen Auffassung. Sie löst keine Rechtsfolgen aus. Eine Genehmigung ist bislang nicht erteilt. Eine naturschutzrechtliche Genehmigung mit entsprechenden Auflagen wird derzeit erarbeitet. Der Magistrat hat am Dienstag die weitere Vorgehensweise ausführlich erörtert und wird zeitnah entscheiden.“

Sollte es zu einer Ablehnung kommen, wäre dies vermutlich das Ende des Festivals, obwohl von einem Interesse anderer Kommunen, etwa Raunheim, an der Veranstaltung die Rede ist. Ein neuerlicher Umzug soll dem Vernehmen nach für die Veranstalter aber keine Option sein.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Riethmüller Christian
Christian Riethmüller
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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