Theater in Frankfurt

Kunst politisch denken

EIN KOMMENTAR Von Eva-Maria Magel
13.11.2020
, 22:34
Nach dem Festival „Theater der Welt“ hat Frankfurt nun auch den Zuschlag für das Festival „Politik im Freien Theater“ bekommen. Gerade die freischaffenden Theatermacher sind jetzt jedoch von der Pandemie betroffen.

Dass Frankfurt nun, kurz nach dem Zuschlag für das große Festival „Theater der Welt“ im Sommer 2023, auch noch den Zuschlag für das traditionsreiche Festival „Politik im Freien Theater“ bekommen hat, ist ein großer Erfolg. Er liegt sicher auch darin begründet, dass beide Bewerbungen mit Kooperationen punkten konnten und vor allem mit dem Versprechen, kein Festival wie ein „Ufo“ in der Stadt landen zu lassen, sondern mit lokalen Akteuren weit über die angestammte Kulturszene hinaus arbeiten zu wollen. Dass Hierarchien ab- und neue Netzwerke aufgebaut werden sollen, ist seit langem eine Forderung gerade jüngerer Theatermacher.

Erstmals wird nun die freie lokale Szene ein großes nationales Festival mit planen und verantworten. Das ist, gerade in den jetzigen Zeiten, eine gute Geste. Wenn daraus auch Taten werden, die in Schulen, Vereinen, Treffpunkten für Diskussionen, Offenheit, neue Impulse sorgen, wäre das Ziel erreicht, politische Bildung und Kunst zu verbinden. Frankfurt, so sagte es ein Vertreter der freien Szene, sei eine dichte Großstadt, die jeden unausweichlich mit gesellschaftspolitischen Fragen beschäftige. Zugleich gibt es immer engere Netzwerke zwischen den großen Theatern und den freischaffenden Theatermachern.

Gerade die sind durch die Pandemie besonders betroffen, auch wenn nun die ersten Bundes- und Landes-Projektmittel in neue Arbeiten umgesetzt werden. Die bange Frage muss daher auch lauten, wie viele Akteure nach der Pandemie überhaupt übrig sind. Und welche Stücke wohl zur Auswahl stehen werden, wenn es darum geht, das politische Handeln jedes Einzelnen in der Kunst zu spiegeln und zu befragen.

Denn bei „Politik im Freien Theater“ wird schließlich gezeigt, was landauf, landab von den Freien Darstellenden Künsten geschaffen wird. Die Kunst selbst jedenfalls hält sich sehr wohl für systemrelevant und traut sich die Kraft zu, gesellschaftliche und politische Prozesse zu reflektieren, zu begleiten, als Katalysator zu wirken. Momentan muss sie schweigen. Hoffentlich nicht mehr lange.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Magel, Eva-Maria
Eva-Maria Magel
Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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