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Nachhaltig feiern

Freibier for Future

Von Petra Kirchhoff
Aktualisiert am 19.02.2020
 - 18:26
Narrenkappen sind das Symbol der Fastnacht
Fastnacht feiern war vor der Klimakrise einfacher. Nun sind Mettbrötchen und Konfetti tabu. Wirklich?

Heidewitzka, jetzt beginnen die lustigen Tage. Und die gehen in der Regel so: Die Narren werden sich wie immer einen billigen Polyesterfummel made in China überziehen. Sie werden sich Make-up ins Gesicht schmieren, das Mineralöle auf der Basis von Erdöl enthält. Sie werden, wenn die Faschingsparty auf dem Höhepunkt ist, ausgelassen mit Konfetti und Glitter um sich werfen. Ja, und sie werden bei dieser Gelegenheit sogar Bier aus Plastikbechern trinken und diese, wenn sie später um die Häuser ziehen, in einem unbedachten Moment in einer Fensternische stehen oder einfach auf die Straße fallen lassen.

Sie werden am Sonntag beim Fastnachtsumzug durch die Frankfurter Innenstadt einzeln verpackte Bonbons von der Straße auflesen und auch Blumensträußchen, die in Plastikfolie eingeschlagen sind. Am Rosenmontag werden sie, wenn das Reparaturbier noch nicht schmecken will, auf der Fahrt nach Mainz als Stärkungsgrundlage für den weiteren Feiertag Brötchenhälften essen, die dick mit Schweinemett und Zwiebelringen belegt sind. Sie werden daraufhin sehr wahrscheinlich ein, zwei Bäuerchen machen und sich auch untenrum Luft verschaffen müssen. Das wird nicht nur den Treibhauseffekt weiter anheizen, sondern auch die die nüchternen Mitmenschen im Zugabteil irritieren.

Elf Konfetti-Pünktchen für jeden

Alles in allem könnte es also eine supergeile Zeit werden. Wären da nicht die über- und umweltvorsichtigen Bedenkenträger wie die Initiative „Regionale Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien“, kurz Renn. Sie erinnert in einer Mitteilung daran, wie man Karneval auch nachhaltig feiern kann. Das sähe dann in etwa so aus: Der Karnevalist stellt sich sein Kostüm individuell im Secondhand-Shop zusammen oder bestellt das Piraten-Outfit im Verleih. Ins Gesicht kommt nur die Schminke, die als Naturkosmetik zertifiziert ist. Die Liste der Inhaltsstoffe wird daher vor dem Kauf genau gelesen. Auf der Party bekommt jeder Gast die Erlaubnis, über den Abend elf Konfetti-Pünktchen zu verteilen, die er vorher mit der Nagelschere aus altem Zeitungspapier ausschneidet und anschließend mit den Schalen roter Zwiebeln färbt.

Im Sinne der Nachhaltigkeit hängt der Gastgeber auch keine Girlanden und Luftballons auf, sondern füllt leere Einmachgläser mit hübschen Blättern und Steinchen. Statt Chips aus der Tüte serviert er „biologische Snacks“, das Buffet kommt vom Bio-Caterer, und jeder bringt einen wiederverwendbaren Bierbecher aus nachwachsenden Rohstoffen mit. Vielleicht auch einen Maßkrug, den er noch vom Oktoberfest im Keller hat. „Bitte einmal mit 15 Kölsch auffüllen!“

Rosen nur aus fairem Handel

Beim Umzug am Sonntag lassen die Kinder die Bonbons links liegen. Und wenn der Fastnachtsprinz auf dem Wagen Rosen wirft, die nicht aus fairem Handel und ökologischem Anbau sind, dann haut das Fußvolk sie ihm direkt um die Ohren.

Natürlich fahren alle mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Feiern. Oder mit dem Fahrrad. Und wenn denn das Auto nicht zu umgehen ist, erinnern sich die Verkleideten an den Hinweis des ADAC, aus Gründen der Verkehrssicherheit vorher die Clownsschuhe Größe 59 auszuziehen und die Vokuhila-Perücke richtig herum aufzusetzen.

Freund Ede geht in diesem Jahr übrigens als Greta. Keine große Sache: Zwei Zöpfe, Norweger-Mütze. Allerdings wird er für „Freibier for Future“ um die Häuser ziehen, um einmal richtig die Umweltsau rauszulassen. Er freut sich schon.

Quelle: F.A.Z.
Petra Kirchhoff - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Petra Kirchhoff
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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