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Tenacious D in Frankfurt

Nach dem Weltuntergang bleibt Rock

Von Alexander Davydov
 - 05:59
Gelungene Show: Tenacious D tourt mit ihrer Rock-Oper durch Europa.zur Bildergalerie

Musiker kommen und gehen – aber wahre Rock-Legenden leben ewig weiter. Im Falle von Tenacious D überlebt das amerikanische Musiker-Duo Jack Black und Kyle Gass sogar einen atomaren Krieg, der die Welt an den Rand des Abgrunds gestürzt hat. In ihrer rund zweistündigen operettenhaften Show „Post-Apocalypto“ geht es um nichts Geringeres, als darum, die verwüstete Erde wieder zu einem besseren Ort zu machen – und zwar mit der geballten Kraft des Rock.

Auf der Bühne der Frankfurter Festhalle schlittern Black und Gass im in ihren Liedern von einem absurden Abenteuer in das nächste. Dramaturgische Finesse braucht es nicht, eher reihen sich bizarre Ereignisse aneinander, verbunden durch die Songs. Bei ihren musikalischen Kämpfen gegen penisförmige Monster, verrückte Wissenschaftler, männermordende Amazonen oder den Sohn von Donald Trump setzen Tenacious D vor allem auf infantilen, sexuellen Witz. Das Niveau vieler Pointen ist nicht sonderlich hoch – das muss es auch nicht sein und jedermanns Geschmack auch nicht. Genüsslich dekonstruieren Black und Glass das von Klischees durchdrungene männliche Pathos, in dem sich Rock, Hardrock und Heavy Metal nur allzu oft verlieren. Der Spott ist nicht unbedacht plaziert.

Humorvolle Liedtexte, die wachrütteln

Als Kenner und Bewunderer der Szene spielen Tenacious D bewusst mit Elementen opulenter Rockballaden, deren Melodien ein ehrfurchtsvoller Kniefall vor Größen wie Led Zeppelin, Iron Maiden oder Metallica sind. Auf dem vorderen Teil der Bühne bringen Black und Gass ihre akustischen Gitarren an den Rand des technisch Zumutbaren während eine Band im Hintergrund für die entsprechenden, instrumental anspruchsvollen Töne sorgt. Im Gegensatz dazu steht der surreale, auf phallische Symbolik konzentrierte Humor der Liedertexte. So agieren Tenacious D mit viel Selbstironie fast beiläufig auf derselben Ebene der Rockgiganten, die sie persiflieren.

Den sich selbst zu ernst nehmenden, von Testosteron erfüllten harten Rockern nehmen Black und Glass damit reichlich Wind aus den Segeln und sind mit weißem Bart, Glatze und enormem Bierbauch regelrecht die Karikatur bekannter Sexsymbole. Während die beiden Musiker in ihren Liedern durch die Trümmer der alten Welt wandern, kommt die nicht ganz neue Erkenntnis, wie weit das männliche Hormon durch die Geschichte der Menschheit hindurch für Elend gesorgt hat und ein Umdenken zu mehr Einigkeit und Liebe notwendig sei. Für Tenacious D ist Letzteres unbedingt mit brachialem Einsatz von Obszönität verbunden, mag die auch noch so flach oder dumm erscheinen: Sie rüttelt zumindest auf.

Einigkeit und Frieden

Wer glaubt, durch die Akustik bereits auf die Sollbruchstelle der sittlichen Empfindsamkeit gestoßen zu sein, für den bieten Tenacious D provokativ auch noch einen visuellen Nachschlag weit unterhalb der Gürtellinie. Um die Bühne herum wird die postapokalyptische Odyssee mit einem von Jack Black selbst gezeichneten Cartoon ergänzt, als eigenständiger Film auf der Internetplattform Youtube abrufbar. Für diejenigen, die über die Lieder und Dialoge nicht auf Anhieb darauf kommen, wie Tenacious D in einem vom Ku-Klux-Klan bewachten Weißen Haus den Diktator Donald Trump Junior einen magischen Edelstein abnehmen, präsentiert die Leinwand eine Szene, in welcher der Diktator durch Oralverkehr mit einem hypersexuellen Roboter abgelenkt wird.

Als die letzte Schlacht geschlagen und die Welt endlich befriedet ist, widmet sich Tencious D einer Sammlung ihrer bekanntesten Hits aus der mittlerweile über 20 Jahre währenden Bandgeschichte. Mit tausendfacher Stimme des Publikums erklingen Klassiker wie „Tribute“ in der Festhalle. Dort, wo der tätowierte Altrocker mit zerrissener Jeansjacke voller Band-Aufnäher neben einer zierlichen Frau im bordeauxroten Abendkleid mitsingt, amerikanische Studenten Seite an Seite mit einem hiesigen Handwerksmeister gebannt die Show verfolgen, sorgen Tenacious D auf ihre Art für etwas Einigkeit und Frieden.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Davydov, Alexander
Alexander Davydov
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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