Museen und das Aus für ein Leuchtmittel

Ins rechte Licht gesetzt: Glühbirnen als Kunst

Von Eva-Maria Magel
31.08.2009
, 15:45
Erhellend: Seit dem Frühjahr 2008 beleuchtet im Frankfurter Liebieghaus ein LED-System die Skulpturen
Von September an sollen Glühbirnen nach und nach aus den Regalen verschwinden. Manches Licht-Kunstwerk braucht aber noch weiter Glühbirnen. Im Frankfurter Liebieghaus bewährt sich derweil schon die LED-Technik zur Beleuchtung.
ANZEIGE

Was wird aus Carsten Höllers im Jahr 2000 entstandener pulsierender „Lichtwand“ aus Hunderten von Glühbirnen? Und sollten jemals Energiesparfunzeln das Podest beleuchten, auf dem ein Go-go-Tänzer im silbernen Glitzerhöschen Elaine Sturtevants Dopplung einer Arbeit von Felix Gonzalez-Torres vervollständigt? Beide Werke kennt das Publikum aus den Ausstellungen des Museums für Moderne Kunst. Dessen Restaurator Ulrich Lang mag sich auch nicht so recht vorstellen, wie die vor allem in den sechziger Jahren so beliebte kinetische und Lichtkunst, von der es eine Menge im Bestand des Hauses gibt, mit den ökologisch korrekten Röhren aussehen könnte.

Es ist ein Gedankenspiel: Dass das Werk so bleiben muss, wie es geschaffen wurde, wird jeder Kunstfachmann und -liebhaber einsehen. Normalerweise hat das Museum einige hundert, wenn nicht tausend Glühbirnen auf Lager - auch jetzt. Wie es aber weitergehen wird mit der Kunst und der Glühbirne, diese Frage könnte Lang, wie er zugibt, doch noch schlaflose Nächte bescheren. Er hofft darauf, dass zumindest Sonderanfertigungen weiterhin möglich sein werden - das sind die Birnen etwa in Höllers Wand ohnehin: Glühlampen ohne Aufdruck muss das Museum für sie und andere Installationen extra bestellen. Dass Materialien für moderne Kunstwerke aus dem Handel verschwinden und auf findige Weise beschafft werden müssen, haben Lang und seine Kollegen schon öfters erlebt - sie hoffen, dass ihnen Schleichwege bei den Glühbirnen erspart bleiben oder zumindest nicht verstellt werden.

Die Kunst zum Leuchten zu bringen ist eine Sache - eine andere, sie zu beleuchten. Dafür, sagen Jochen Sander und Martin Engler, Kuratoren im Städel-Museum, verwende man ohnehin keine Glühbirnen. Halogenlampen spielten schon eine Rolle, wie in allen großen Gebäuden, erklären Aysil Sari und Herbert Resch vom österreichischen Lichtgestaltungsunternehmen Zumtobel. Die Firma hat im vergangenen Jahr für das neu gestaltete Skulpturenmuseum Liebieghaus eine neue Lösung gesucht, um in hohen Galerieräumen Kunst energiesparend zu beleuchten. Die LED-Technik, die sie eingesetzt hat, stieß auf großes Lob: Die Meinung, die kleinen 2,5-Watt-Leuchten in sechs Metern Höhe seien zu schwach und gäben ein zu „kaltes“ Licht, haben sie widerlegen können. Auch die Fachleute sind zufrieden mit der Beleuchtung, die gerade die Skulpturen besonders gut hervorhebt. Mittlerweile haben andere Museen das Konzept nachgeahmt, und die Licht-Fachleute glauben, LED-Leuchten könnten auch in Wohnungen die Glühlampe gut ersetzen. Künstler wie Höller arbeiten übrigens ebenfalls mit LED-Technik.

Die Kunst-Kuratoren betrachten die neuen Entwicklungen mit Interesse. Im Idealfall soll die Beleuchtung der Kunst möglichst nah am natürlichen Licht sein. Bei Malerei allerdings, so sagt Jochen Sander, der im Städel-Museum für Gemälde vor 1800 zuständig ist, braucht es weniger Punkt- als Flächenbeleuchtung. Heiß werden dürfe das beleuchtete Kunstwerk auch nicht, sagt der Kunstwissenschaftler - was andernfalls geschieht, können Fachleute an jahrhundertealten sakralen Gemälden sehen, denen zuweilen eine der Kerzen auf dem Altar zu nahe gekommen ist. Kerzen und Tageslicht, in den Kirchen einfallend durch bunte Glasfenster, waren zur Entstehungszeit der Gemälde die einzigen Lichtquellen. Ruß und Wärmeschäden samt der vergeblichen Versuche, sie wieder zu entfernen, haben manchem alten Meisterwerk gehörig zugesetzt. Dafür halten Gemälde auf Holz oder Leinwand heutiges Kunstlicht ganz gut aus, solange es nicht zu warm wird. Am wenigsten Helligkeit vertragen alle Arbeiten auf Papier - sie wurden schon immer in Räumen mit gedämpftem Licht gezeigt.

ANZEIGE

Der neue Anbau des Städel, der unterirdisch liegen und 200 Bullaugen in der Decke haben wird, ist derzeit die große Herausforderung für Lichttechniker. Martin Engler erklärt, mit einer Mischtechnik solle in den Kuppeln ein möglichst perfekter Mix aus Tages- und Kunstlicht entstehen - das zu entwickeln wird noch einige Monate dauern.

ANZEIGE
Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Magel, Eva-Maria
Eva-Maria Magel
Leitende Kulturredakteurin Rhein-Main-Zeitung.
Twitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
Frankfurt Jobs
Jobs in Frankfurt finden
Immobilienmarkt
Immobilien in Frankfurt am Main
Immobilienbewertung
Verkaufen Sie zum Höchstpreis
ANZEIGE