Festivals im Freien

Zu Shakespeare mit Regencape

Von Nicole Nadine Seliger
29.06.2022
, 15:27
Programm für die ganz Jungen und für Erwachsene: Die Burgfestspiele Bad Vilbel zeigen unter anderem „Ewig jung“.
Unter Corona- Auflagen hat sich das Theater draußen für viele nicht gelohnt, aber jetzt ist sie wieder da: die Freilichtsaison. Was in den nächsten Monaten so alles ansteht.
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Wer sich vor einem Theaterbesuch auch mal extra ein Regencape einpackt und gern zum Stück ein Glas Wein unter freiem Himmel trinkt, kann sich freuen: Die Freilichtsaison der Theater hat begonnen. Nach pandemiebedingten Absagen in den vergangenen Jahren ist der Open-Air-Kalender der Region wieder gefüllt mit Veranstaltungen unter freiem Himmel.

Einige Frankfurter Theaterhäuser zieht es während ihrer Sommerpause ins Grüne, etwa zum Freilichtfestival im Grü­neburgpark, einer mittlerweile bewährten und in der Pandemie zusammengeschweißten Kooperation der Dramatischen Bühne mit den Landungsbrücken und dem Theaterhaus Frankfurt. Noch bis 21. August wird jeden Tag im nördlichen Teil des Parks gespielt, darunter Klassiker wie „Faust“, „Maria Stuart“ oder „Das Parfum“ in den originellen wie eigenwilligen – und meist komödiantischen – Bearbeitungen durch die Dramatische Bühne. Die Inszenierung von Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ etwa wird zu einem Theaterspaziergang durch den Park und in Shakespeares „Romeo und Julia“ darf das Publikum über den Fortgang der Handlung entscheiden.

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Dazu kommen Gastspiele der Landungsbrücken, die Stücke aus ihrem Saisonrepertoire mitbringen, wie das Zwei-Personen-Stück „Das weiße Dorf“ oder ein Livehörspiel zu „Kafkas Verwandlung“. Komplettiert wird das Programm durch Vorstellungen des Theaterhauses für junges Publikum. „Wilde Schwäne“ nach Hans Christian Andersen und in Anlehnung an die Brüder Grimm „Sieben Geißlein (und der böse Wolf)“ vom Figurentheater Eigentlich stehen auf dem Spielplan. Ins Festival integriert ist dieses Mal auch das Poesiefestival „Literatur reloaded“, das literarische Werke mit klassischer Musik verbindet.

Das Theater Willy Praml zieht wieder an den Mittelrhein und spielt von 1. Juli an „An den Ufern der Poesie“ unter anderem Heine.
Das Theater Willy Praml zieht wieder an den Mittelrhein und spielt von 1. Juli an „An den Ufern der Poesie“ unter anderem Heine. Bild: Theater Willy Praml

Gefördert wird das Freilichtfestival nicht nur von der Stadt Frankfurt, sondern auch durch das diesjährige zweite Kulturpaket des Landes Hessen. Es unterstützt wieder Open-Air-Festivals mit insgesamt 4,3 Millionen Euro. Mit der Neuauflage des Programms „Ins Freie!“ – im vergangenen Jahr noch als Hilfe für corona-kompatible Veranstaltungen geplant – sollen diesmal nach den Erfahrungen des Vorjahres nachhaltige Strukturen und Kooperationen gefördert werden, um die Kulturangebote auch über diesen Sommer hinaus zu etablieren. Insgesamt 51 Festivals profitieren von der Förderung, darunter auch das Ensemble von Shakespeare Frankfurt, das noch bis zum 10. Juli mit der romantischen Komödie „As you like it“ im Botanischen Garten gastiert.

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Das Besondere an den Vorstellungen von Shakespeare in the garden ist, dass die Zuschauer mit den Darstellern zu den unterschiedlichen Spielorten im Park schlendern. Da die Shows bei fast jeder Wetterlage stattfinden, ist ein Regenschutz bisweilen nötig – und Sitzgelegenheiten gibt es während der Vorstellungen kaum.

Gut platziert ist man beim Theaterfestival Barock am Main der Fliegenden Volksbühne, das wegen der Pandemie pausiert hatte. Vom 21. Juli bis 14. August spielt das Ensemble um Michael Quast zwar weiter nicht am angestammten Platz im Bolongaropalast, aber wieder im Hof der Höchster Porzellan-Manufaktur. Die Komödie „Worschtmichels Traum oder Der König von Frankfort“ nach Motiven des dänischen Dichters Ludvig Holberg wird wie gewohnt in hessischer Mundart aufgeführt, verfasst von Rainer Dachselt. Nicht fehlen darf bei den Theatervorstellungen in Höchst traditionell ein großes gastronomisches Angebot. Eine Regenjacke brauchen nur die Zuschauer in der ersten Reihe – der Rest ist überdacht.

