MOMEM in Frankfurt

Lange genug gewartet

EIN KOMMENTAR Von Christian Riethmüller
07.04.2022
, 18:53
Nostalgie: Im MOMEM ist die aktuelle Ausstellung dem DJ Sven Väth gewidmet. In einem Raum werden Fotos aus verschiedenen Lebensphasen Väths gezeigt.
Sieben Jahre hat es bis zur Eröffnung des Museum of Modern Electronic (MOMEM) in Frankfurt gedauert. Darüber ist vielleicht eine Generation Musikinteressierter verloren gegangen.
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In der Popmusik gilt: Was gestern noch heiß war, ist morgen schon ein gefühltes Erdzeitalter lang erkaltet. Und obwohl sich die Popmusik seit mehr als zwei Jahrzehnten in einer Retroschleife befindet, gönnt sie nur wenigen ihrer Stars und nur wenigen ihrer vielen Stile und Genres so etwas wie die ewige Jugend. Die übrigen werden einfach alt. So ist es auch den maßgeblichen Personen während der jahrelangen Warterei auf die Eröffnung des Museum of Modern Electronic Music (MOMEM) gegangen.

Die Idee für solch eine Einrichtung ist mehr als ein Jahrzehnt alt, und die offizielle Ankündigung, die Ausstellungsstätte gründen zu wollen, ist nun sieben Jahre her. Darüber haben die Initiatoren vielleicht nicht ihren Elan, aber doch eine Generation von Musikinteressierten verloren. Der „Sound of Frankfurt“ und die Namen der Clubs, in denen er entstand, dürften kaum jemandem unter dreißig noch etwas sagen – und seine Protagonisten, au­ßer vielleicht Sven Väth, erst recht nicht. Dabei ist elektronische Musik immens populär, wie nicht zuletzt die hohen Besucherzahlen bei einem Spektakel wie dem World Club Dome zeigen.

Diesen Partygängern sowohl die Bedeutung nahezubringen, die Frankfurt einst für die Entwicklung elektronischer Musik hatte, als ihnen auch vor Augen zu führen, auf welch vielfältige Weise diese Klänge etwa mit zeitgenössischer Kunst verknüpft sind, ist eine noble Aufgabe für das MOMEM, das außerdem zur Be­lebung der Innenstadt rund um die Hauptwache beitragen soll. Wenn dies gelingt, hat sich die Warterei gelohnt, selbst wenn sie so lange dauerte.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Riethmüller Christian
Christian Riethmüller
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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