Testen, Proben, Verschieben

Frankfurt hofft auf Kultur im März

Von Eva-Maria Magel
Aktualisiert am 13.01.2021
 - 16:58
Bleibt leer bis Ostern: Das Große Haus des Staatstheaters Wiesbaden
Frankfurt will auf städtischen Bühnen im März wieder spielen. Die hessischen Staatstheater sind hingegen bis Ostern geschlossen. Damit gehen die Häuser unterschiedlich um.

Frühestens an Ostern kann an den hessischen Staats- und Landestheatern wieder vor Publikum gespielt werden. Der Umgang mit der Corona-Pause in der Region ist allerdings sehr unterschiedlich. Die Alte Oper Frankfurt, das Konzerthaus der Stadt, sowie das Künstlerhaus Mousonturm sollen nach den jüngsten Beschlüssen Anfang März ihren Spielbetrieb wieder aufnehmen, Oper und Schauspiel Frankfurt sollen im April den Spielbetrieb wiederaufnehmen. Voraussetzung sei, so Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) und die Intendanten, dass das Infektionsgeschehen und die jeweils aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen dies zuließen. Der Werkstatt- und Probebetrieb läuft reduziert unter Berücksichtigung der geltenden Hygienemaßnahmen im Schauspiel, der Oper und dem Mousonturm weiter.

In Rheinland-Pfalz wurden bislang keine neuen Verordnungen erlassen, das Staatstheater Mainz wartet auf baldige Gespräche und will vor allem für Kinder und Jugendliche interaktive digitale Angebote machen. Der Probenbetrieb läuft unter Sicherheitsvorkehrungen weiter, für das Tanzensemble mit regelmäßigen Corona-Tests. Einige Probenprozesse, so eine Sprecherin, sollen demnächst gezeigt werden.

Auf „Work in Progress“ setzt auch das Staatstheater Darmstadt. Etwa auf das Rechercheprojekt in der Stadt namens „Jetzt!“, das Lothar Kittstein und Christoph Frick entwickeln. Davon soll es schon in den nächsten Wochen erste digitale Formate geben. Vor allem aber sollen Gespräche und Möglichkeiten des Kontakts angeboten werden, so Intendant Karsten Wiegand: „Als wir das Weihnachtsmärchen ,Alaaddin‘ gestreamt und Nachgespräche angeboten haben, stellten wir fest, dass es eine unglaubliche Nachfrage nach Gespräch und eine große Dankbarkeit dafür gibt.“

Das Publikum braucht den Kontakt

Es gehe darum, Formate zu suchen, die Dialog ermöglichen: „Wir haben erfahren, dass der Bedarf immens ist, sich auszutauschen.“ So werde überlegt, einen Mitschnitt der Produktion „Emilia G.“ Schulen zur Verfügung zu stellen samt Nachgesprächen mit den Mitwirkenden. Auch schon erstellte Kammermusikaufnahmen könnten genutzt werden, um digital Gespräche für verschiedene Zielgruppen anzubieten.

„An Präsenzarbeiten findet derzeit das notwendige Minimum statt, etwa die Vorbereitungen für die Sanierung des Kleinen Hauses, und für das, was wir jetzt zeigen können. Dazu zählen besondere Formate und digitale Produktionen. Wir versuchen die Belegschaft weitgehend auseinander zu halten“, so Wiegand. Es habe intensive Gespräche in der künstlerischen Leitung mit Dramaturgie, Vermittlung und Marketing gegeben. Alle seien einig, es gehe gerade um Solidarität, darum, was man zum Ganzen beitragen könne, damit es möglichst schnell für alle besser werde. „Wir finden es gerade nicht richtig, größere Gruppen auf der Probebühne zu versammeln, um auf Halde zu produzieren, während Kinder akzeptieren sollen, dass sie ihre Freunde nicht treffen dürfen und sie zu Hause lernen müssen.“ Seit Dezember ist das Haus, wie die anderen hessischen Theater, in Kurzarbeit. Wegen der Sanierung des Kleinen Hauses war ohnehin geplant, viele Angebote von Frühsommer an möglichst im Freien zu machen.

Hoffen auf Maifestspiele

Auf das Frühjahr hofft auch Uwe Eric Laufenberg. Soeben hat der Intendant des Wiesbadener Staatstheaters „optimistische“ Gespräche mit dem Magistrat geführt: „Wir versuchen in zwei Monaten abzusehen, ob die Maifestspiele überhaupt veranstaltet werden können. Sie lohnen sich finanziell nur, wenn wir den Zuschauerraum halb besetzen können.“ Die eingeladenen Künstler wollten alle unbedingt kommen, es sei ein Hoffnungszeichen, nicht gleich abzusagen. Auch die große hauseigene Eröffnungspremiere der Oper „Babylon“ von Jörg Widmann wird vorbereitet. Sollten die Maifestspiele nicht stattfinden, wird „Babylon“ um ein Jahr verschoben.

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Überhaupt setzt Laufenberg auf ein rollierendes System: Was von der Planung und den Werkstätten her weit gediehen ist, wird fertig geprobt, derzeit einige kleinere Schauspielproduktionen. „Sollte der 28. März sich nicht halten lassen, werden wir die Produktionen der nächsten Spielzeit entfernen, ressourcenschonend, also nichts wegwerfen und Neues anfangen.“ Etliche Stücke seien fertig, auch Laufenbergs „Ring“ ist szenisch fertig probiert, das Ensemble habe mit Emphase geprobt. „Bei uns wird regelmäßig getestet, deshalb empfinden viele Künstler und Mitarbeiter das Theater als sicheren Ort. Ich habe für die Tests viel Sponsoring auf den Weg bekommen. Wir könnten das auch für die Zuschauer bieten.“ Kleine Gruppen arbeiteten isoliert im Haus. Digitales als Notprogramm sieht Laufenberg skeptisch, wiewohl es zahlreiche Angebote des Hauses gebe. Seine eigenen „Solo-Diskurse“ seien darunter nach den Klickzahlen das erfolgreichste. „Wir werden aber bei den nächsten Maifestspielen eine große Digitalreihe haben“, kündigt er an.

Der Frankfurter Mousonturm hat mit dem digitalen Mousonturm gute Erfahrungen gemacht und setzt bis Ende des Monats auf Online-Premieren: Am 17. Januar wird Hanna Steinmairs Stück „Rage“ digital uraufgeführt, auch im Februar sollen neue Stücke folgen. Die Städtischen Bühnen Frankfurt und Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) beraten derzeit, Anfang Dezember war die Schließung der Bühnen und der Alten Oper bis 31. Januar beschlossen worden.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Magel, Eva-Maria
Eva-Maria Magel
Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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