Staatstheater Wiesbaden

Generalmusikdirektor geht vorzeitig

22.09.2021
, 14:04
Abschied: Der Wiesbadener Generalmusikdirektor Patrick Lange geht vorzeitig
Das Staatstheater Wiesbaden verliert seinen Generalmusikdirektor früher als gedacht. Patrick Lange hat „künstlerische Differenzen“ mit dem Intendanten Laufenberg. Der Orchestervorstand äußert Bedauern.
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Der Generalmusikdirektor Patrick Lange wird sein Engagement am Staatstheater Wiesbaden vorzeitig beenden. Grund dafür sind dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst zufolge „künstlerische Differenzen“ mit dem Intendanten Uwe Eric Laufenberg. Das Land Hessen und die Stadt Wiesbaden bedauern als Träger des Theaters den Schritt „außerordentlich“, derzeit würden die Details der Vertragsauflösung verhandelt. Dem Vernehmen nach wird die Auflösung schnell erfolgen. Damit büßt Laufenberg, der selbst vor wenigen Tagen erklärt hatte, seine Arbeit mit der Spielzeit 2023/24 zu beenden, einen weiteren Generalmusikdirektor ein. Auch Langes Vorgänger Zsolt Hamar hatte sein Engagement 2016 vorzeitig beendet.

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Lange ist seit der Saison 2017/2018 Generalmusikdirektor des Staatstheaters, sein Vertrag hätte mit der Spielzeit 2022/2023 geendet. Der Orchestervorstand erklärte im Namen der 80 Musikerinnen und Musiker, Langes Kündigung sei „ein sehr bedauerlicher, aber nachvollziehbarer Schritt“, der „die Konsequenz einer längeren Entwicklung ist und absehbar war“. Die Qualität eines Orchesters könne nur erhalten oder verbessert werden, wenn der Generalmusikdirektor ausreichend Probenzeit mit dem Orchester habe und Proben sinnvoll disponiert würden. „Beide Voraussetzungen waren und sind im Hessischen Staatstheater häufig nicht gegeben“. Versuche Langes, für das Orchester etwas zum Positiven zu verändern, hätten kein Gehör gefunden.

In der jüngeren Vergangenheit war immer wieder von Auseinandersetzungen zwischen Orchester und Intendant zu hören gewesen, auch weil dieses den Spielplan für die Pandemie kritisiert hatte. Laufenberg hatte seit Jahresbeginn die Wiederaufnahme von Wagners „Ring“ geprobt, da Gastverträge mit Sängern schon geschlossen seien. Das Hessische Staatsorchester allerdings wirkte bei der Aufführung nicht mit: Im Juli stand Lange als Dirigent allein im Orchestergraben, während Laufenberg das „Rheingold“ nur mit Klavierbegleitung aufführen ließ.

Lange, der sich mit Kommentaren bedeckt hält, hatte zuvor den Wunsch nach einer „realistischeren“ Spielplangestaltung in der Pandemie geäußert. Kunstministerin Angela Dorn (Die Grünen) sprach jetzt von ihrem „großen Respekt vor der künstlerischen Leistung“ Langes, man hätte gerne weiter mit ihm zusammengearbeitet.

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Quelle: F.A.Z.
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