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In Frankfurter Parks, in den Burgruinen der Region

Ebenfalls wieder da ist Frankfurts womöglich beliebtestes Festival: Von 15. Juli bis 6. August wird es wieder Stoffel geben, das traditionelle Sommerfestival des Stalburg Theaters im Günthersburgpark. Angekündigt ist es „in alter Größe, in alter Pracht, mit aller Freude“, mit der gewohnten Mischung aus Musik, Kabarett, Würsten und Weinen. Wie bisher wird der Eintritt zu diesem Vergnügen im Park, das sich auf der eigenen Picknickdecke besonders gut genießen lässt, frei sein, Spenden in die roten Eimer, die wieder kreisen sollen, sind allerdings erwünscht.

Theater, Musik, Party, Chillen: Die Frankfurter Sommerwerft ist ein beliebter Treffpunkt.
Theater, Musik, Party, Chillen: Die Frankfurter Sommerwerft ist ein beliebter Treffpunkt. Bild: Martin Albermann

Das kleine Theater Alte Brücke zieht es in seiner Sommerpause ebenfalls ins Freie. Die Macher des Theaters in Sachsenhausen, Sabrina Faber und Alexander Beck, organisieren noch bis zum 31. Juli die Burgfestspiele Alzenau am Rand des Rhein-Main-Gebiets. Im Programm sind das Kriminalstück „Agatha Christies Hobby ist Mord“, das Rock-’n’-Roll-Musical „Im weißen Rössl“ und „Der Zauberer von Oz“. Auch das Theater Willy Praml zieht weit hinaus für sein Sommerprogramm jenseits der Naxoshalle und spielt von 1. bis 17. Juli „An den Ufern der Poesie“ in Bacharach im Oberen Mittelrheintal westlich von Wiesbaden. Der Spielplan, darunter Inszenierungen von Heine-Texten, „Ich rede von der Cholera“ und „Der Rabbi von Bacharach“, sowie die musikalische Lesung „Die Judenbuche“ nehmen Bezug auf das Gedenkjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“.

Bunt, alternativ und abwechslungsreich ist das Image der Sommerwerft an der Weseler Werft in Frankfurt, das diesmal von 22. Juli bis 7. August stattfindet. Es ist eine Plattform für Darbietungen jeder Art – Theater, Tanz, Musik, Open-Air-Kino, Performances – und immer auch eine Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Themen. Diesmal liegt der Fokus auf „Human Rights – Geschichten über das Mögliche“. Wie üblich ist das Geschehen nicht auf die fünf Bühnen beschränkt; vielmehr wird das gesamte Festivalgelände zu einer einzigen Spielfläche – samt Stärkung zwischendurch. Nach zwei Jahren Sommerwerft unter Corona-Bedingungen soll es keine Einschränkungen geben.

Im Frankfurter Grüneburgpark lädt die Dramatische Bühne mit Theater-Partnern jeden Abend zum Open-Air-Theater ein.
Im Frankfurter Grüneburgpark lädt die Dramatische Bühne mit Theater-Partnern jeden Abend zum Open-Air-Theater ein. Bild: Hannah Aders

Traditionell werden auch Burgruinen im Sommer zu stimmungsvollen Spielorten, etwa während der Burgfestspiele Bad Vilbel. Dort gibt es bis zum 11. September unter anderem „Mord im Orient-Express“, das Musical „Sister Act“ und „Robin Hood“ für ein junges Publikum zu sehen. Bis zum 14. August dient auch die Eppsteiner Burg als Kulisse für Theater, Livehörspiel und Kabarett, von 17. Juli bis zum 7. August wird Burg Sonnenberg zum Veranstaltungsort der Sommerfestspiele Wiesbaden. Zur zehnten Auflage des Festivals stehen etwa Shakespeares Klassiker „Hamlet“ und das Märchen „Die Bremer Stadtmusikanten“ auf dem Spielplan. Ein Klassiker sind die traditionell starbesetzten Festspiele in der Bad Hersfelder Stiftsruine, die am 1. Juli beginnen, mit „Notre Dame“. Und im Amphitheater des Schlossparks Philippsruhe werden bis 31. Juli bei den Hanauer Brüder-Grimm-Festspielen Märchen und Musicals gespielt.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Seliger, Nicole Nadine
Nicole Nadine Seliger
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung
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